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Kammerkonzert des Trierer Orchesters in den Vereinigten Hospitien

Musik : Harmonie mit acht Saiten und 88 Tasten

Ein denkwürdiges Kammerkonzert mit Musikerinnen des Trierer Orchesters in den Vereinigten Hospitien.

Endlich wieder Beethoven! Und Brahms! Das mag sich die große Mehrheit der knapp 60 Besucher des ersten Kammerkonzertes des Theaters Trier am Sonntagnachmittag im Römersaal der Vereinigten Hospitien gedacht haben. Die Klassik-Liebhaber sind ausgehungert nach Live-Erlebnissen und mit dem gebotenen Abstand füllt sich der Römersaal, viele Zuschauer behalten bewusst ihre Masken auf den Plätzen an.

Ohne Abstand und Umwege wirkt jedoch die Musik. Zwei berühmte Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (opus 97) und Johannes Brahms (opus 8) stehen auf dem Programm, das gehört zum Besten, was diese Gattung hergibt. Und Lea Kottner-Entchev (Violine), Michaela Herr (Violoncello) und Ketevan Rukadze am Flügel zeigen eindrucksvoll was man aus acht Saiten und 88 Tasten alles herausholen kann.

Rukadze brilliert mit ausgefeilter Technik und tiefem Werkverständnis. So schafft sie es, die akustischen Schwächen des Raumes abzumildern und dem großen Flügel etwas von seiner Dominanz und Lautstärke zu nehmen. Beethovens genialisches Erzherzogstrio (gewidmet seinem Schüler Rudolph von Österreich) aus dem Jahr 1811 — dessen Uraufführung der letzte Auftritt des damals schon fast tauben Komponisten war — findet seinen bewegenden Höhepunkt im dritten Satz; dem von den drei Musikern mit Hingabe und Inbrunst musizierten Andante, in vollkommener Einheit der Harmonie in der Melodiösität.

Brahms Opus 8, in der Ursprungsfassung aus dem Jahr 1854 im jugendlichen Überschwang komponiert, ist eines seiner ersten veröffentlichten Werke und hat im Jahre 1889 eine Überarbeitung durch den gereiften Meister erfahren; quasi die Memoiren des Künstlers an seine eigene Jugend. Hier zeigt sich die Wirkmächtigkeit der musikalischen Emotionen. Einen zarten Schmelz gibt Lea Kottner-Entchev an der Violine dem Allegro mit, perfekt perlende Klavierläufe von Ketevan Rukadze im Scherzo und Michaela Herrs Cello legt den Groove unter das Klavierkonzert.

Ein wahrer Schatz an Musikerinnen, der seit vielen Jahren im Trierer Orchester gereift ist und viel öfter im Licht der Öffentlichkeit gezeigt werden könnte. Das meint auch der frühere Intendant des Moselmusikfestivals, Hermann Lewen: „Schon allein Ketevan Rukadzes Brillanz hat den Besuch gelohnt!“