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Theater
Ein Fest für Schauspieler

Probe für „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“: Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp mit Regisseur Ulf Dietrich (vorne).
Probe für „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“: Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp mit Regisseur Ulf Dietrich (vorne). FOTO: Dirk Tenbrock
Trier. Richard Alfieris „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ kommt mit Barbara Ullmann und dem neuen Ensemblemitglied Dimetrio-Giovanni Rupp ins Theaterstudio.

Tanz. Körper bewegen sich rhythmisch zur Musik. Doch Tanz ist mehr, er ist ein Ritual, eine Form sozialer Interaktion, eine Therapieform, ein Gefühlsausdruck. Und Tanz verbindet. Bei Swing, Tango, Walzer, Foxtrott, Cha Cha Cha, Twist und modernen Tänzen kommt man sich näher. Wirklich? Immer? Auch Lily und Michael?

Die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein. Sie eine verwitwete Predigerfrau, er ein schwuler Broadwaytänzer. Sie eine einsame ­pensionierte Lehrerin, er ein hitzköpfiger mimosenhafter Italiener. Zwei Menschen, die sich im richtigen Leben nie begegnet wären. Doch Lily hat sich einen Tanzlehrer nach Hause bestellt. Und dann steht Michael in der Türe.

Da kracht es schon auf den ersten Blick – ein Pas de deux zweier ganz besonderer Charaktere. „Am Anfang denkt man, die beiden vernichten sich“, sagt Ulf Dietrich, der Richard Alfieris „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ für das Theater Trier im Studio auf die Bühne bringt. Denn: „Sie treten sich auf die Füße.“

Die Zuschauer erleben den Unterricht mit – jede der Szenen endet mit einem Tanz.  Choreograph Paul Hess habe ihm die Tänze gezeigt, erzählt Dimetrio-Giovanni Rupp, der den Michael verkörpert. „Er war mein Vorbild. Während er mir die Tänze erklärt hat, habe ich mir zusätzlich abgeguckt, wie er es mir erklärt.“ Das habe er ins Stück eingebaut. „Ich habe selbst die Tänze gelernt und auch, wie ich unterrichte.“ Gar nicht so einfach, denn „ich muss die Damenschritte zeigen und die Männerschritte tanzen“.

Doch der Tanz ist nur die Klammer. Lily lebt einsam in ihrer Wohnung. „Da erinnere sie sich daran, dass sie früher etwas geliebt hat, was in ihrer Ehe mit dem Baptisten nicht ging: tanzen“, erzählt der Regisseur. Michael hingegen braucht Geld. Und so kreuzen sie ihre Klingen. „Das Stück spannt einen weiten Bogen der Emotionen“, sagt Barbara Ullmann, die die Lily spielt. Es geht um das Altern, verpfuschte Lebensentwürfe, misslungene Liebesbeziehungen und Einsamkeit. „Sie ist deutlich älter und hat eine andere Perspektive auf das Leben und die Zukunft“, sagt Ullmann. „Das ist ein Bausteinchen mehr, was zu den Unterschieden zwischen ihnen beiträgt.“

Doch sie fassen langsam Vertrauen zueinander. „Sie gehen durch alle Gefühlszustände, von Trauer über Wut bis hin zu Freude und Liebe“, sagt Dietrich. „Am Ende entwickelt sich eine Beziehung, die über eine Freundschaft hinausgeht.“ Es gebe viele sehr komische und witzige Momente, sagt Ullmann. Aber nicht nur, eine tolle Sache sei die Mischung in  Alfieris Zwei-Personen-Stück. „Man hat Spaß, aber es geht auch in die Tiefe.“

Das Besondere in der Trierer Inszenierung: Ullmann und Rupp kannten sich vor den Proben nicht. Rupp ist auf Einladung des Intendanten Manfred Langner ans Trierer Theater gekommen. „Das habe ich sehr gerne bejaht, weil ich in Stuttgart schon unter seiner Intendanz gearbeitet habe.“ Und der hat ein richtig gutes Händchen bei der ­Stückauswahl: Die Premiere am Freitag, 21. September, 20 Uhr, im Studio ist ausverkauft, alle weiteren Vorstellungen so gut wie.

Zwischen Rupp und ihr habe es direkt funktioniert: „Es ist ein großes Glück, dass wir uns gut verstehen“, sagt Ullmann. „Ich bin heilfroh, wir haben den gleichen Humor.“ Gute Voraussetzungen  für das Stück. „Es ist sehr intensiv, und man arbeitet sich aneinander ab“, sagt Dietrich. „Es ist ein Fest für Schauspieler!“

Premiere: 21. September, 20 Uhr (ausverkauft). Weitere Termine: 30. September, 18 Uhr, 6., 17., 28. Oktober, 15., 16. November, jeweils um 20 Uhr. Es gibt nur noch Restkarten an der Theaterkasse, Telefon 0651/718-1818.