Europa lebt – wenigstens in der Kunst

Kultur : Europa lebt – wenigstens in der Kunst

83 ausgestellte Werke und zwei vergebene Preise: In den Ausstellungsräumen im einstigen Abteigebäude in Prüm steht das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund.

Wer in Prüm durch die Ausstellungsräume geht, gewinnt tatsächlich den Eindruck, dass hier das Gemeinschaftserlebnis und die Selbstversicherung als künstlerische Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Fast 130 Arbeiten wurden eingereicht, stattliche 83 hat die Jury zur 61. Jahresausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK) zugelassen, darunter zahlreiche Künstler der Region.

Es dominieren abstrakte Gemälde, ein wenig Grafik ist zu sehen, dazu einige fotografische Positionen und Kleinplastiken. Unter den Gemälden fallen Anna Reckers traumblaue „Flucht-Punkte“ auf und Hans Maas’ „Zone I“, Roger Jungs „Komposition“, sowie Monika Bozens „Hamurabi“. Feinsinnig aber leider ungünstig gehängt ist Sebastian Böhms „Lea“.

Ein Großteil der abstrakten Gemälde überzeugt allerdings weder in der Komposition noch im bildschöpfenden Umgang mit der Farbe. Eine interessante, bereits antike Technik belebt Aurora Suren farbstark mit ihren enkaustischen Arbeiten, einem Verfahren, bei dem sich flüssiges Wachs und Farbpigmente verbinden.

Unter den raren figurativen malerischen Positionen überzeugt Martina Diederichs „Seeme“. Als Grafikerin verstört erfrischend Birte Svea Metzdorf mit ihrem hintersinnigen „Sprung“. Als interessante späte Nachfahrin der Surrealisten präsentiert sich Kary Barthelmey in ihren Fotografien. Tony Cragg steht Pate bei Marianne Dicks schöner Plastik „Am Anfang I“.

„Es ist wichtig, in jeder Form Europa zu leben“, fordert Isabelle Weykmans zur Eröffnung der traditionellen Jahresausstellung der  EVBK. Für die Kunstvereinigung ist deren Forderung seit der Gründung vor über 60 Jahren Programm.

Die Kulturministerin der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Schirmherrin der Ausstellung 2018 warnte vor dem drohenden Auseinanderbrechen Europas, das es mit aller Kraft zu verhindern gelte. Der Gemeinschaftsgeist sei entscheidend, mahnte auch Prüms Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Ihr „Dabei sein ist alles“, klang angesichts Weykmans Warnung geradezu wie ein Weckruf.

Dass die Kunst im europäischen Zusammenhalt eine wichtige Funktion hat, bestätigte auch Marie-Luise Niewodniczanska. „Der Einfluss der Kunst aufs Bewusstsein wird immer stärker“, stellte die EVBK Präsidentin zur Auftaktveranstaltung der Jahresschau fest.

Die war diesmal, musikalisch umrahmt vom Benno Raabe Trio, wegen der umfangreichen Restaurierungsarbeiten in der Prümer Basilika, in den angrenzenden Kreuzgang der ehemaligen Abtei verlegt worden. Zum 61. Mal wird die Jahresausstellung dort präsentiert.

Den mit 3500 Euro dotierten Kaiser-Lothar-Preis der Stadt Prüm überreichte Bürgermeisterin Wei­nandy an die in Prüm geborene Belgierin Gerty Haas-Crasson für ihr Lebenswerk. Die Malerin steht der klassischen französischen Moderne nahe.

Den von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm gestifteten, mit 1000 Euro ausgestatteten Förderpreis vergab Irene Mees für das Geldinstitut an Jennifer Tautges. Eine Entscheidung, die nach den in Prüm gezeigten Arbeiten schlecht nachzuvollziehen ist. Überhaupt bleibt der künstlerische Eindruck in diesem Jahr auffallend schwach.

Und auch die wenigen Arbeiten aus den angrenzenden Ländern Frankreich, Luxemburg und Belgien lassen den europäischen Gedanken vor allem Programm sein.

Man wird sich fragen müssen, wie man künftig den unbedingt erhaltenswerten europäischen Grundgedanken dieser Vereinigung neuerlich vielfältig mit Leben erfüllen kann. Es wäre wünschenswert, dass sich auch in den Ausstellungen der EVBK spiegelte, was dem europäischen Gedanken guttut: Vielfalt, Frische, Mut, konstruktive Kontroverse und solide Qualität.

61.Jahresausstellung der Europäische Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK). Foto: TV/Eva-Maria Reuther
61.Jahresausstellung der Europäische Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK). Foto: TV/Eva-Maria Reuther

Die Ausstellung findet noch bis 28. Juli statt und ist täglich von 13.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Am 29. Juli bis 16 Uhr. Mehr dazu im Internet auf www.EVBK.org

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