Interview mit Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach zum Sinfoniekonzert

Interview : Gleich zweimal ins Unbekannte

6. Sinfoniekonzert am Donnerstag mit der Musik des japanischen Komponisten Toru Takemitsu.

Beethovens „Eroica“ zum Abschluss des 6. Trierer Sinfoniekonzerts dürfte alle Fans der Wiener Klassik zufriedenstellen. Und auch das originelle und erstaunlich sanfte Cellokonzert von Edward Elgar mit dem Solisten Johann Ludwig ist nach traditionellen Maßstäben keine klingende Provokation. Wie dagegen steht es mit der Eröffnung? Der Japaner Toru Takemitsu (1930-1996) ist in avantgardistischen Kreisen Europas deutlich bekannter als beim Traditionspublikum. „How slow the wind“ – Was erwartet bei einer Komposition mit diesem Titel den Hörer? TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach darüber mit Jochem Hochstenbach. Der Trierer GMD wird im Sinfoniekonzert dirigieren.

Herr Hochstenbach, das kommende 6. Sinfoniekonzert eröffnet mit einem Werk, das Interpreten und Hörer gleich zweimal ins Unbekannte schickt. „How slow the wind“ gehört zur Neuen Musik mit ihren bekannten Spannungen zum Konzertpublikum. Und der Japaner Toru Takemitsu ist  im traditionellen deutschen Musikbetrieb eine wenig bekannte Größe. Warum dieser Komponist und warum dieses Werk?

In Fernost gehört Takemitsu unbestritten zu den großen Komponisten. Er war großenteils Autodidakt. Aber er verarbeitete sehr viele Einflüsse der europäischen Tradition – Messiaen zum Beispiel. Takemitsu war eindeutig ein Avantgardist.  Aber „How slow the wind“ ist gar nicht so avantgardistisch. Wer in die Partitur schaut, wird zunächst abgeschreckt. Aber was man hört, klingt pastos und in manchen Momenten beinahe tonal. Und es gibt Melodiefragmente, die klingen, als wären sie von Debussy.

„How slow the wind“, das heißt wohl, „wie sanft bläst  der Wind“. Ist das eine Art Naturschilderung?

Ich würde sagen – ja. Das Ganze hat eine sehr melancholische Stimmung. Die Musik ist sehr ruhig, aber dennoch entsteht eine feine Spannung. Das Werk ist natürlich kein Requiem, aber es assoziiert auch Tod und Vergänglichkeit. Es ist eine Musik, die vorbeizieht – Klänge, die aufkommen und vergehen. Naturschilderung und Seelengemälde zugleich.

Die Partitur des Werks ist sehr komplex. Wie erarbeiten Sie die mit dem Orchester? Wie realisieren Sie zum Beispiel die zahlreichen Tempo-Veränderungen und ungeraden Taktarten wie 5/4 oder 7/4-Takt?

Wir gehen zunächst die Partitur durch – Takt für Takt. Wir bauen sozusagen das Gebäude. Wir kontrollieren, wer spielt mit wem gleichzeitig? Da hat Takemitsu großartige Ideen – wenn zum Beispiel eine Piccoloflöte mit einer Celesta zusammenspielt. Bei den schwierigen Rhythmen reicht der Blick zum Dirigenten oft nicht. Die Musiker müssen aufeinander hören. Dann passen wir die Dynamik an – wann spielt man laut und wann leise? Ich sage dann, wie die Musik an bestimmten Stellen klingen soll. Und so kommt alles zusammen.

Gehen Sie mit einer konkreten Klangvision in die Proben?

Klangvisionen entwickelt man auch während der Probenarbeit. Aber eine bestimmte Klangvorstellung sollte man als Dirigent schon vorher haben.

6. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, im Trierer Theater. Werke von Takemitsu, Elgar und Beethoven. Johann Ludwig, Violoncello, Philharmonisches Orchester Trier, Leitung GMD Jochem Hochstenbach. Karten unter Telefon 0651/ 718-1818 oder per E-Mail an theaterkasse@trier.de

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