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Interview mit Singer-Songwriter Ezio vor seinem Auftritt in Saarburg

Interview mit Ezio : „Das reale Leben ist doch besser als das virtuelle!“

Die Band Ezio besteht aus dem Singer-Songwriter Ezio Lunedei. Der Brite mit italienischen Wurzeln macht seit 1990 gemeinsam mit dem Gitarristen Mark „Booga“ Fowell Pop-Folk mit sehr persönlichen Texten.

Am Samstag, 29. August, kommt die Gruppe nach Saarburg. Im Interview erzählt Lunedei von seiner Verbindung nach Deutschland, dem schwierigen Songwriting und was für das 30. Bandjubiläum geplant ist.

Wie ging es Ihnen denn in der Corona-Zeit?

Ezio Lunedei Meine Freundin wohnt in Saarbrücken, und als es losging, war ich dort, weil ich eigentlich Konzerte hätte spielen sollen. Die wurden abgesagt, aber ich habe mich dafür entschieden, die vier Monate mit ihr in Deutschland zu verbringen. Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder in Großbritannien. Verglichen mit dem, was meine britischen Freunde mir erzählen, habe ich die richtige Wahl getroffen – in Deutschland sind alle mit dieser Pandemie besser umgegangen als in meiner Heimat.

Wie war es für Sie, auf einen Schlag keine Konzerte mehr spielen zu können und damit auch nicht wie gewohnt als Musiker arbeiten zu können?

Lunedei Jegliches Einkommen zu verlieren und nicht zu wissen, wann es sich wieder normalisieren wird, ist ein beschissenes Gefühl. Aber als Musiker kennt man es auch gar nicht anders, ich bin ja seit 30 Jahren eine große finanzielle Unsicherheit (lacht). Ich bin da also vielleicht nicht ganz so besorgt. Eine Sache hat sich durch Corona tatsächlich geändert: Ich habe jetzt einen Patreon-Account, über den Fans mich als Künstler mit einem monatlichen Beitrag unterstützen können. Dafür gibt es dann besondere Inhalte – und ich habe tatsächlich so etwas wie ein Gehalt (lacht).

Jetzt stehen endlich wieder Konzerte an.

Lunedei Ich kann es nicht abwarten, endlich wieder live auf einer Bühne zu stehen! Saarburg wird unser zweites Konzert nach einer langen Zeit ohne Auftritte, einen Tag zuvor sind wir in Luxemburg. Ich weiß natürlich, dass es anders sein wird als wir es gewohnt sind. Aber die Hauptsache ist doch, dass die Leute alle sicher sind und gesund bleiben. Da nehmen wir Abstand und solche Dinge gerne in Kauf. Ich denke, es wird sich trotzdem fantastisch anfühlen. Vermutlich werden wir ein bisschen ausrasten.

Haben Sie denn etwas Besonderes geplant für Ihre ersten Konzerte?

Lunedei Wir spielen ja ohnehin einige Stunden lang. Wir planen auch nie oder proben den gesamten Ablauf im Vorfeld. So werden wir auch nicht gelangweilt von dem, was wir tun und es bleibt immer aufregend. (lacht) Daher wissen wir nicht wirklich, was passieren wird, aber es wird sehr gut werden.

Sie treten ja oft auch mit einer ganzen Band auf, begonnen hat es aber als Duo mit Booga. Wie wird das Arrangement in Saarburg aussehen?

Lunedei Wir spielen als Duo, vor allem wegen der ganzen Abstandsregeln. Ein bisschen proben müssen wir im Vorfeld ja schon, aber es ist nicht die richtige Zeit, um mit der kompletten Band in einem Raum zu sein. Booga, mein langjähriger Freund und Gitarrenpartner, und ich, wir sehen uns regelmäßig und überschreiten da auch keine Grenzen. Wir werden mit dem Auto kommen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und unsere Kontakte so weit wie möglich einschränken.

Konnten Sie in der Corona-Zeit an neuem Material arbeiten?

Lunedei (lacht) Ich habe es versucht, habe auch ein paar Ideen, aber in den letzten drei oder vier Jahren versuche ich die Art, wie ich Songs schreibe, zu verändern. Meine Songs gehen meist über Beziehungen und Gefühle und ich denke, das was gerade in der Welt los ist, müsste mehr von mir reflektiert werden. Da ist so viel gerade, das mich nachdenklich, wütend oder unruhig macht, aber ich habe noch keinen Weg gefunden, das alles in meinen Liedern zu transportieren.

Sind Sie für den Schreibprozess alleine verantwortlich?

Lunedei Ja, ich schreibe eigentlich immer allein. Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren. Es könnte ja sein, dass all diese persönlichen Themen einfach nicht dazu geeignet waren, als Team zu arbeiten. Ich hasse sowas ja, wenn man Texte hört, die vermeintlich intim sein sollen, aber denen man förmlich anhört, dass jemand anders sie geschrieben hat. Und wenn Leute mit mir versucht haben, Songs zu schreiben und mir ihre Ideen erzählt haben, dann hat sich das für mich direkt falsch angefühlt. Sowas kann ich dann auch nicht singen. Ich muss dazu sagen, dass ich meinen musiktechnischen Fähigkeiten insgesamt weniger vertraue. Ich verlasse mich mehr auf meine Bauchgefühle. Ich muss es einfach fühlen, und dann ist es auch egal, wie ich es sage, solange es sich richtig anfühlt.

In Ihrer erzwungenen Freizeit haben Sie gemeinsam mit Booga außerdem einen Podcast angefangen. Worum geht’s da?

Lunedei (lacht) Ja, die sind auch ziemlich unverschämt. Teilweise machen Booga und ich das zu zweit und reden über Themen, die uns aufregen. Aber wir haben auch mit diversen Künstlern gesprochen, über ganz unterschiedliche Dinge. Die meisten sind Freunde von uns. Wir veröffentlichen die Podcasts wöchentlich und machen die nur zum Spaß, wir bekommen also kein Geld dafür.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten, würden Sie eher in Deutschland oder Großbritannien leben, wo Sie ja doch eine starke Bindung ins Saarland haben?

Lunedei Ich liebe meine Freundin sehr und möchte gerne mehr Zeit in Deutschland verbringen, aber meine Kinder leben alle in Großbritannien und ich möchte nicht zu weit weg sein. Daher bin ich etwa die Hälfte meiner Zeit in Saarbrücken und die andere in England. Im Saarland kenne ich einige hervorragende Musiker, und ich sehe mich selbst mehr und mehr in Deutschland. Ein kleines Hindernis ist nur, dass mein Deutsch wirklich miserabel ist. Meine Freundin und ich sind davon auch ordentlich frustriert. Vor allem reden erstaunlich viele Leute im Saarland eher Französisch als Englisch, von daher sammle ich Geschichten über sprachliche Missverständnisse. Ich hab es auch schon versucht mit Sprachkursen für Einwanderer, aber es ist so kompliziert!

Trier ist ja auch nicht so weit vom Saarland entfernt, und dort haben Sie auch schon oft gespielt. 2013 in den Kaiserthermen wurde sogar ein Live-Album mitgeschnitten.

Lunedei Es ist so eine fantastische Location und Trier allgemein ist ein sehr schöner Ort. Wir haben auch schon in anderen historischen Gebäuden gespielt. Als wir Vorband von Toto waren, durften wir im Amphitheater auftreten. Der Grund, warum es überhaupt so einen qualitativ hochwertigen Audiomitschnitt gab, war, dass wir eigentlich das gesamte Konzert filmen wollten. Aber die Filmcrew hat es komplett versaut. Alle Aufnahmen waren vollkommen nutzlos. Das war also ein Haufen Geld, das wir da in den Sand gesetzt haben, aber wenigstens konnten wir dieses sehr gute Album mitnehmen.

Dieses Jahr ist zudem das 30. Jubiläum von Ezio. Hatten oder haben Sie Pläne dafür?

Lunedei Ja, tatsächlich wollten wir gegen Ende des Jahres eine Best-of-Platte rauszubringen, aber das müssen wir auf kommendes Jahr verschieben.

Ein letzter Satz noch, den Sie unseren Leserinnen und Lesern, die vielleicht zum Ezio-Konzert kommen werden, durch diese harte Zeit mitgeben möchten?

Lunedei Zunächst schon mal danke an alle, die kommen werden. Bleibt  gesund und wir werden im August einen großartigen Abend zusammen verbringen. Virtuelles Leben ist ganz okay, aber das reale Leben ist dann doch deutlich besser.

Das Open-Air-Konzert findet am 29. August in der Alten Kaserne Saarburg statt. Wegen Corona gibt es nur 350 Tickets zu je 27,82 Euro. Der Vorverkauf läuft unter anderem über www.station-k.de