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Konzertbesprechung
In Luxemburg entdeckt Lenny die Langsamkeit

Lenny Kravitz spielt in der Rockhal vor 6000 Fans.
Lenny Kravitz spielt in der Rockhal vor 6000 Fans. FOTO: Jasmin Wagner
Esch. Absolut professionell und routiniert präsentiert Lenny Kravitz seine großen Hits vor 6000 Fans in der Rockhal. Doch sein Auftritt hat auch Längen. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Die Scheinwerfer leuchten auf und reißen Lenny Kravitz aus der Dunkelheit der Rockhal. Gitarre, Dreadlocks, Sonnenbrille – den Anblick haben die 6000 Fans erwartet und begrüßen den 54-Jährigen lautstark. Der Künstler selbst bleibt still, die Technik spielt offenbar nicht mit. Ein Roadie eilt herbei und behebt das Problem, dann geht es los. Von solchen Kleinigkeiten lässt sich ein Lenny Kravitz nicht stoppen.

Es ist still geworden um den Mann aus New York City. Das letzte Album kam 2014, die letzte Deutschlandtour 2015. Doch jetzt greift Kravitz wieder an: Im September kommt das neue Album „Raise Vibration“, und deshalb ist der Mann mit der mächtigen Frisur auch wieder auf Tour in Europa. Auch in Deutschland hat er mehrere Konzerte gespielt und die Fans offenbar überzeugt.

Mit „Fly away“ steigt er in Luxemburg druckvoll ein. Der 20 Jahre alte Song vom Album „5“ ist einer seiner größten Erfolge, eine dieser Nummern, die jeder irgendwo schon mal gehört hat. Die musikalische Qualität und auch die Präsenz auf der Bühne stimmen zwar, aber dennoch entsteht schnell der Eindruck einer Distanz zwischen Künstler und Publikum. Ein Eindruck, den Kravitz immer wieder verstärkt, indem er zwischen seinen Songs sekundenlang taten- und tonlos auf der Bühne steht, die Vorstellung seiner hervorragenden Band minutenlang in die Länge zieht und dabei „Don’t rush me“ (Hetzt mich nicht) grummelt und generell leicht abwesend wirkt. Was dem Stress einer Tour oder einer nicht ganz optimalen Tagesform geschuldet sein kann.

Die Fans nehmen es mit Humor und Gelassenheit, sie gehen trotzdem mit. Die Songauswahl ist ideal für eine laute Party, die Stücke kommen mit Energie. „American Woman“, die Coverversion des im Original von The Guess Who stammenden Songs aus 1970, kommt besonders gut an, ebenso die Klassiker „Dig in“ und „It ain’t over ‚til it’s over“ vom 1991er Album „Mama said“.

Lenny Kravitz in der Rockhal FOTO: Jasmin Wagner

Das neue Album „Raise Vibration“ ist mit zwei Songs dabei. „It’s enough“ und „Low“ wirken im Vergleich mit Kravitz’ rockigen Klassikern geradezu sanft, aber es sind ohne jeden Zweifel gute Stücke, in denen er stilistisch wohl bewusst mit seinen Monsterhits bricht. Es ist offenbar Zeit, mal was Neues zu spielen. Gut so.

Am Ende wird es ein Zwei-Stunden-Abend, von dem nach Abzug aller Pausen, Längen und  endlos scheinenden Intros und Songausgängen allenfalls 90 Minuten übrig sind. Die Qualität bleibt bis zum Ende. Des Distanz aber leider auch.