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Kabarett
Träume, Rabauken und graue Zwerge

 Patrick Salmen liest im Mergener Hof in Trier vor rund 200 Besuchern im vollen Haus.
Patrick Salmen liest im Mergener Hof in Trier vor rund 200 Besuchern im vollen Haus. FOTO: Julia Nemesheimer
Trier. Kabarettist Patrick Salmen las in Trier aus seinem Buch „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ – Die Lacher hatte er auf seiner Seite. Von Julia Nemesheimer

Die Stuhlreihen im Kellergewölbe in der Trierer Rindertanzstraße sind eng gestellt. Die Knie stoßen an den Sitz des Vordermanns. Im Raum des Mergener Hofs sitzen kaum Menschen über Anfang 30, und das ist vermutlich auch gut so. Der 33-jährige Patrick Salmen macht nämlich hervorragende Wortwitze, erzählt mit tiefer Stimme herrlich amüsante Geschichten über Popkultur, gentrifizierte Gesellschaft, Erlebnisse in der Bahn oder auf dem Kinderspielplatz.

Das „Problem“ für Ältere daran ist, dass es sich eben an Gleichaltrige richtet. An junge, im Internet großgewordene Menschen, die fließend ironisch sprechen und die Online-Trends der letzten Zeit direkt miterlebt haben. Sobald man nicht weiß, was Instagram ist oder was mit der „Neuen Achtsamkeit“ gemeint ist, könnte der Abend nur halb so lustig sein.

Für alle anderen – also die Anwesenden – war es ein enorm amüsanter Freitag. Etwa wenn Patrick Salmen über seine persönliche Abneigung zu Namikas Song „Lieblingsmensch“ spricht. Darüber hat er 2016 bereits einen Text geschrieben, der ihm auch einen kleinen Shit­storm einbrachte, wie er schmunzelnd zugibt. Da sich die Popmusik aber noch weiter in geistreichen Bahnen dreht, gibt es für Salmen, dem solche Songs „förmlich den Hypothalamus zerreißen“, entsprechend Material für eine Fortsetzung.

Dieses Mal besucht er ein Konzert von Mark Forster als unfreiwillige Begleitperson und macht mit seinem trocken-sarkastischen Humor seine Beobachtungen zu einem wahren Genuss. Offenbar war aber die Forster-Show nicht das Schlimmste, denn auch Namika hat einen neuen Hit im Radio und strapaziert das Hirn des Patrick Salmen inzwischen mit „Je ne parle pas français“. Die Pointen sind geschickt gesetzt, das Publikum sitzt dauerlachend auf den Stühlen, und bis zur Pause feuert Salmen munter weiter.

„Ich habe eine sehr bildliche Vorstellungskraft und einen leicht kindlichen Humor“, sagt der Autor, der seit 2007 auf Poetry-Slam-Bühnen steht. Genau damit scheint er aber einen Nerv zu treffen. Wenn er von seinen Alltagsbeobachtungen erzählt, etwa einem alten Paar um die 60 in der Bahn, und der Mann zu seiner Frau sagt „Komm mein kleiner grauer Zwerg, wir müssen hier aussteigen“, dann ist das verdammt rührend und lustig zugleich.

Salmen, der dieses Mal vorwiegend aus seinem aktuellen Buch „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ liest, hat das Talent, seine eigene Vorstellungskraft sehr bildlich auch seinem Publikum zu vermitteln. Dass der Mann mit der Baseball-Cap und dem Vollbart dabei auch noch ein sehr sympathischer Zeitgenosse ist, der seine Zuhörer liebevoll Rabauken, Räuber und Mausebär nennt, führt dazu, dass er den Mergener Hof bei jedem Besuch ausverkauft. 200 Besucher sind gekommen, um seinen Ausführungen zu lauschen.

Dazwischen schwingen oft auch ernstere Töne mit – wenn Salmen über Toleranz spricht oder Lyrik aus seinem Band „Zwei weitere Winter“ liest, die durchaus auch politisch sind. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk auf den Geschichten und Wortwitzen, die Salmen liest oder erzählt und damit dem Publikum einen vergnüglichen Abend bereitet.