| 18:11 Uhr

Musik
Gitarrenvirtuose verzaubert Fans

John Butler im ausverkauften den Atelier in Luxemburg.
John Butler im ausverkauften den Atelier in Luxemburg. FOTO: Julia Nemesheimer
Luxemburg. John Butler hat mit seiner zeitlosen Gitarrenmusik und diversen Soli seiner Musiker mehr als 1000 Konzertbesucher im den Atelier in Luxemburg beeindruckt. Niemand hat dabei die zwölfte Saite vermisst. Von Julia Nemesheimer

Im ausverkauften den Atelier sorgt ein australischer Gitarrist am Dienstag für verzückte Musikfans, die ein ausgiebiges, über zweistündiges Konzert erleben dürfen. Das John Butler Trio war zu Gast. Im Vergleich zu anderen Konzerten verhält sich das Publikum erstaunlich ruhig, lautstarkes Mitsingen ist hier eher weniger angesagt. Vielmehr lauschen die meisten mit geschlossenen Augen.

Gleichzeitig geht der Blues- und Folkrock mit Anleihen in Reggae, Ska und vielen weiteren Genres auch in die Beine. Jeder wippt zumindest mit dem Kopf mit, einige tanzen ausgelassener, andere scheinen die Musik auf sich wirken zu lassen. John Butler zieht die Blicke auf sich – der 43-Jährige wirkt mit seinen lockigen, von der Sonne ausgeblichenen Haaren, Vollbart, Septum und zerschlissenen Jeans so sympathisch wie attraktiv. Die augenzwinkernden Ansagen zwischen den Songs tragen ihr Übriges dazu bei.

Anlass für die ausgedehnte Tour ist das neu erschienene Album „Home“. Man merkt bei den neuen Songs, dass zwar das typische Gitarrenspiel Butlers weiterhin im Fokus steht, aber weitaus mehr Pop-Folk-Elemente eingebracht sind. Beim Konzert selbst werden alte Songs entsprechend mit Werken von „Home“ dargeboten. Jedes Mal ist viel Zeit für Soli der einzelnen Musiker. Dabei steht Butlers Gitarrenspiel im Vordergrund, aber auch seine Mitstreiter, Byron Luiters am (Kontra-)Bass und Moog-Synthesizer sowie Grant Gerathy am Schlagzeug, dürfen alleine glänzen. Über weite Strecken des Abends begleiten zwei Percussionisten das Trio und sorgen für einen volleren Sound.

Dass man mit John Butler keinen 08/15-Gitarristen vor sich stehen hat, merkt man spätestens bei dem instrumentalen, über 15-minütigen „Ocean“. Angefangen hat Butler vor rund 20 Jahren als Straßenmusiker. Heute füllt er – wie in Luxemburg – Clubs mit tausend Menschen, obwohl er mit seiner zeitlosen, schnörkellosen Musik nicht im Radio hoch- und runterläuft und keine riesige Marketing-Maschinerie hinter sich stehen hat. Vielmehr nimmt man ihm seine Authentizität ohne Zögern ab; merkt, dass sich da jemand einfach durch Können auszeichnet.

Aus der Anfangszeit kommt auch eine Besonderheit, die man bei dem in den USA geborenen Australier findet: Als er begann, mit einer zwölfsaitigen Gitarre zu spielen, riss ihm die zweite G-Saite so häufig, dass er sie letztlich ganz wegließ – heute werden eigens für ihn elfsaitige Instrumente gebaut, die er auch beim Konzert spielt. Insgesamt wechselt er zwischen verschiedenen Gitarrentypen über das recht lange Konzert hinweg, packt Banjo, Akustik- und E-Gitarre aus und verzaubert mit virtuosem Fingerspiel. Gedankt wird es ihm und seiner Band mit frenetischem Applaus, der im klaren Kontrast zu der fast schon andächtigen Stille während vieler Songs steht.