Die Volkshochschule sucht für eine kleine Ausstellung nach persönlichen Marx-Andenken und den Geschichten, die dahinter stecken.

Ausstellung in Trier : Wer hat noch einen Marx im Keller? - Objekte und Geschichten gesucht

Die Volkshochschule sucht für eine kleine Ausstellung nach persönlichen Marx-Andenken und den Geschichten, die dahinter stecken. So wie jene des kuriosen Briefs, den ein 95-jähriger Moselaner fand.

Eine verstaubte Statue könnte es sein, ein 100-Mark-Schein aus der DDR, Wimpel, Münzen, Broschen, T-Shirts, Tassen oder handsignierte Ausgaben. Die Volkshochschule Trier ist auf der Suche nach Karl-Marx-Andenken, die noch auf den Speichern oder in den Kellern der Region darauf warten, wiederentdeckt zu werden.

„Interessant sind die Geschichten dahinter“, sagt Rudolf Fries, Leiter der VHS, die plant, die Geschichten, die TV-Leser ihm erzählen, aufzuschreiben und gemeinsam mit den Objekten im VHS-Gebäude am Trierer Domfreihof auszustellen. Eine weitere kleine Karl-Marx-Ausstellung im Rahmen des Jubiläumsjahres soll es werden. Wenn sich denn genügend Interessantes findet.

Auch Briefe kämen infrage, wie jener, den der 95-jährige Gerhard Lenssen aus Bernkastel-Kues in dem Nachlass seiner Frau Elisabeth gefunden hat. Sie war die Urenkelin von Eugen Strohn, einem Hamburger Freund von Karl Marx.

Es ist die Abschrift eines Briefes, den der Philosoph am 13. April 1867 an seinen Freund Friedrich („Fred“) Engels schrieb. Soeben hatte er das Manuskript des „Kapital“ nach jahrelanger, zuweilen qualvoller Arbeit und anstrengender Schiffsreise seinem Hamburger Verleger überreicht, der ihm mitteilte, dieses rasch drucken zu wollen. Zweifellos ein Moment der Erleichterung, vielleicht des Triumphes.

Ein Moment, dessen Bedeutung die Worte des Briefes beim besten Willen nicht widerspiegeln. „Der konnte reichlich ironisch sein“, sagt Gerhard Lenssen amüsiert über Karl Marx, der in dem Schreiben eine ganz andere Seite von sich sehen lasse als im „Kapital“.

Marx beschreibt die Schifffahrt zwischen London und Hamburg. „Höchst tolles Wetter und Sturm. Mir war, nach dem langen Verschluss, dabei so kannibalisch wohl als wie 500 Säuen“, teilt der Philosoph seinem Freund mit, ehe er seine reichlich skurrile Reisegesellschaft beschreibt, zu der ein Deutscher zählte, „der seit 15 Jahren sich herumtreibt im Osten von Peru, einer erst kürzlich geographisch registrierten Gegend, wo u.a. noch tüchtig Menschenfleisch verspeist wird.“ Als Anhang habe dieser „eine Frauensperson (die anderen Damen alle seasick und kotzend in der Damencabin), alter Gaul mit zahnlosem Maul, hannöversch fein sprechend...“.

Im Beisein der Dame habe der Deutsche „mit wahrem Gusto alle Geschlechtsschweinereien der Wilden“ erzählt.

 „Ein Beispiel: Er ist begastet in einer Indianerhütte, wo grade denselben Tag die Frau niederkommt. Die Nachgeburt wird gebraten und – höchster Ausdruck der Gastfreundschaft – er hat ein Stück von dem sweetbread mitzugenießen!“, steht da in einem Brief voller Anglizismen, der mit einer angenehmen Überraschung endet: Marx’ Verleger Otto Meißner will das Manuskript drucken.

„At all events, haben wir in Meißner einen Mann ganz zu unsrer Disposition; er hat große Verachtung für das sämtliche Lumpenliteraturpack“, heißt es in der Abschrift, aus der auch hervorgeht, dass Marx Eugen Strohn, den Urgroßvater von  Gerhard Lenssens Frau Elisabeth, in Hamburg besuchte.

Rudolf Fries bemüht sich nun für die kleine Ausstellung, eine Kopie des Originalbriefes zu bekommen.

Originaldokumente belegen, dass Karl Marx als junger Mann „wegen nächtlichen ruhestörenden Lärmens“ eingebuchtet wurde. Foto: picture alliance / Christoph Dri/Christoph Driessen
Gerhard Lenssen mit einem Brief von Karl Marx, in dem dieser Eugen Strohn erwähnt. Foto: TV/Privat
... den Urgroßvater von Lenssens Frau. Foto: TV/Privat
Mögliches Marx-Souvenir: Ein alter Stadtplan von Karl-Marx-Stadt. Nach der Wende erhielt Chemnitz seinen alten Namen zurück. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb/Jens_Büttner
Das Abgangszeugnis von Karl Marx mit Bemerkungen zu seinem zuweilen ziemlich rüpelhaften Verhalten. Foto: picture alliance / Marius Becker/Marius Becker
In Neubrandenburg liegt ein Karl-Marx-Denkmal eingepackt auf einem Hubwagen. Die Statue stand bis 2001 im Zentrum der Stadt. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Haben Sie auch perönliche Marx-Andenken Zuhause? Dann melden Sie sich bei der Volkshochschule Trier, per E-Mail an Rudolf.Fries@trier.de oder unter Telefon 0651/718-1430.

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