1. Nachrichten
  2. Kultur

Florian Silbereisens Schlagerfest XXL begeistert in der Arena Trier

Konzert : Eine magische Partynacht

Das Schlagerfest XXL in der Arena begeistert über 4500 Zuschauer mit poppiger Nostalgie, frischen Gesichtern und einer Mords-Bühnenshow.

So häufig wie Präsentator, Schlagerstar und ZDF-Traumschiff-Kapitän Florian Silbereisen „Mein Gott!“ ausruft, könnte der Eindruck entstehen, dass der Mann eine Mission hat. Und ganz so weit hergeholt ist das wohl nicht. Neben allem Kommerz, Merchandising, Platten- und Tourneewerbung blitzt bei der großen Schlagerparty in der Trierer Arena am Freitagabend immer wieder die tiefe Sehnsucht nach einer heilen, friedlichen Welt, nach der guten (?), alten Zeit auf, die erstaunlicherweise auch schon ganz viele junge Leute in ihren 20ern und 30ern befällt. Vom Kleinkind bis zum Senior – die 4500 Besucher sind gekommen, um die aufstrebenden Stars der deutschsprachigen Schlagerszene und – vor allem wohl – die arrivierten, altbekannten Matadoren zu sehen, die seit 30, 40, oder gar 50 Jahren im Geschäft sind und nach allen Höhen und Tiefen wieder – oder immer noch – da sind.

Ihre Ohrwürmer kann jeder mitsingen (zur Hilfe kommt da auch die Einblendung der Texte auf dem riesigen Videowürfel), die weit ausladende Bühne ist in die Mitte der Halle hineingebaut worden, es werden alle Register der Show- und Bühnentechnik gezogen. Blitze, Feuerfontänen, Glitterregen, Nebel und Konfettikanonen sind am Start, das ist schwer beeindruckend. Perfekt getimt werden diese abgefeuert. Die Background-Musik aus der Konserve ist bestens ausgesteuert, die Lichteffekte grandios. Allein 80 Bühnenarbeiter stehen in den Kulissen.

Die fünf Jungs der DDC-Breakdancer tanzen solo und als Begleitung einen akrobatischen Stiefel, das einem Hören und Sehen vergeht. Und auch das gute Dutzend anmutiger TV-Showtänzerinnen in ständig wechselnden, aufwändigen und fantasievollen Kostümen und Dekorationen liefern die Basis für die Songs. Oli.P – in den 1990er Jahren als Rapper erfolgreich – lässt sich in einem Schlauchboot durch die tobende Menge der Party-Spots rund um die Bühne tragen und schüttelt strahlend alle ihm entgegengereckten Hände. Auch ihm – der ja quasi das Fach zum Schlager hin gewechselt hat – ist anzumerken, wie großartig es sein muss, von der begeisterten Masse unbegrenzte Liebe zu empfangen. Er singt seine Version des Grönemeyer-Hits (ja, viel Schlager-Recycling der 70er und 80er ist allgemein schon dabei) “Flugzeuge im Bauch“ vor einem wohl 15 Meter langen, aufblasbaren Düsen-Jet. „Mein Gott, wie schön“, sagt Silber­eisen, der zwischen den einzelnen Sets die Künstler interviewt.

Ross Antony glitzert vor Glamour, Klaus Lages „1000 Mal berührt“ ist der Soundtrack dazu, schon 2000 Mal gehört, aber immer wieder mitreißend. Das Publikum will vor allem eins: Party machen, die bombastische Show und die Musik animiert die Menschen immer wieder und sie lassen sich in diesen Strudel fallen, tanzen und singen, die Smartphones im Dauereinsatz.

Zu Anfang des Jahrtausends sang und tanzte Antony mit Giovanni Zarrella in der Boygroup „Bro’Sis“, der Italiener hat sich aus dem Karriere­tief danach heraus gekämpft und strahlt, umrahmt von riesigen Tricolore-Fahnen schwingenden Tänzerinnen, mit seinen Italo-Versionen deutscher Hits von Wolfgang Petry und der Münchener Freiheit.

Newcomer wie die Steirer Draufgänger („Cordula Grün“), Sonia Liebing und Christin Stark brechen das Eis, bevor mit Jürgen Drews (der mit 75 noch immer sein Bett im Kornfeld aufbaut und kokettiert, er sei der älteste im Saal, jedenfalls älter als die Porta Nigra), Thomas Anders (singt mit Silbereisen im Duett und Hits von Modern Talking) und Matthias Reim die Großmeister des Schlagers ihre Aufwartung machen.

Und dann ist da noch Marianne Rosenberg; in Würde gereift ist die 70er-Ikone, die Stimme noch voll da („Lieder der Nacht“, „Ich bin wie du“). Der Saal kocht, irgendetwas triggern diese Songs, die Augen werden feucht, als zum großen Finale alle nochmal miteinander „Er gehört zu mir“ singen. Das hat eine gewisse Magie.

Mein Gott, wie schön.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schlagerparty XXL