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Bücher
Im Dickicht schmutziger Euros

Der Start ist spektakulär: Eine Verfolgungsjagd, eine Flucht durch die Sauer, Schüsse, Treffer, ein Toter. So könnte ungefähr jeder Kriminalroman beginnen. Indes: Bei den „Luxembourg Transfers“ von Emile Claassen – mit Klarnamen: Karl-Georg Schroll – ist dieser Start der literarische Türöffner zu einem dicht gewobenen Handlungsnetz. Von Martin Möller

Das lässt die klassischen Krimi-Konstellationen weit hinter sich. Ort des Geschehens ist die Trier-Luxemburger Region – die Sauer, Wiltingen mit dem ominösen Galgenberg, Porta Nigra, Hauptbahnhof und Hotel Christophel in Trier, dann selbstverständlich Echternach. Und die Handlung ist – sozusagen – multikriminell. Sie beschränkt sich nicht auf simpel-altertümlichen Mord und auch nicht auf die eher konventionelle Geldwäsche von zwölf Millionen Euro. Sie ist mehr.

Da tauchen Akteure ins Darknet ab. Da erscheinen Hacker und werden dann  zu Opfern zynischer Gewalt. Da hat die „Ost-Mafia“ ihre schmutzigen Hände im Spiel. Staatsschutz und Polizei diesseits und jenseits der deutsch-luxemburgischen Grenze laufen zu Hochform auf und ziehen dabei nur selten einmal an einem Strang. Kurz: Was im Roman erscheint, ist eine obskure, eine zwielichtige Gesellschaft. Und zum Ende der Geschichte bleiben die beliebten perfekten Lösungen weitgehend aus. Klärt sich nicht alles hundertprozentig. Die mörderischen Spiele um Macht und Geld bleiben undurchsichtig. Darin meldet sich, literarisch kaschiert, ein durchaus zeitgerechter Realismus.

Als Zentralfigur  lässt sich der norddeutsche Journalist mit dem leicht schwedisch klingenden Namen Johann Wahlberg sicher nicht bezeichnen. Aber eine gewisse Mittelpunkt-Funktion  hat er. Journalistisch-professionelle Neugier und zugleich das persönliche Interesse an einer verschollenen Frau mit Namen Laura Bechtheim fallen in seiner Person zusammen. Und in der Vielzahl von Handlungssträngen ist er so etwas wie ein ruhender Pol. Dass sein  Versuch endgültig scheitert, vergangenes Unrecht gegenüber Laura wiedergutzumachen, gehört zur Anlage des Romans.

Im Verwirrspiel um Täter und Opfer und Planung und Zufall meidet er die einfachen Lösungen. Gelegentlich wird die Handlung beeinträchtigt von einem Übermaß an Dialogen. Der Roman redet viel und schildert oder beschreibt eher  wenig. Aber in den dramatischen Szenen, vor allem in den Verfolgungsjagden und unvermittelten Überfällen,  stößt Autor Karl-Georg Schroll vor zu gerafften, prägnanten und spannenden Szenarien. „Die Luxemburg Transfers“ ist ein Eifel-Krimi der anderen Art. Bereits das macht ihn lesenswert. ⇥Martin Möller

Emile Claassen, Die Luxembourg ­Tranfers. 340 Seiten, Blattfuchs Verlag 2018, 12.50 Euro.