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Kabarettist Christian Ehring überzeugt im Echternacher Trifolion

Kabarett : „Ich bin, was die AfD einen Gutmenschen nennt“

Kabarettist Christian Ehring überzeugt die rund 500 Besucher im Echternacher Trifolion.

Spätestens, seit Alice Weidel 2017 mit ihrem Unterlassungsantrag gegen Christian Ehring scheiterte, dürfte der Kabarettist und Moderator einem breiteren Publikum bekannt sein. Damals hatte er auf Weidels Forderung, die politische Korrektheit „auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen“, in der Satiresendung „Extra 3“ wie folgt erwidert: „Jawoll. Schluss mit der politischen Korrektheit, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!“

Wer mit den Erwartungen an ausschließlich politische Provokationen ins Echternacher Trifolion gekommen war, wurde am Samstag enttäuscht. Denn Ehrings Humor ist weit vielschichtiger und lebt nicht von skandalträchtigen Breitseiten. Sein Programm „Keine weiteren Fragen“ bedient weder das typische „Extra-3“-Publikum noch die typischen Kabarettgänger. In seinem Repertoire kommen alle auf ihre Kosten.

Dass er tagesaktuell reagiert und spontane Einlagen liefern kann, zeigt er bei einer Sequenz, für die er eine Tageszeitung benötigt. An diesem Abend in Echternach liegt eine aktuelle Ausgabe des „Luxemburger Wort“ bereit. Er liest eine Schlagzeile vor: „Digitalisierung – das Land ist gewappnet“. Ehring kommentiert trocken: „Das ist ja schon mal ein Unterschied zu Deutschland“, und erntet von den etwa 500 Zuschauern, die bei weitem nicht nur aus Luxemburgern bestehen, Lacher und Applaus. Auch sein Gag über den Luxemburger Finanzskandal kommt gut an: „Luxemburg – das ist Uli Hoeneß als Land!“ Auch relativ sinnfreie Albernheiten hat Ehring im Gepäck: Sein neuer Geschäftszweig seien vegane Kinderlieder – ganz ohne Entchen, Gänse oder Füchse, Milch oder Honig.

Durch diese Vielfalt seines zweieinhalbstündigen Programms zieht sich stets ein roter Handlungsfaden: Nach dem Auszug seines Sohnes hat seine Frau die Idee, die Einliegerwohnung an einen Flüchtling zu vergeben. Die Idee sei gut, sagt er – aber eben nur als Idee. Schließlich könne man die Immobilie auch für gutes Geld vermieten. Dabei sei er ja wirklich nicht gegen Flüchtlinge, beteuert er kleinlaut, er sei sogar das, was die AfD einen Gutmenschen nennt. Auf der Bühne kommt es daraufhin zu diversen Streitgesprächen zwischen ihm und seiner imaginären Frau, die er mit großartiger Mimik und Gestik darbietet. Zwischen diesem groben Handlungsstrang lässt er Erzählungen über seinen pubertierenden Sohn einfließen, der stets auf seine „Life/Life-Balance“ bedacht sei.

Ab und zu singt Ehring humorig-melancholische Lieder, zu denen er sich selbst am Flügel begleitet. Auch über seine neue Leidenschaft zum Sport lässt er sich aus – er habe die Rückbildungsgymnastik für sich entdeckt. Bei seinen Ausflügen in die Welt des Yoga und das scheinbar idyllische Landleben folgt schließlich die überraschende Pointe um den Flüchtling, den sich das Ehepaar beim Willkommenscafé der evangelischen Kirche „ausgesucht“ hat. Nicht bitterböse, nicht mit Zeigefinger – aber intelligent und feinsinnig.

Die Zuschauer im Trifolion danken mit langanhaltendem Applaus.