| 20:33 Uhr

Echo-Verleihung
Maas kritisiert Preis für Skandal-Rapper und lobt Campino

Berlin. Die Antisemitismus-Debatte um Kollegah und Farid Bang geht weiter. Außenminister Maas kritisiert die Echo-Preisverleihung als "beschämend" und lobt Campino für dessen Rede. Die beiden Rapper gehen darauf nicht weiter ein: "Wir sind die Gewinner."

Die Antisemitismus-Debatte um Kollegah und Farid Bang geht weiter. Außenminister Maas kritisiert die Echo-Preisverleihung als "beschämend" und lobt Campino für dessen Rede. Die beiden Rapper gehen darauf nicht weiter ein: "Wir sind die Gewinner."

"Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient, sie sind einfach widerwärtig", twitterte Bundesaußenminister Heiko Maas am Freitag. "Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend." Maas würdigte dagegen den Auftritt von Toten-Hosen-Sänger Campino. "So wie #Campino müssen wir uns schützend vor jüdisches Leben stellen - jeden Tag und überall."

Die beiden Rapper waren am Donnerstagabend für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem renommierten Musikpreis ausgezeichnet worden. Sie stehen wegen der Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" in der Kritik. Die Auszeichnung erfolgte am 12. April, an dem vor allem Israel an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden erinnert. Campino sagte bei der Preis-Verleihung, Provokation sei zwar ein wichtiges Stilmittel. Bei einer frauenfeindlichen, homophoben, rechtsextremen oder antisemitischen Form sei aber eine Grenze überschritten.

Neben Maas kritisierten auch andere den Echo für Kollegah und Farid Bang:

  • Die Auszeichnung sei ein "verheerendes Zeichen", sagte Charlotte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Gerade erst entstehe die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen". Mitten in diese Debatte falle nun diese Auszeichnung von Musik, "die jene Phänomene zu befördern vermag". Mit "ihren menschenverachtenden Botschaften" erreichten die beiden Rapper Millionen meist junger Menschen.
  • Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnete die Texte am Freitag als "hervorragendes Fallbeispiel" für Bildungsarbeit - gewissermaßen als Beispiel für "So nicht". Gleichzeitig teilte er die Kritik an den Texten und die Sorgen um ihre Breitenwirkung: "Wenn Jugendidole wie Kollegah und Farid Bang antisemitische Texte rappen, hat das selbstverständlich eine besondere Kraft und Wirkung auf Jugendliche", erklärte Mendel.
  • Die Jusos twitterten am Freitag, es sei beschämend und ein falsches Signal, dass es nicht für einen Echo-Ausschluss gereicht habe. "Es geht nicht um einzelne Worte, sondern um Antisemitismus, Sexismus und die Homophobie in Teilen der Rap-Szene."
  • Solche Zeilen verletzten nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, der Deutschen Presse-Agentur, nachdem er sich zuvor auch in der "Bild" geäußert hatte. "Das missbraucht die Kunstfreiheit und ist inakzeptabel. Es ist sehr problematisch, dass damit auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht werden." Einer renommierten Veranstaltung wie der Echo-Preisverleihung sei das nicht würdig.
  • Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, bezeichnete den Echo für die beiden Rapper als "Schande". "Der Bundesverband Musikindustrie und die Jury haben bei ihrer Entscheidung das historische Erbe Deutschlands völlig ausgeblendet", sagte er am Freitag. Musiker, die für Millionen von Jugendlichen ein Idol seien und diese mit antisemitischen und menschenverachtenden Musiktexten beeinflussten, dürften "keine Preise hierfür gewinnen". Campino habe dagegen dafür gesorgt, "dass nicht der Ruf der gesamten Branche ruiniert ist". Die jüdische Gemeinschaft wisse den Einsatz von Campino "definitiv zu schätzen".

Die beiden Rapper gingen auf der Echo-Preisverleihung auf die Kritik kaum ein. "Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen", sagte Kollegah am Donnerstag nach Campinos Rede. Später bezeichnete er die Kritik als "stillos" und warf dem Düsseldorfer vor, sich als moralische Instanz aufzuspielen. Farid Bang sagte am Donnerstag in einem Interview mit dem Fernsehsender Vox: "Wir feiern heute, und wer sich jetzt noch aufregen will, dass wir den Echo bekommen haben, der soll es machen. Wir sind die Gewinner."

(wer)