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Prüm
Neue Einsichten aus der Welt der Pubertiere

Kennt sich aus in der Welt der Pubertiere: Jan Weiler plaudert beim Eifel-Literatur-Festival aus dem Nähkästchen.
Kennt sich aus in der Welt der Pubertiere: Jan Weiler plaudert beim Eifel-Literatur-Festival aus dem Nähkästchen. FOTO: TV / Stefanie Glandien
Prüm. Jan Weiler weiß, wie Jugendliche ticken. Beim 13. Eifel-Literatur-Festival erzählt er 600 Zuhörern in Prüm witzige Geschichten aus seinem Familienalltag, warum er nicht gerne auf Elternabende geht und wieso er nicht zum Essen bei seiner Schwägerin eingeladen werden will.

Jan Weiler ist ein Eifelkenner. Nicht nur, weil er bereits mehrmals Gast beim Eifel-Literatur-Festival war,  sondern auch, weil er in den Achtzigerjahren in Manderscheid in der Vulkaneifel zur Klassenfahrt war. Und Manderscheid war dann auch sein Vorschlag für die Fahrt seines 15-jährigen Sohnes Nick. Eigentlich wollte er das gar nicht vorschlagen, aber weil der diktatorische Elternsprecher Ulrich Dattelmann per Rundmail Ziele einforderte und alle Eltern Berlin nannten, hat er zum Spaß Manderscheid ins Spiel gebracht, nicht ahnend, dass ein Vater am Elternabend ein glühendes Plädoyer gegen Berlin halten würde, das er für verkommen, ultragefährlich und hässlich hielt. So fiel die Wahl der Eltern auf die Eifel. Am nächsten Tag kam sein Sohn wütend aus der Schule: „Wenn ich den Arsch finde, der mir Berlin versaut hat, dann gnade ihm Gott.“

Die rund 600 Zuhörer quittieren die Geschichte mit fröhlichem Gelächter. Überhaupt wird an dem Abend viel gelacht und gejohlt. Angestachelt von der guten Stimmung, läuft Jan Weiler zur Höchstform auf. Sein Sohn Nick sei jetzt 15 Jahre alt, aber seine Füße schon 19. „Wenn sich das nicht wieder zurechtruckelt, ist er ein Hobbit“, sagt er.

Hauptberuflich sei er Schriftsteller, aber manchmal falle ihm nichts ein und dann widme er sich der Pubertierforschung. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Pubertiere regelmäßig an Schultagen und dann meistens nur für die Dauer eines Vormittags von seltsamen Krankheiten heimgesucht werden. Kurz nach der vierten Stunde sei das  Pubertier schon wieder vollständig genesen und in der Lage, Fifa 17 zu zocken und Pudding zu essen.

Doch nicht nur die süßen Kleinen verändern sich, auch vor Eltern machen die Entwicklungen nicht Halt. „Früher war ich für meine Kinder der Allergrößte, heute bin ich ein peinlicher Honk“, jammert Weiler. Früher habe er seine Kinder gut foppen können. „Wenn es Spargel gab, habe ich gesagt, dass die Spargelköpfe überhaupt nicht gut für Kinder seien und sie alle mir geben sollen.“ Das würden sie heute durchschauen, da müsse man mit Tricks arbeiten. Und einen verriet er dem Publikum: „Wenn das Essen fertig ist, ziehe ich den Router aus der Steckdose. Dann kommen alle fragen, warum das Internet nicht mehr geht.“ Und seiner Tochter Carla habe er mal gesagt, wenn sie ihr Zimmer aufräumen würde, dann hätte sie schnelleres Internet, denn dann kämen die WLlan-Strahlen besser durch.

Da er viel unterwegs sei, freue er sich auf den Samstag, denn da habe er immer frei und mache da am liebsten „nüscht“. Doch manchmal müsse er mit zur Schwester seiner Frau. Ihr Mann Jürgen hat eine Esoterik-Macke und außerdem kochen sie vegan, nach Mondphasen und nach Blutgruppen. „Bevor man hinfährt, braucht man schon ein sehr großes Leberwurstbrot, um den Abend zu überstehen.“

In Prüm reiht sich Pointe an Pointe. Nach zwei Stunden Programm spendet das hörbar begeisterte Publikum lang anhaltenden Beifall. Weiler haut noch einige Witze raus und verabschiedet sich so: „Es ist ein Riesenspaß beim Eifel-Literatur-Festival aufzutreten. Ihr seid ein echt geiles Publikum!“

Auch einige Pubertiere sind unter den Zuhörern. Eine davon ist Jule Manstein (13 Jahre) aus Gerolstein. Und wie hat ihr der Abend gefallen? „Sehr gut.“ Und ja, sie habe sich doch manchmal in den Erzählungen wiedererkannt. Da sei schon was dran, dass Pubertiere viel schlafen, etwas unordentlich seien und manchmal handysüchtig.