Ausstellung: Großes Interesse an vergangenen Zeiten

Ausstellung : Großes Interesse an vergangenen Zeiten

Die Inka-Schau in der Völklinger Hütte geht in die Verlängerung. 100 000 Menschen wollten sie bisher sehen.

(KNA) Nebelverhangener Regenwald. Ein Wasserfall, der sich seinen Weg durch Felsvorsprünge ebnet. Die Dünen der pazifischen Küstenwüste. Großformatige Leinwände zwischen den gewaltigen Rohren und Maschinen der alten Gebläsehalle begrüßen den Besucher. Kaum hat sich das Auge an den  Naturlandschaften Perus sattgesehen, eröffnet sich dem Betrachter ein noch prachtvolleres Panorama: Die Andenstadt Machu Picchu, eine Symbiose aus Berggipfeln, Urwald, Terrassen und Häuserruinen auf 2350 Metern. Zeugnis einer längst untergegangenen Hochkultur, der sich das stillgelegte Eisenwerk nun in einer neuen Sonderausstellung widmet.„Inka - Gold. Macht. Gott.“, unter diesem Titel beleuchtet die Weltkulturerbestätte Völklinger Hütte die rund 3000 Jahre währende Herrschaft der Inka und anderer peruanischer Frühkulturen ab dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend. Rund 220 Exponate sind zu sehen, von denen die meisten aus dem Larco Museum in Lima und Cusco stammen, das nach Angaben der Völklinger Hütte eine der weltweit größten Sammlungen altperuanischer Kunst besitzt.

Das stößt auf großes Interesse: Nach knapp vier Monaten hatten schon im September mehr als 100 000 Besucher die Schau gesehen. Statt wie ursprünglich geplant bis Ende November 2017 ist sie nun bis zum 8. April zu sehen.

Unter den Exponaten sind Kultgegenstände wie Opfermesser, mit denen Tieren wie Menschen die Kehle durchtrennt wurde, um das Blut auffangen und damit die Götter milde stimmen zu können. Totenmasken aus Kupfer oder Muscheln, die Gottheiten darstellen, gehören ebenso dazu wie Keramik-Kultgefäße mit Fruchtbarkeitsdarstellungen, die zum Teil explizit sexuelle Handlungen darstellen.

Blickfang sind vor allem aber viele goldene und silberne Kostbarkeiten: verzierte Schmuckstücke, Nadeln, Ketten, Ringe, Skulpturen, Diademe, Kronen, Becher, Kelche. Für die Inka hatten sie vor allem symbolische Bedeutung, sie standen nicht für Reichtum. Die spanischen Invasoren sahen hingegen nur den materiellen Wert, weshalb sie tonnenweise Kunstgegenstände einschmolzen. „Der Mythos des Inka-Goldes hat in dieser Unversöhnlichkeit zweier Wertesysteme ihren Ursprung“, erklärt Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig, der mit der Schau an die  Ausstellung „InkaGold“ von 2004  anknüpft.

Im letzten Raum der Ausstellung dann nach all der Pracht ein Bruch: Eine spanische Eisenrüstung aus der Zeit um 1480. Ein Ledersattel ein Konquistadorenhelm, ein meterlanges Schwert, eine Armbrust, eine Hakenbüchse. Werkzeuge der Vernichtung. „Angetrieben von materialistischer Goldgier eroberten die Konquistadoren das mächtigste Reich Amerikas mit seiner 3000 Jahre alten Hochkultur“, erinnert Grewenig an die Feldzüge der spanischen Expedition unter Francisco Pizarro. Es waren Abenteurer, Analphabeten, Hasardeure, die von den Erzählungen über den sagenhaften Reichtum der Inka angelockt wurden.

Noch heute scheint es unglaublich, dass eine Expedition mit 183 Mann, 27 Pferden und vier Kanonen ein derart großes Reich wie das der Inka erobern konnte. Das liegt zum einen am Überraschungseffekt: „Pferde, Feuerwaffen, Kanonen – die Inka hatten so etwas vorher nie gesehen“, sagt Grewenig. Tausende Indianer wurden von den Spaniern niedergemacht, „es war eine brutale Art der Unterwerfung, mit der eine Hochkultur ausradiert wurde.“

Doch viel größere Opferzahlen als die Gefechte forderten eingeschleppte Erreger wie Typhus, Diphterie, Keuchhusten und die Pocken. „Die Krankheiten waren für die Eroberung des Inka-Reiches wahrscheinlich entscheidender als die technologische Überlegenheit der Spanier“, schreibt der Direktor der Rüstkammer am Kunsthistorischen Museum Wien, Matthias Pfaffenbichler, im Begleitkatalog. Zudem gab es seit 1525 einen grausamen Bürgerkrieg um die Thronfolge, der noch andauerte, als Pizarros Expedition 1532 begann.

Der Spanier nutzte den inneren Zwist aus und konnte König Atahualpa gefangen nehmen. „In diesem kurzen Kampf wurde ein Imperium zerstört“, erklärt Pfaffenbichler. Obwohl Atahualpa schier unermessliche Reichtümer zu seiner Befreiung zusammentragen ließ, wurde er von Pizarro exekutiert. An das Ende des letzten Inkaherrscher wird der Besucher erinnert, wenn er durch einen goldfarbenen Gang die Schau verlässt.

(kna)
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