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Dumme Diebe, salonfähige Schmuddelkinder und eine sexy Sissi

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Dumme Diebe, salonfähige Schmuddelkinder und eine sexy Sissi

Man muss schon ein bisserl deppert sein, wenn man sich nach erfolgreichem Diebstahl eines Kunstwerks im Internet (und nicht im Darknet) nach dessen Wert und Vermarktbarkeit erkundigt. So geschehen in Wien, wo der Mitarbeiter einer Spedition während seiner Arbeitszeit Werke im Wert von insgesamt 1,3 Millionen Euro entwendete - darunter Zeichnungen von Gustav Klimt und Druckgrafiken von Egon Schiele. Das Diebesgut wurde auf dem Dachboden der Eltern des 45-jährigen Verdächtigen gefunden.

Der Fall kam ans Licht, nachdem der Mann auf der Datenbank des Londoner Art Loss Register nach einem chinesischen Bronzegefäß aus dem 11. Jahrhundert gesucht hatte. Der Gegenstand war dort zwar nicht eingetragen, doch er war in der Kunstdatenbank der Interpol als gestohlen gemeldet. Die internationale Polizeibehörde erfuhr von der Abfrage des Mannes, der auch bereits mit einem internationalen Auktionshaus in Kontakt stand, um das Gefäß zu Geld zu machen. Österreichische Behörden konnten das Objekt und fünf weitere Kunstwerke bei Hausdurchsuchungen sicherstellen.

Einst gehörten sie zu den Schmuddelkindern der Literaturszene; jetzt werden ihnen Museumsehren zuteil: Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM)  in Leipzig hat eine umfangreiche Comic-Sammlung aus der US-amerikanischen Underground- und Independent-Szene gekauft, die mehrere Jahrzehnte umfasst. Gesammelt hat die Strichzeichnungen der Verleger und Herausgeber Armin Abmeier (1940-2012). Er hat sich mit Beginn der 1960-er Jahre vornehmlich auf einzelne Akteure konzentriert, die heute laut DBSM zu den Großen der Szene zählen – darunter Robert Crumb, Art Spiegelman und Mark Beyer.

Zurück nach Wien und Weihnachten: Was wäre das Fest ohne „Sissi”-Filme? In diesem Jahr ist bei den Hardcore-Fans allerdings Vorsicht geboten: Nicht dass sie die falsche Programmtaste drücken und statt bei der ARD bei RTL landen. Dort gibt es nämlich auch eine neue Betrachtungsweise auf das Leben der österreichischen Kaiserin. Das kommt allerdings nicht so zuckersüß wie mit Romy Schneider daher, sondern eher etwas lebensnaher: Es geht um Krieg und Frieden, Glamour und Schmutz, Anmut und Armut, Intrigen und jede Menge Sex. Gleich in der ersten Szene geht‘s damit los, allerdings beschäftigt sich das blaublütige Madl ganz ohne maskuline Unterstützung mit sich selbst. Doch irgendwann kommt auch der Kaiser dazu und zeigt der Gemahlin, dass nicht nur das Volk in seiner Gegenwart zu jubeln beginnt. Mit Romy Schneiders Backfisch-Sissi hat die RTL-Wiedergängerin mithin nicht allzu viel am Hut und anderswo. Die sechsteilige Miniserie zeigt der Sender in Doppelfolgen an drei Abenden hintereinander jeweils um 20.15 Uhr (28., 29. und 30. Dezember). Das kontaktfreudige Regentenpaar spielen die Schweizerin Dominique Devenport, die Ensemblemitglied im Volkstheater Rostock ist, sowie der Hamburger Jannik Schümann. Dialekt und österreichischen Singsang gibt es hier nicht, ebenso wenig wird die Zither rausgeholt und durch den Wald spaziert. Stattdessen wird gefochten, auf Schlachtfeldern gekämpft, am Hofe intrigiert, sich in der Familie geärgert, werden Reifröcke gehoben und Mätressen auf Matratzen gelegt. Das alles, da darf man sicher sein, kam der der k.u.k.-Lebensrealität viel näher als das, was der Regisseur Georg Marischka seinerzeit auf seine goldgerahmte Leinwand gemalt hat.

no/dpa