| 17:47 Uhr

Film-Gespräch „The Room“
Mit Herzblut gescheitert

Die Köpfe hinter „The Room“, Greg Sestero und Tommy Wiseau, hier dargestellt von Dave Franco und James Franco in „The Disaster Artist“, der Verfilmung der Entstehungsgeschichte von „The Room“.
Die Köpfe hinter „The Room“, Greg Sestero und Tommy Wiseau, hier dargestellt von Dave Franco und James Franco in „The Disaster Artist“, der Verfilmung der Entstehungsgeschichte von „The Room“. FOTO: dpa
„The Room“ gilt als einer der miserabelste Filme aller Zeiten – und das Publikum liebt ihn. Die TV-Volontäre Adrian Froschauer und David Falkner haben die filmgewordene Tortur über sich ergehen lassen. Von Adrian Froschauer und David Falkner

Mehr zum Thema: Im Kino gewesen. Gelacht. Warum ist Trash beliebt?

David Falkner: Du hast nicht zu viel versprochen: „The Room“ ist tatsächlich noch viel, viel schlimmer, als ich erwartet hatte.

Adrian Froschauer: Ja! Grandios, oder? Ich bin ein großer Fan, habe den Film bestimmt schon zehn Mal gesehen und entdecke immer noch jedes Mal neue Tiefpunkte.

Falkner: Ich bin ja eigentlich eher kein Trash-Liebhaber. Aber ich bin überrascht, wie viel Spaß mir „The Room“ gemacht hat.
Dabei ist die grundlegende Geschichte nicht mal sehr schräg oder abgehoben wie bei vielen anderen Trashfilmen: Es geht um Johnny, einen übertrieben tollen Typen – viele Freunde, glücklich verlobt, hilft jedem, wo auch immer er kann, kümmert sich um Waisenkinder, und so weiter und so fort. Aber seine Verlobte betrügt ihn mit seinem besten Freund.
Und … Das war’s im Großen und Ganzen, oder?

Froschauer: Schon erstaunlich: Es passiert gleichzeitig viel zu wenig und viel zu viel in dem Film.

Falkner: Was meinst du damit?

Froschauer: Den grundlegenden Plot hast du treffend zusammengefasst. Aber da tauchen extrem viele vollkommen unbedeutende Nebenfiguren auf. Und es werden die ganz großen Themen ausgepackt: Liebe, Verrat, Freundschaft, Sex, Verbrechen, Tod. Aber keines wird wirklich näher behandelt. Zum Beispiel taucht in einer Szene Johnnys Schwiegermutter in spe auf …

Falkner: Sie taucht viel zu oft auf und sagt jedes Mal dasselbe.

Froschauer: Das stimmt. Aber in der Szene, die ich meine, erzählt sie, dass sie Brustkrebs hat. Ihre Tochter sagt dann, dass alles gut wird. Und das war’s, die Krankheit wird nie mehr erwähnt.

Falkner: Oh ja! Und in einer wunderbaren Szene bedroht ein Drogendealer Denny – den Waisenjungen, um den Johnny sich kümmert – mit einer Pistole. Er wird aber rechtzeitig überwältigt und zur Polizei gebracht. Und dann verschwindet auch das Thema zusammen mit dem Dealer auf Nimmerwiedersehen.

Froschauer: Der Film soll eben ein ganz wichtiges, tiefschürfendes Drama sein und scheitert so spektakulär, dass es schon wieder witzig ist.

Falkner: Schauspiel, Drehbuch, Kamera, Musik: Hier stimmt gar nichts auch nur ansatzweise. Das klingt seltsam, aber wenn man sich auf diese Fahrt in den Marianengraben der Filmemacherei einlässt, macht das einen Heidenspaß. Auch weil es so unvorhersehbar ist. Man weiß nie, welchen Bock der Film als nächstes schießt.

Froschauer: Da hat ein Mann quasi im Alleingang seinen Traum vom eigenen Film in die Tat umgesetzt: Tommy Wiseau ist Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und selbstverständlich Hauptdarsteller. Und in jeder dieser Aufgaben versagt er. Aber das mit Herzblut!

Falkner: Man fragt sich immer wieder: Was sollte diese Szene? Warum ist Denny jetzt schon zum dritten Mal in die Wohnung gekommen und wieder verschwunden, ohne irgendetwas zu tun? Sind gerade zwei Stunden vergangen oder zwei Tage?
Warum kann niemand schauspielern?

Froschauer: Und warum spricht oder handelt keine der Figuren wie ein echter Mensch? Es wirkt, als verstünde Wiseau nicht, wie Menschen ticken. Als sei er ein Außerirdischer, der sich sein bisschen Wissen über die Menschheit aus mittelmäßigen Liebeskomödien und -tragödien zusammengeklaubt hat.
Oder aus billigen Pornos, wenn man sich die Produktionsqualität und die viel zu vielen Sexszenen ansieht.

Falkner: Aber selbst billige Pornos haben sinnvollere Dialoge.

Froschauer: Zumindest welche, die auf ein Ziel hinauslaufen …

Falkner: Halten wir fest: die Action nicht spannend, der Humor nicht witzig, die Tragödie nicht traurig.

Froschauer: Würdest du dir den Film jemals wieder ansehen?

Falkner: Auf jeden Fall!