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Galerie Junge Kunst in Trier zeigt Christine Fausten

Ausstellungen : Schaurig-schönes Wunderland

Die Galerie Junge Kunst in Trier zeigt Arbeiten von Christine Fausten.

Blühende Fantasie im besten Sinne ist derzeit bei der Galerie Junge Kunst angesagt. Es ist ein schaurig-schönes Wunderland, das sich Besuchern dort öffnet. Im lichten Galerieraum in der Karl-Marx-Straße hat Christine Fausten ihre farbenfrohen, skurrilen Figuren zusammen mit einem Gemälde sowie Grafiken und einem Wandobjekt als äußerst gelungene Rauminstallation inszeniert. „Was uns blüht“ hieß einst schicksalshaft eine Figurengruppe der Künstlerin, die heute in Basel lebt. Eine Vision, die sich auch in Trier aufdrängt angesichts dieser Versammlung von malerischen Kunstwesen, die jedes für sich eine Mischung aus Mensch, Tier und Gewächs sind. Und auch der Anblick jenes blauen Wandobjekts, einer Scheibe, auf der Rosen aus einem mumifizierten Menschlein wachsen, gibt – wenn auch etwas melodramatisch – zu denken. Die ewige Frage nach Leben und Tod treibt wohl auch die 1963 in Düsseldorf geborene Künstlerin um, die zunächst als Maskenbildnerin am Theater arbeitete.

Fast 30-jährig nahm sie 1992 ihr Studium bei Gotthard Graubner, dem großen Farbfeldmaler, an der Düsseldorfer Kunstakademie auf. Der Hang zum Theatralischen und zur Maske, wie das Verständnis für das Wesen der Farbe, verbinden sich – wie einmal mehr in Trier zu sehen – eindrücklich in den Arbeiten der Künstlerin. Faustens Installationen erinnern in ihrer Anlage gleichermaßen an die sonderbaren Wesen jenes „Garten der Lüste“, den Hieronymus Bosch ersann, wie an die manieristischen Figuren des in der Spätrenaissance beheimateten Italieners Arcimboldo.

Dabei ist das Werk der Wahl-Schweizerin eine ganz eigene zeitgenössische Position. In seiner fröhlichen Lyrik und Bildsprache scheint eine geradezu ungebremste Lust am Fabulieren wie Reflektieren schöpferisch Form und Ausdruck zu finden. Für ihre Figuren nutzt Fausten bunte alte Stoffreste und Fragmente von Handarbeiten wie Stickereien, die sie ihren Plastiken wie Hautstücke transplantiert, sowie allerhand Fundsachen. Dabei entstehen poetische, bizarre Zwitter aus Bildhauerei und Malerei, die etwas Weiches haben, und denen man – wie auch Faustens Gemälden – den Prozess der Entstehung ansieht. In ihrer wunderlichen Gesellschaft wird der Betrachter zur neuen „Alice im Wunderland“.

Christine Fausten ist eine sogenannte Crossover-Künstlerin. Neben der Bildenden Kunst ist sie auch als Musikerin aktiv. Hier wie dort gilt für sie: „Ich will neue sinnliche Erfahrungen vermitteln“. Ganz offensichtlich auch als Selbsterfahrung des Betrachters. Dem eröffnen sich als Bild im Bild, als Perspektiven und Muster eine Vielfalt an sinnenfrohen Farbklängen und Eindrücken, die der eigenen Fantasie Raum geben und über das Sinnbild die Sinnfrage stellen

. Naive Sinnenfreude ist allerdings nicht angesagt in Faustens schöpferischem Kosmos. Der Paradiesgarten ist bedroht, wie das rätselhafte, vorwurfsvoll blickende Wesen mit Gasmaske und Hundekopf gleich an der Tür bestätigt. Den quasi meditativen Gegenpart zu den erzählfreudigen, nach außen gewandten Figuren übernehmen die zarten Radierungen und Drucke der Künstlerin mit ihrer feinen Binnenstruktur.

Die Ausstellung in der Galerie Junge Kunst läuft bis 19. Mai. Geöffnet ist sie samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 0651/9763840, www.junge-kunst-trier.de