Im Theater Trier hatte die Czardasfürstin Premiere

Theater : Gefühlvolle Fürstin mit Hang zum Klamauk

Im Theater Trier hatte die „Czardasfürstin“ Premiere

„Jai Mamám, Bruderherz, ich kauf’ mir die Welt“– die ganze Welt will sich das Theater Trier vielleicht nicht kaufen, aber sie mit publikumswirksamen Aufführungen wieder vermehrt ins Haus holen. Aktuell geschieht das mit einem ausgesprochenen Dauerbrenner.

Am Samstag hatte Emmerich Kálmáns 1915 uraufgeführte Operette „Die Czárdásfürstin“ im Großen Haus Premiere. Schwung und Lust am Spiel waren in einem Maß angesagt, das fraglos auch den Herausforderungen der närrischen Saison gerecht wird. Selten hat man das Philharmonische Orchester der Stadt Trier so vital und dynamisch erlebt, wie an diesem Abend. Dirigent Wouter Padberg trieb die Musik mit Schwung an, und ließ dennoch genug Raum für Gefühlsseligkeit und klangsinnlichen Schmelz, ohne jemals schmalzig zu werden. Gelegentlich preschte das Blech etwas lautstark vor.

Auf eine Mischung aus Schwung, Komik und Folklore, sowie detailreiche historische Kostüme ( Ausstattung Robert Schrag) setzt Regisseur Thilo Reinhardt in der Geschichte vom Fürstensohn Edwin, der gegen den Widerstand seiner aristokratischen Familie, die bei Licht besehen, doch nicht so durchgehend nobel ist, am Ende seine Variété-Sängerin Sylva Varescu zur Frau bekommt.

Ein malerisches Jugendstilportal markiert den Eingang zum Budapester Theater Chantant, wo Varescu mit ihren „Mädis“ auftritt. Dort sind Edwin und sein Freund, der Lebemann Graf Boni Stammgäste.

Wie eine Göttin auf dem Lotussitz schwebt Eva Maria Amman als Sylva vom Bühnenhimmel.

Im Laufe der Aufführung dreht die Bühne nach innen in Varescus Garderobe und später in das Wiener Palais der Fürsten Lippert –Weylersheim, wo die Gäste sich im Walzertakt unter der Ahnengalerie drehen.

Stellt sich die Frage: ist die Ahnengalerie nun Damokles-Schwert oder einfach Supraporte? Eine der gelungensten Szenen.

Statt den ganzen Bühnenraum zu nutzen, lässt Reinhardt vorwiegend auf der Vorderbühne spielen. Das ist szenisch nicht nur etwas einfallslos, sondern angesichts der zahlreichen Tanzeinlagen und Gruppenbilder auch eine besondere Herausforderung im Umgang mit dem Raum. Die drangvolle Enge endet nicht selten in formlosen Getümmel. An Trachtenfeste und Tanzmariechen erinnern die Tanzeinlagen der „Mädis“. (Choreografie: Luiza Braz Battista, Paul Hess).

Überhaupt wird hier szenisch und spielerisch vielfach zu dick aufgetragen (einschließlich des bemüht ungarischen Akzents) und zu wenig ausgedeutet. Dabei bleiben nicht nur Eleganz und Leichtigkeit der Operette auf der Strecke, sondern auch jene Vielschichtigkeit und sozialkritische Tugend, die aus der Operette eine frivole aber unbedingt ernst zu nehmende Tochter der Oper machen.

Da nützen auch im letzten Akt die Soldaten nichts, die als Hinweis auf die Katastrophe des 1.Weltkriegs, in dem das Stück zeitlich angesiedelt ist, auf dem Bahnsteig vorbeimarschieren. Als Sylva singt Eva Maria Amman eine anrührende, zwischen Liebessehnsucht und Nüchternheit hin und hergerissene Künstlerin. Nur in den Höhen wird ihr körperhafter Sopran schon mal grell. Dafür bleibt Svetislav Stojanovic als Edwin blass. Eine wesentlich straffere Personenführung hätte man sich beim gesanglich überzeugenden Bonko Karadjov als Boni gewünscht, dessen eindrückliches komisches Talent hier immer wieder in Klamauk umschlägt. Sehr schön seine Stimme im Ensemble Klang mit Amman. Mit weichem, dennoch schlankem Sopran und anmutigem Spiel überzeugt Frauke Burg als Comtesse Stasi.

Premiere der Operette "Csardasfürstin" am 2. Dezember im Theater Trier. Foto: TV/ArtEO Photography (Edouard Olszewski)
Premiere der Operette "Csardasfürstin" am 2. Dezember im Theater Trier. Foto: TV/ArtEO Photography (Edouard Olszewski)

Die Karikatur einer Karikatur gibt dagegen Norman Stehr als Fürst Lippert-Weylersheim. Völlig eindimensional: Tim Olrik Stöneberg als Oberleutnant Rohnsdorff und Edda Petri als Fürstin Anhilte. Ein anzüglicher Lebemann: László Lukács als Feri Bácsi. Höchst engagiert: Opernchor und Extrachor des Theaters (Einstudierung Angela Händel). Zum Ende: anhaltender Applaus, aber auch schneidende Pfiffe im praktisch ausverkauften Haus.