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Trier
Gänsehaut und Goldflitter: Tausende Besucher strömen zum Theaterfest in Trier

Was für ein Theaterfest: Mit Goldflitter und Gesang begeisterte das Ensemble das Publikum in Trier. Viel Spaß bei der abendlichen Gala (Bild links unten) hatten auch die Moderatoren Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp mit Pressesprecher Christoph Traxel (Mitte). Der Chef-Maskenbildnerin Susanne Erbel konnten Zuschauer beim öffentlichen Schminken des Karl-Marx-Schauspielers Robin Jentys zuschauen.
Was für ein Theaterfest: Mit Goldflitter und Gesang begeisterte das Ensemble das Publikum in Trier. Viel Spaß bei der abendlichen Gala (Bild links unten) hatten auch die Moderatoren Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp mit Pressesprecher Christoph Traxel (Mitte). Der Chef-Maskenbildnerin Susanne Erbel konnten Zuschauer beim öffentlichen Schminken des Karl-Marx-Schauspielers Robin Jentys zuschauen. FOTO: Dirk Tenbrock
Trier. Wie Silvester im September: Gute-Laune-Gala und viele offene Türen beim Theaterfest zur Saisoneröffnung. Von Dr. Rainer Nolden

So viel Ensemble war nie. Gut und gern 150 Menschen tummelten sich auf der Bühne des Großen Hauses – von den Musikern über die Solisten, Chor und Tänzer bis zum Kinder- und Jugendchor von Martin Folz.

So viel Publikum aber auch nicht. „Gut 2000 Besucher während des ganzen Tages“, schätzt der Hausherr vorsichtig am frühen Abend, ehe die Gala beginnt, die Manfred Langner durchaus zwei Mal hätte ansetzen können, um die Nachfrage der Interessierten zu befriedigen. Die standen schon zu Beginn um 14 Uhr Schlange, um das reichhaltige Angebot zu nutzen.

Das begann mit der Vorstellung der alten und neuen Solisten, mit Kostproben aus der Probenarbeit, Versteigerung von Kostümen – die freilich nicht alle weggingen wie warme Semmeln (viele Grautöne und kleine Größen sind nun mal nicht jedermanns und -fraus Sache, und bis Karneval dauert’s schließlich auch noch eine Weile) – und einer – erstmals im Eröffnungsprogramm – Führung durch die Katakomben des Theaters, in deren rumpeligen Ecken und Nischen manche Überraschung auf die Zuschauer wartete.

Etwa ein Lied aus Brechts „Kaukasischem Kreidekreis“, das wie ein Hoffnungsschimmer an den rauen Betonwänden entlangzog, auf Hebräisch gesungen von Einat Aronstein; urbayerische Töne vom baldigen Don Giovanni Carl Rumstadt, der sich dazu selbst auf der Gitarre begleitet.

Blaise Rantoanina berührte mit einem madegassischen Volkslied aus seiner Heimat, und in einem anderen Verschlag saß Michael Hiller, den nur ein Buchstabe vom Schöpfer des Chansons trennt, das er vorträgt, nämlich André Hellers „Souffleur“, der an der Talentlosigkeit der Schauspieler, denen er durch den Abend helfen muss, schier verzweifelt.

Der Ausflug in die Eingeweide des Musentempels, vier Mal stündlich im Angebot, kam so gut bei den Zuschauern an, dass der Intendant, wie er schmunzelnd erzählte, bereits gefragt wurde, ob er so etwas nicht jede Woche anbieten könne.

Und wer nicht gerade durch die düsteren Kellergänge geführt wurde, konnte sich im Foyer an der stimmgewaltigen und unverwüstlichen Conny Hain & Band erfreuen, die mit einer Auswahl von Evergreens, jiddischen Ohrwürmern („Bei mir bist du schejn“) und italienischen Partisanenliedern („Bella ciao“) das Publikum in Trier rockte. Ein prächtiges Amuse Gueule und ein veritabler Appetitmacher auf die kommenden Monate war dann die Gala. Nachdem Manfred Langner das Publikum begrüßt und sich über das übervolle Haus gefreut hatte („Ich hoffe, dass es jeden Abend so sein wird!“), ließ er sich sehr gern von Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp das Mikrofon aus der Hand nehmen, die gut gelaunt und launisch durch den Abend führten.

Der neue GMD Jochem Hochstenbach, der seine Feuerprobe schon hinter sich hat,  und der erste Kapellmeister Wouter Padberg – womit das musikalische Geschehen im Haus fest in niederländischen Händen ist – teilten sich den Stab zwischen den „Lustigen Weibern von Windsor“ und „Pariser Leben“.

Dass Karl Marx auch eine Stimmungskanone sein kann, bewies ein Ausschnitt aus dem „Bankett“, das am Samstag uraufgeführt wird.

Ein gemischtes Doppel (Michael Hiller, Klaus-Michael Nix, Stephanie Theiß und Barbara Ullmann) steigerte die Stimmung noch weiter mit dem Wirtschaftswunderschlager „Es geht besser, besser, besser“, der in der Revue „Blue Jeans“ (ab Januar) zu hören sein wird. Ballettkorps und Solotänzer wirbelten in einem furiosen „Zorbas Dance“ über die Bühne, und für einen tränentreibenden Gänsehautmoment sorgte Martin Folz‘ Kinder- und Jugendchor mit „Imagine“, bekannt von John Lennon.

Die mitglieder- und stimmstarke Truppe verfügt offenbar auch, wie ein Einblick in „Cats for Kids“ zeigte, über ganz ordentliche tänzerische und schauspielerische Talente.

Und den ganzen Abend über machten Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp geheimnisvolle Andeutungen über ein Stück, das demnächst im Studio zu sehen sein wird: „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, ein Zweipersonenstück mit – zufälligerweise – Barbara Ullmann und Dimetrio-Giovanni Rupp, das offenbar das Zeug zu einem richtigen Reißer hat. Schade, dass sie nicht mehr darüber verraten haben.

Wenn die Saison so läuft wie dieser Abend, der in einem Regen von Goldflitter endete, können Manfred Langner und seine tolle Mannschaft absolut zufrieden sein.

Also: Vorhang auf – ludi incipiant. Oder wie man inzwischen in Trier sagt: Mögen die Spiele beginnen!

Gala Theaterfest 2018
Gala Theaterfest 2018 FOTO: Dirk Tenbrock
Der Chef-Maskenbildnerin Susanne Erbel konnten die Zuschauer beim öffentlichen Schminken des Karl Marx Darstellers Robin Jentys zuschauen. (TV-Foto: Dirk Tenbrock)
Der Chef-Maskenbildnerin Susanne Erbel konnten die Zuschauer beim öffentlichen Schminken des Karl Marx Darstellers Robin Jentys zuschauen. (TV-Foto: Dirk Tenbrock) FOTO: Dirk Tenbrock