Konzerte: Heidewitzka, Herr Reim!

Konzerte : Heidewitzka, Herr Reim!

Mehr als nur „Verdammt, ich lieb’ dich“: Matthias Reim spielt am 24. November in der Arena Trier. Sein aus Trier stammender Gitarrist Michael Brettner sagt, warum sich das Konzert nicht nur für Schlager-Fans lohnen wird.

118 Dezibel: Das ist lauter als der Presslufthammer neben Ihnen, nicht viel leiser als der startende Düsenjet. Oder, wenn es Sie zufällig mal zum Oktoberfest ins Dörfchen Kemnitz in der Oberlausitz verschlägt: Es ist der Schallpegel, den das johlende, schreiende, feiernde Publikum dort erzeugt, wenn Matthias Reim mit seiner Band die Bühne betritt. Wie jedes Jahr. Seit zwei Jahrzehnten. Vor Tausenden Zuschauern im vollen Festzelt. „Die 118 Dezibel haben wir mal dort gemessen“, sagt Michael Brettner und lacht. „Und da hatten wir noch keinen einzigen Ton gespielt. Da schreien sich die Leute die Seele aus dem Leib.“

Seit zehn Jahren spielt der Trierer Gitarrist bei Matthias Reim. Sein erstes Konzert mit der Band war damals in Kemnitz, unvergesslich für „Bretti“. Mit Schlagzeuger Rainer „Elute“ Kind ist ein zweiter Trierer für Reim im Einsatz. Die beiden waren maßgeblich daran beteiligt, dass sie ein „Heimspiel“ bekommen. Am 24. November spielt Matthias Reim mit seiner Band zum ersten Mal in der Arena Trier. „Darauf freue ich mich total. Ich hatte damals schon bei der Eröffnung der Arena gespielt.“

Matthias Reim? Das war doch der... Genau: Der mit „Verdammt, ich lieb’ dich“, dem Riesenhit aus dem Jahr der Wiedervereinigung 1990. Der erste deutsche Universal-Hit für Ost und West, irgendwo zwischen Schlager und Pop, das entschlossen unentschlossenste Liebeslied aller Zeiten. Danach blieb sich Reim, gebürtig aus dem hessischen Korbach, thematisch treu. „Ich hab geträumt von dir“, „Ich hab mich so auf dich gefreut“, „Hallo, ich möcht’ gern wissen, wie’s dir geht“ – so heißen spätere Songs, ebenfalls in den Charts. Aber nach „Verdammt...“, der Nummer eins, konnte es nur abwärts gehen. Später sorgte Matthias Reim für Schlagzeilen, weil er 13 Millionen Euro Schulden hatte – sein ehemaliger Manager habe ihn in den Ruin getrieben, wie Reim sagte. Aber auch das ist lange passé. Bei Reim läuft es wieder. Ein Stehaufmännchen. Einer, der sich zurückgekämpft hat.

Und das freut Michael Brettner nicht nur, weil er sich die Bühne mit dem 60-Jährigen teilt. „Matthias Reim ist der herzlichste, sympathischste und liebenswerteste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. Er schaut immer, dass es allen in der Crew gut geht. So ein Miteinander hast du selten. Ich habe ihn noch nie komisch oder launisch gegenüber seiner Band erlebt“, sagt Brettner, der im Jahr von Reims Durchbruch gerade erst mit dem Gitarrespielen angefangen hatte, damals mit 14, 15 Jahren. Über seinen Gitarrenlehrer Albert Niesen kam er zum Bühnenhelfer-Job bei Guildo Horn & die Orthopädischen Strümpfe, die damals jeden Sonntag das Kölner  „Luxor“ füllten, Teenie-Träume inklusive. „Manche träumten davon, mit Michael Jackson auf der Bühne zu stehen“, erinnert er sich: „Mein Wunsch war als 16-Jähriger: Ich will mit diesem Drummer von Guildo Horn in einer Band spielen. Der hat einfach eine geile Energie, wenn er trommelt.“ Wunsch erfüllt: Rainer Kind ist seit Jahren sein Bandkollege bei Reim.

Brettner hat sich als Rock- und Metal-Gitarrist einen Namen gemacht. Passt das zu Matthias Reim, der musikalisch eher im Schlager als im Rock verortet wird? Auf jeden Fall, findet er. „Bevor ich eingestiegen bin, hatte ich mir eine Reim-Show in Saarbrücken angeschaut und dachte: Heidewitzka, Herr Kapitän! Das war alles, aber nicht, was ich erwartet hatte. Matthias Reim ist selbst Rock-Fan, dazu Musiker durch und durch. Das kachelt, ist laut und macht Spaß. Ich musste mich nie verbiegen.“

Michael Brettner hat es vor zehn Jahren von Trier nach Köln gezogen. Die Reim-Shows machen nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus. Zum einen gibt’s da seine neue Band „Eldorado“, die vor einer Woche gleich mal in der ausverkauften Köln-Arena ihr erstes Konzert spielen durfte – da geht’s musikalisch in Richtung moderner Kölsch-Rock. Zum anderen betreibt Brettner mit dem Keyboarder Christian Besch die „Rockademy“, eine Musikschule in Köln. Vorher spielte er unter anderem in der Band von Michael Holm („Mendocino“)

Aber am 24. November steht erst mal Trier an. Ein Wiedersehen mit den alten Freunden, auch von der „Lebenshilfe“, wo Brettner 15 Jahre lang gearbeitet hatte. Und Sorgen, dass es zu laut wird, muss man sich nicht machen: Die 118 Dezibel wird das Trierer Publikum nicht toppen. Aber feiern wird es. Nicht nur bei „Verdammt, ich lieb’ dich“. Da ist sich Michael Brettner sicher.

Matthias Reim und Band, 24. November, Arena Trier, 20 Uhr: Tickets gibt’s unter der Hotline 0651/7199-996, im TV-Servicecenter Trier und unter volksfreund.de/tickets

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