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Frank P. Meyer über seinen Roman "Club der Romantiker"

Trier : Der Trierer Lieblings-Saarländer: Autor Frank P. Meyer über seinen neuen Roman

Zurück nach Oxford: Der in Trier lebende Schriftsteller Frank P. Meyer über seinen neuen Roman „Club der Romantiker“.

Nach fast einem Vierteljahrhundert zieht es Peter Becker wieder nach Oxford. Zurück zu seinem College, zu den alten Kommilitonen. Und zum Ort eines Verbrechens, das nie aufgeklärt wurde: der Mord an der Bibliothekarin Laureen Mills, deren Leiche erst nach all den Jahren gefunden wurde.

Frank P. Meyer begibt sich in „Club der Romantiker“, seinem dritten Roman nach „Normal passiert da nichts“ und „Hammelzauber“, auf Zeitreise. Mit Ende 20 war er damals für über ein Jahr als Doktorand in Oxford, nach dem Anglistik- und Germanistik-Studium an der Universität Trier und einem Zeitungs-Volontariat in Luxemburg. Eine für ihn prägende Zeit, die er in einen 400-Seiten-Krimi gepackt hat – in einen Roman, der mit überraschenden Wendungen und feinem Humor daherkommt und dem man in jeder Zeile anmerkt, dass der Autor beim Parforceritt durch Fiktion und blühende Erinnerung höllischen Spaß hatte.

„Es geht um mein Oxford der frühen 90er“, sagt der halbe-halbe in seinem Heimatort Primstal und in Trier lebende Meyer. Oxford? Das ist ein Synonym für Elite. Für Rudern, Cricket, Croquet, Debattierclub, das ganze Programm. Und der „Meyer Frank“ mittendrin. „Die haben sich schon als Elite gefühlt. Aber wer dort war, wurde auch akzeptiert“, erinnert er sich. „Ich komme aus einer Bergarbeiter-Familie und war der Erste, der bei uns studieren ging.“ Da hatte Trier schon was von großer, weiter Welt.

Ein Donnerstag zur Mittagszeit im „Übergang“, der Kneipe an der Uni Trier: Die Jahrzehnte sind hier ziemlich spurlos vorübergezogen, vor einem Vierteljahrhundert sah es kaum anders aus. Ganze Generationen an Studenten kamen und gingen. Frank Meyer bestellt ein Bier, alkoholfrei, er muss ja später noch arbeiten. Der 56-Jährige ist Leiter der Studienberatung – in Teilzeit. Eine ziemlich gute Lösung, wie er findet. „An drei Tagen in der Woche bin ich an der Uni, an drei Tagen schreibe ich.“ Und zwar auch dann, wenn gerade ein Roman fertig geworden ist. „Ich bin sehr diszipliniert, fast schon preußisch“, sagt er und lacht. Der 56-Jährige hat einen festen Rhythmus gefunden, der für ihn gut funktioniert. Alle zweieinhalb Jahre ein neuer Roman – das ist die Vorgabe, die er sich setzt. Schreibblockaden, fehlende Ideen? Damit hat er kein Problem. „Ich habe eine ziemlich große Materialsammlung“, sagt er. Vorsatz für 2019? Mehr Kolumnen. „Die machen Spaß, und man hat ein schnelles Ergebnis.“ Und der nächste Roman ist auch schon im Kopf.

Meyer erschafft in seinen Romanen und kleinen Erzählungen seit Jahren seinen eigenen Mikrokosmos. Manche Protagonisten tauchen immer wieder auf. Der „Backes Hermann“ etwa, den viele auch aus Meyers Kolumnen beim Onlinemagazin 16vor oder in seiner Zeit als Trierer Stadtschreiber kennen. „Ich habe für meine Charaktere jeweils eine genaue Biografie, die ziehe ich auch durch.“

Beim „Club der Romantiker“ ist ihm ein neuer Charakter ans Herz gewachsen – Inspector Osmer (ein Anagramm für den ebenfalls in Oxford ermittelnden Fernseh-Inspector Morse). „Ich glaube, der wird noch mal irgendwo auftauchen“, sagt Meyer über Osmer. Vor dem Schreiben gilt für ihn: Der Plot muss stehen. „Ich schreibe zuerst das Ende, danach die weiteren entscheidenden Szenen. Das funktioniert für mich besser. Chronologisch schreibe ich nie.“

Meyer ist Großbritannien-Fan, vor allem Wales fasziniert ihn, gefühlt fast die dritte Heimat nach Prims­tal und Trier. Oxford hat er aber links liegen gelassen. „Da war ich lange nicht mehr – und zwar ganz bewusst“, sagt er. „Erst nächstes Jahr werde ich wieder nach Oxford fahren und Bekannte besuchen.“ Nicht mit der Gegenwart die Erinnerungen verwässern. Meyer hatte andere Quellen: Kopf und Papier. „Für die Recherche habe ich meine alten Tagebücher durchgelesen. Ich war überrascht, was alles an Erinnerungen hochkommt.“

So ist Frank P. Meyer wohl einer der wenigen Autoren, auf den sich sowohl Saarländer als auch Trierer einigen können. Weil er unterhalt­sam ist, hintergründig und lustig, aber ohne jemals zynisch zu werden oder belehrend. Das Dorfleben, das er oft skizziert, sei ohnehin vielerorts ähnlich. „Das ist in Messerich in der Eifel nicht viel anders als in Primstal.“

Bei einem so herzlichen Typen werden dann auch mal echte Trierer regelrecht verständnisvoll. So erinnert sich Meyer an einen Spruch. „Wat, dau bis Saarländer? Hm, kannst ja neist dafür.“

Frank P. Meyer, Club der Romantiker, erschienen im Conte-Verlag, 400 Seiten, broschiert, 18 Euro.