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Europäische Kunstakademie zeigt Ausstellung "Me, Myself and I"

Ausstellung : Künstlerische Selbstversuche

Das eigene Selbst erkunden die Dozenten der Europäischen Kunstakademie Trier in der alljährlichen Ausstellung der Lehrkräfte. Das Ergebnis enttäuscht.

„Wer bin ich und wie viele?“- Seit Richard David Prechts populärwissenschaftliche Selbstbefragung die Bestsellerlisten gestürmt und die Talkshows in Gang gehalten hat, ist die Frage nach dem Selbst endgültig zum fernsehtauglichen Volkssport geworden. Fraglos ist im Zeitalter von Selfie-Wahn, Selbst-Optimierung, zunehmend wahrgenommenem Narzissmus, von Selbstverwirklichung wie Selbstentfremdung, die Betrachtung und Hinterfragung des „Selbsts“ ein hochaktuelles Anliegen.

Mit ihrem Thema „Me, Myself and I“ liegt somit auch die Dozentenausstellung der Europäischen Kunstakademie Trier nicht nur voll im Trend, und was das Ausstellungsprogramm der Akademie angeht, in der schlüssigen Nachfolge der vorigen Ausstellung „Künstler sehen sich selbst“. Mit ihren Arbeiten könnten die Teilnehmer der Ausstellung überdies einen durchaus spannenden wie erhellenden Beitrag zur individuellen wie gesellschaftlichen Selbsterkenntnis leisten. Dazu hätten sie allerdings die inhaltliche und künstlerische Herausforderung des Themas annehmen müssen. Wovon sie abgesehen haben.

Das „Selbst“ oder „Ich“ ist zweifellos ein hochkomplexes Gebilde, das sich zudem im Laufe des Lebens bei jedermann verändert. Für den Psychiater Carl Gustav Jung war es von zentraler Bedeutung für das Individuum. Dass ein derart facettenreiches Thema nicht vollumfänglich in einer Ausstellung verhandelt werden kann, sondern der Zugriff darauf genauso individuell bleiben muss, wie die zwei Dutzend beteiligten Künstler, liegt auf der Hand. Dass es allerdings so oberflächlich reflektiert und in den meisten Fällen formal und ästhetisch derart uninspiriert verbildlicht wird wie jetzt in der EKA, ist ausgesprochen enttäuschend.

Die originellste Arbeit bleibt da Serge de Wahas Buchobjekt „ shoot myself“, während seine personifizierten Fahrradsättel doch recht platt geraten sind. Ausgesprochen witzig, dem Zeitgeist auf der Spur und ästhetisch gelungen ist Klaus Hoefs teuflischer Film „Devil preferred Espresso“. Dagegen erinnert Simone Buschs Kurzfilm „Where I am“, bei dem sie sich auf den Weg zu sich selbst mit den Bildern im Kopf macht, eher an einen touristischen Amateurfilm. Auch Martina Diederichs Video „Die-Der-Dich“ kann künstlerisch bestenfalls als Versuch der Malerin gelten, sich mit einem neuen Medium vertraut zu machen. Dagegen überzeugt inhaltlich wie handwerklich Marcel Köhlers vierteilige Fotoserie „Feelings“ . Sehenswert ist zudem Stefan Krauths neunteiliger Fotozyklus „In America“. Marion Anna Simon bemüht sich in einem großformatigen Gemälde um Analyse und veräußerte Tiefenpsychologie. Mit ihrem Selbst als Bildhauerin geht Cony Theis eher hilflos um. Und auch Beate Höings „Prinzessin im Kleinformat“ ist zu brav, um möglicherweise als selbstironisch durchzugehen.

Gesellschaftliche Bezüge sind bei den in der EKA präsentierten Selbst-Vorstellungen offenbar nicht von Interesse. Zumindest reflektieren sie kaum, weder Stellung noch Rolle des Selbsts im sozialen und kulturellen Kontext. So bleiben die meisten Positionen eine künstlerisch blasse One-Man oder One-Frau Show nach Art eines verbildlichten psychoanalytischen Selbstversuchs.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. August in der Europäischen Kunstakademie zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Gruppenbesichtigungen sind nicht mögich. Weitere Informationen – auch hinsichtlich der Corona-Vorschriften unter eka-trier.de
Es ist zu beachten, dass ab dem 27. August die Zufahrt zur EKA geändert ist. Durch die Sperrungen der Römerbrücke ist eine Zufahrt vor allem über die Kaiser-Wilhelm-Brücke möglich. Mehr Infos unter trier.de oder im Volksfreund.