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Theater
Horrornacht des Trierer Theaters: Schreckensabend mit chaotischem Ende

Szene von der vierten Trierer Horrornacht im Theater Trier.
Szene von der vierten Trierer Horrornacht im Theater Trier. FOTO: Christoph Strouvelle
Trier. Bei der vierten Horrornacht des Trierer Theaters haben an Halloween in vier Durchgängen jeweils 60 Besucher das Fürchten gelernt. Die Laienschauspieler überzeugten. Doch ist nicht jede Szene problemlos verlaufen. Von Christoph Strouvelle

Gespannt stehen am Mittwoch 60 meist junge Besucher im Studio des Trierer Theaters. Der Horrorautor Edward Lovecraft arbeitet dort und verzweifelt an seinen Herausforderungen. „Wir sind hier, um Rituale zu bezeugen, die die Alten auferstehen lassen. Das bedeutet das Ende der Welt, wie wir sie kennen“, ruft er. Bis dann Untote aus Särgen und hinter Möbeln hervorkommen. „Ihr seid nicht echt, ihr durchlebt die Geschichte.“ Das ist die Basis für die vierte Trierer Horrornacht mit dem Stück „Das Manuskript der vergessenen Räume“ (Autorin Janine Westphal, Regie: Youri Kim), die zu vier Terminen insgesamt 240 Besucher ins Theater gelockt hat und sich auf Werke und Figuren des amerikanischen Autors stützt. 70 Darsteller des Bürgertheaters führen die Besucher in vier Gruppen durch verschiedene Szenerien in den unterschiedlichsten Räumen des Hauses. Die Gruppen – benannt nach den Horrorautoren Edgar Allen Poe, August Strindberg, Edward Lovecraft und Ambrose Bierce – erleben immer wieder Szenen, in denen geheimnisumwobene Artefakte, in der Fantasyliteratur ein Begriff für magische Gegenstände, eine Rolle spielen. Beispielsweise bei der Gruppe Poe  die Geschehnisse aus zwei Jahrtausenden: Hier ist solch ein Artefakt ein Schwert, mit dem ein römischer Legionär fellbekleidete Germanen tötet, die ein Heiligtum anbeten. Der magische Gegenstand wandert  innerhalb der Familie weiter bis zu einer Todesszene im Orient.  Anschließend kommt er zu einem Architekten, den die Belastungen durch die Vorfahren in den Wahnsinn treiben, und zu einem Feuerwehrmann, der seine Kameradin umbringt – ein Menschenopfer ist der einzige Weg, um ein wallendes Feuer zu löschen. Alle Szenerien zeichnen sich durch intensives Spiel der Akteure aus.

Und auch die Besucher beteiligen sich am Geschehen, versuchen, durch Wortmeldungen die Morde zu verhindern oder zu beeinflussen.Doch als die vier Gruppen sich mit ihren unterschiedlichen Artefakten hinter der Bühne wieder vereinen, wird das Geschehen beim ersten von insgesamt vier Durchgängen an diesem Abend unübersichtlich. Vorne verhandelt eine kleine Gruppe von Besuchern über die Auswahl des richtigen Artefakts, das den Untergang der Menschheit verhindern soll. Dahinter fragen sich die Besucher, was gesprochen wird, denn zu verstehen ist es nicht. Zum Unverständnis trägt zusätzlich die Geräuschkulisse der Horrorfiguren aus den diversen Szenen bei, denen das Publikum hier wieder begegnet und die die Besucher anfauchen, stöhnen und seufzen.

Der Sinn der Schlussszene auf der Hauptbühne mit vielen Toten bleibt einem Großteil des Publikums deshalb verborgen. Abgesehen davon, dass viele Besucher das Ende der Vorstellung nicht bemerken. Insofern verläuft das Finale jedenfalls beim ersten von vier Durchgängen  etwas chaotisch. Schade.