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Funny van Dannen in Trier

Konzerte : Eine Nacht voll Fantasie und Poesie

Funny van Dannen will „positiv denken und negativ sein“. Das provoziert auch in Trier. Aber nur ein bisschen.

Die zwei Mittzwanziger in der zweiten Reihe können sich kaum halten vor Vorfreude: „Funny, der ist so geil“, rufen sie. Dabei sind sie altersmäßig in der Minderheit, obwohl im Publikum eine bunte Altersmischung herrscht. Funny van Dannen ist auch schon über sechzig, er hat aber noch nie Musik gemacht für seine Generation, wie er in einem Interview verriet. Viellicht kommt er nun langsam dahin, etwas milder ist er geworden, ernster als zu den Zeiten mit den Toten Hosen. Er steht, wie immer, allein auf der Bühne, nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika, ein Lächeln umspielt seine Lippen. Knapp sechs Dutzend Zuschauer haben am Samstagabend den Weg zum Sommer-Open-Air vor die Trierer Arena gefunden, aber Funny ist sicher keiner, der sich über die Anzahl seines Publikums definiert. Denn die Leute feiern ihn, sind enthusiastisch, teils ziemlich textsicher. Und das ist kompliziert, lebt der Künstler doch von seinen Texten, die vor (Selbst-)Ironie, Frechheit und Chuzpe (da hat Wikipedia nun wirklich mal recht) nur so strotzen. Der Rand der Blödelei wird oft gestreift, aber nie überschritten. Hochintelligent das alles, künstlerisch konstruiert, Reim muss nicht sein. „Positiv denken, negativ sein“ ist eines der Schlagworte. Van Dannen ist durch und durch Philan­throp, freut sich dennoch des Lebens, ist dankbar für seine Existenz auf dieser schönen Erde. Die Erde, ja, vor allem auch die Tiere, die liebt er und verarbeitet neben dem Spanferkel Jens auch das bekannte Tokapi und dessen hässliches Gegenstück, den Schabrackentapir zu ganz wundervollen Liedern, die nachdenklich machen. Und froh. Froh auch, dass der Zahn der Zeit an uns allen nagt. „Die Augenbrauen wachsen ihm schon aus der Nase und den Ohren, und die schütteren Haare werden hinten hochtoupiert.“

Gitarre spielen kann der multitalentierte Künstler, der auch malt und Bücher schreibt, ob Folk, Blues, Country oder Rock, alles dabei. Und „schön singen“, echt! Zwar kein Belcanto, aber schön und vor allem sicher. Diese Sicherheit strahlt er aus, atmet sie aus jeder Pore, auch wenn er steile Thesen aufstellt: „Wenn es dir nicht gut geht, liegt das an dir selbst“. Weil: „So gut wie jetzt ging es uns noch nie.“ Immerhin rät er in diesem Fall zur Therapie.

Für Nazis hat er auch noch einen Rat: „In den Spiegel schauen und kräftig zuschlagen.“

Es ist eine fantasievolle, (meistens) hochpoetische Flut von Worten und Tönen, die sich in den kühlen Nachthimmel ergießt, und das Publikum seufzt beglückt. Der junge Mann aus der zweiten Reihe ist zum vierten Mal live bei Funny, dem Liedermacher der, bei aller Kritik am System, mit dem Kosmos im Einklang ist: „Die Fotos schicke ich jetzt meiner Mutti in Berlin, die rastet aus!“