„Herrlich Trude“ – Das Publikum ist begeistert über die Uraufführung von Joya Ghoshs Hommage an Trude Herr im Kasino mit der herausragenden Hannah White in verschiedenen Rollen.

Kultur : Geballte Frauen-Power mit Gefühl

Das Publikum ist begeistert über die Hommage an Trude Herr im Kasino.

Zu Beginn der Show Auftritt von Sabine Riedmüller, Assistentin von Trude Herr, gespielt von Hannah White. Zum Publikum: „Ach herrje. Was machen Sie denn alle hier? Wie sind Sie denn hier reingekommen? Hier findet heute keine Vorstellung statt. Gehen Sie wieder nach Hause.“ Das Publikum ist überrascht, antwortet brav auf alle Fragen – und bleibt. Mit dieser amüsanten, improvisierten Einstiegsszene bestimmt die Autorin Joya Ghosh bei ihrem ersten selbst geschriebenen Theaterstück die Atmosphäre der Show: Es soll kein Abend werden, an dem jemand einfach nur Lieder von Trude Herr, der legendären, 1991 verstorbenen Kölner Schauspielerin, Sängerin und Komödiantin, möglichst nah am kölschen Original vorträgt. Ghosh will sich dem vielschichtigen Phänomen Herr augenzwinkernd von verschiedenen Seiten nähern und die vielen Facetten des Kölner Originals auf kurzweilige und unterhaltsame Weise beleuchten. Ghosh: „Das Stück ist eine Hommage, es geht um Trude ohne Trude.“ Sie will eine Person zeigen, die emotional, spontan und empfindsam gewesen sei, öfter aber auch willensstark und starrköpfig, „eine Power-Frau, die bei Männern die Hosen anhatte“. Es soll aber auch ein abwechslungsreicher, etwas nostalgischer Abend „zum Wohlfühlen“ werden.

Die Sängerin und Schauspielerin Hannah White hat schon erfolgreich Hauptrollen in Musicals in ihrer Heimatstadt Hamm gespielt, lebt seit 2015 in Trier, wirkte bei der Produktion von „Jesus Christ Superstar“ am Stadttheater mit und unterrichtet Gesang und Schauspiel. Sie erschafft auf der Bühne Trude Herr, ihre Zeit und ihre Welt der Lieder und des Theaters neu – in Rollenspielen aus der Sicht ihrer Nichte Gigi und der Schauspielerin Maria Geisler, aber vor allem der persönlichen Assistentin von Trude Herr, Riedmüller. Die steht in engem Kontakt zu Trude, berichtet darüber immer wieder dem Publikum. Und so erfahren die Zuschauer vieles, auch Intimes, aus dem turbulenten, von Höhen und Tiefen geprägten Leben von Trude Herr. White spielt, singt und tanzt sich in die Herzen der Zuschauer, die gelegentlich auch mitsingen und mitschnippen bei Liedern wie „Ich will keine Schokolade“ oder „Mal sagt er Ja, mal sagt er Nein“.

Wichtige Requisiten  auf der mit typischen Gegenständen der Zeit (1950er, 1960er Jahre) ausgestatteten Bühne (Bühnenbild: Joya Ghosh, Michaela Kröschel) sind ein prall gefüllter Kleiderständer sowie ein Paravent. Dahinter verschwindet  White häufig, um sich passend zu den Liedern umzuziehen (Kostüme: Michaela Kröschel).

Unter perkussiver Klavierbegleitung von Axel Goldbeck schreitet sie singend und das Publikum einbindend im nicht ganz gefüllten Kasino umher, das eine stimmungsvolle Atmosphäre für die Lieder und deren Entstehungszeit bietet (Ton und Licht: Matthias Lanz). Beim Vortrag der ausgelassenen und frivolen, provokativen, aber auch melancholischen Lieder begeistern Whites kraftvolle und variationsreiche Stimme und ihr beeindruckender Vortrag die Zuschauer, die immer wieder in lang anhaltenden Beifall ausbrechen. Und bei der Zugabe singt und klatscht der ganze Saal – auch die Männer! –  ausgelassen mit bei dem Lied: „Ich bin eine Frau von Format“.

Weitere Vorstellungen im Kasino am Kornmarkt am 11. und 18. März, jeweils 18 Uhr, sowie am 5. April, 19.30 – Karten beim TV-Service- Center, Neustraße 91.