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Kunst
Von der Ballkunst zur Malerei: Ex-Nationalkickerin stellt eigene Gemälde in Trier aus

Seitenwechsel: Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Josephine Henning zeigt im Frankenturm Trier ihre erste Kunst-Ausstellung.
Seitenwechsel: Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Josephine Henning zeigt im Frankenturm Trier ihre erste Kunst-Ausstellung. FOTO: TV / privat
Trier. Die ehemalige Nationalspielerin Josephine Henning präsentiert ihre erste Gemälde-Ausstellung im Trierer Frankenturm. Die 29-Jährige will mit einem Klischee aufräumen. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Sie gewann mit der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft 2016 Olympia-Gold – das Finale im legendären Maracana-Stadion verfolgten mehr als 50 000 Zuschauer. Und sie gewann vier Mal die Fußball-Champions-League – unter anderem mit dem VfL Wolfsburg 2013 im Finale gegen Olympique Lyon vor 20 000 Fans an der ruhmreichen Stamford Bridge in London.

Wenn Josephine Henning am 28. Oktober im Trierer Frankenturm rund 100 Menschen entgegentritt, wird sie aber nervöser sein als in jedem Stadion, in dem sie gespielt hat. Die 29-Jährige, die im Sommer ihre Fußball-Karriere beendet hat, zeigt ihre erste Kunst-Ausstellung. Mit „21 stories“ („21 Geschichten“) ist sie betitelt. 20 zum Teil großflächige Motive warten auf die Besucher – und eine Überraschung. Zu sehen sein werden farbenfrohe Acryl-Gemälde auf Leinwand. Zu Hennings Kunstwerkzeug gehören Pinsel, Spachtel, Schwamm, Spraydose und Strohhalm.

Eine Fußballerin, die malt – Henning hat die Erfahrung gemacht, dass das für viele nicht zusammenpasst: „Ich will Schluss machen mit solchen Klischees und Horizonte erweitern.“

Die Kunst wurde ihr in die Wiege gelegt. Die Mutter Theatermalerin, der Vater Schauspieler. „Bei uns zu Hause lief kein Fernseher, stattdessen bekam ich einen Pinsel in die Hand gedrückt. Wenn ich mal Hausarrest bekam, habe ich das nicht als Strafe empfunden, weil ich dann etwas malen konnte“, sagt Henning, die in Trier aufgewachsen ist.

Fußball und Kunst – für Henning  zwei Lieblingsbeschäftigungen. Die in der Jugend bei der MSG/FSG Zewen-Igel und der MSG/FSG Schweich-Issel fußballerisch ausgebildete Abwehrspielerin spielte in der Bundesliga für Turbine Potsdam und den VfL Wolfsburg sowie international für Paris Saint-Germain, Arsenal London und Olympique Lyon. Die Tropäensammlung der 42-fachen Nationalspielerin: sieben nationale Titel, vier Champions-League-Siege, Olympiasiegerin, Europameisterin. Parallel zum Sport studierte Henning. Zunächst Gesundheitsmanagement („Das war ein Vernunftsstudium.“), später dann Grafikdesign und Interior-Design.

Besonders  bei ihren Auslandsstationen wuchs wieder die Lust an der Kunst: „Vor allem in Frankreich war der Input sehr groß.“ Die Power in ihren Bildern soll die Betrachter begeistern, aber auch zum Nachdenken und Träumen anregen. Sie sollen Freude und Energie vermitteln, aber auch zur Entschleunigung beitragen. Ihre Inspirationen holt sich Henning überall. „Ich erinnere mich an eine Frau, die beim Anblick der Fenster in der Kathedrale von Metz Tränen in den Augen hatte. Diesen Moment habe ich später in einem Bild festgehalten“, sagt Henning, die fiktive und reale Szenen auf Leinwand festhält. Auf den ersten Blick überraschend: Nur eins ihrer bisherigen Bilder dreht sich um Fußball.

Henning malt nicht, damit die Bilder irgendwo im Keller stehen. „Es wäre ein Traum, wenn ich mit der Kunst meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte“, sagt sie. Die Anfänge sind gemacht. Ihr erstes Bild habe sie für 400 Euro verkauft. Gerade malt sie ein Werk für eine Fußballerin aus München. Mit ihr hat sie mehrmals über den Preis verhandelt – weil der von Henning vorgeschlagene für die Kundin zu niedrig war…

In Räumen eines Hinterhofs an der Trierer Güterstraße laufen Hennings letzte Vorbereitungen für die Ausstellung. Sie sucht ein bezahlbares Atelier in Trier – kein leichtes Unterfangen.

Mit der Ausstellung geht für die 29-Jährige ein Herzenswunsch in Erfüllung: „Die Vertragsunterschrift war wie ein Champions-League-Moment.“ Sie will jeden Tag mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Eine neue Erfahrung für Henning: „Ich weiß, dass ich Bammel haben werde.“