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Hotel Bossa Nova bei Jazz im Brunnenhof 2020 in Trier

Konzert-Review : Endlich wieder Livemusik

Die etablierte und beliebte Konzertreihe Jazz im Brunnenhof startet – trotz aller Widrigkeiten – stimmungsvoll mit Hotel Bossa Nova in die 2020er-Saison.

Um es gleich vorweg zu sagen: Hotel Bossa Nova hat am Donnerstagabend mit einer gefühlvollen und witzigen Show ein längst vergessen geglaubtes Live-Feeling wieder zum Leben erweckt und für freudige Erregung bei den über 150 Besuchern gesorgt.

Nachdem das Theater es vorgemacht hatte, ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept entwickelt worden war, die Behörden die Genehmigungen erteilt hatten und all die Absagen und Umbuchungen erledigt waren, konnte es wieder heißen: „Willkommen zu Jazz im Brunnenhof“. Acht hochkarätige Jazz-Formationen unterschiedlichster Stilrichtungen des Genres werden bis zum 27. August immer donnerstags um 20 Uhr aufspielen.

Den Auftakt bestritt die Wiesbadener Combo Hotel Bossa Nova. Hier ist der Name Programm (nur das Hotel erschließt sich nicht ganz). Frontfrau und Mastermind Liz Da Costa hat portugiesische Wurzeln mit indischem Einschlag, ihre Musik ist im besten Sinn multikulturell jazzig, geprägt vom Bossa Nova mit Fado- und Samba-Einflüssen. Wenn man auch kein Portugiesisch versteht, sind die Texte doch lautmalerisch wundervoll (und inhaltlich – Liza erklärt das alles auf Deutsch– humorvoll bis poetisch), der weiche Zungenschlag ist wie geschaffen für die Rhythmen.

Treibender, rassiger Bossa Nova, die Musik, die die Aufbruchsstimmung im Lateinamerika der Nachkriegszeit prägte. Lizas Stimme ist stark, hell und durchdringend, mit einem wunderbar kratzig-dunklen Timbre. Sie singt von Alltagsbegebenheiten, Sehnsüchten, Spaziergängen, der Verzweiflung angesichts geschlossener Fischmärkte, aber auch von den Akklimatisationsschwierigkeiten ihrer Eltern in Deutschland vor 50 Jahren. Dass es dabei nur um den Mangel an Koriander, Knoblauch und Olivenöl geht, darf durchaus metaphorisch gesehen werden.

Die Band (Tilmann Höhn, Gitarre, Alexander Sonntag, Kontrabass und Wolfgang Stamm, Schlagzeug) ist exzellent, seit 15 Jahren spielen sie nun zusammen, da versteht man sich blind, vor allem die Soli und kleinen Improvisationen beeindrucken. Bei den Instrumentals erschaffen sie Klangwelten mit Urwaldstimmung oder geben Frank Zappa und Led Zeppelin die Ehre der Verjazzung. Anrührend eine kleine Hommage an den vor einigen Tagen erst verstorbenen Ennio Morricone.

Das historische Ambiente, der warme Sommerabend, die kühlen Drinks und die einbrechende Dunkelheit tun ein Übriges, es fühlt sich an wie ein erlösendes Ritual, nach langer Agonie während der Pandemie. Aber die ist ja noch lange nicht vorbei, so sind auch nur 150 (begeisterte) Besucher mit Abstand und den gängigen Hygieneregeln zugelassen, in den Vorjahren haben sich schon mal 600 Leute im Brunnenhof getummelt. Das ist für die Veranstalter Trier-Tourismus-Marketing (ttm) und Jazzclub natürlich schmerzhaft, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Dennoch gehen sie mit vollem Herzen das Risiko ein. Jazzclub-Boss Nils Thoma sagt: „Wir mussten über 50 Leute ohne Kartenreservierung am Eingang abweisen; die Leute sind einfach hungrig nach Livemusik“ und ttm-Chef Norbert Käthler fügt hinzu: „Und mittlerweile fühlt es sich nicht mehr blöd an, mit solchen Einschränkungen leben zu müssen!“

Sängerin Liza da Costa kann endlich wieder ihre Leidenschaft für den Bossa Nova auf der Bühne im Brunnenhof ausleben. Foto: Dirk Tenbrock
Wieder ein gewohntes Bild – mit voller Bandstärke auf der Bühne: Wolfgang Stamm, Alexander Sonntag, Liz da Costa, Tilmann Höhn. Foto: Dirk Tenbrock

Die neue Normalität hat wohl Einzug gehalten, besser wir gewöhnen uns daran.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hotel Bossa Nova im Trierer Brunnenhof