Konzerte : Satte Klänge, kräftige Farben

Das Kölner Streichsextett hat die Kammermusik-Saison im Trierer Kurfürstlichen Palais eröffnet.

  Was war das für ein warmer, zugleich grundtöniger und obertonreicher Streicherklang!  Schon mit den ersten Akkorden füllte das Kölner Streichsextett den Festsaal im Trierer Kurfürstlichen Palais. Und die Musik, die sie mitbrachten, war genau passend für ein Konzert zum Saisonstart. Sie ist üppig und repräsentativ, dabei nicht überladen.

Frank Bridge hat mit seinem Es-Dur-Sextett eine orchesternahe Kammermusik geschrieben – satt und schwer, mit breiten, weit ausholenden Kantilenen, gelegentlich fast trotzig auftrumpfend und dann wieder mit einem melancholisch reflektierenden Gestus. Und die Kölner haben für diesen echt britischen Stil ein feines Sensorium entwickelt. Nichts Angestrengtes beeinträchtigt den breiten, epischen Fluss dieser Musik. Das Ensemble trifft hellhörig den Tonfall der Komposition: Gewichtig, füllig und stellenweise sehr offensiv der Kopfsatz, verträumt mit einem aufrüttelnden Mittelteil und einem zärtlich verlöschenden Schluss der langsame Satz, entspannt kantabel mit einem sorgfältig vorbereiteten Höhepunkt das Finale. Da ist das viktorianische Zeitalter, da sind Komponisten wie Vaughan Williams oder Edward Elgar ganz präsent.

Dieser Interpretationsstil bewährte sich auch im Scherzo von Gustav Holst, dem Sohn deutscher Einwanderer. Da klang bei den Kölnern deutsche Romantik mit: ein griffiges Fugato, ein delikates Mittelstimmen-Duo, gelegentlich Anklänge an deutsch-romantische Lied-Melodik. Aber auch diese frühe Komposition von Holst hat schon etwas sehr Britisches – etwas Organisches, unforciert Klangsinnliches.  Und die Kölner musizierten all das souverän aus.

Anders freilich stand es mit Schuberts herrlichem C-Dur-Streichquintett nach der Pause. Auch in diesem Werk bewährte sich die Professionalität der Kölner. Mit den ersten, lang ausgehaltenen Akkorden bauen sie für den Kopfsatz eine Art Klang-Raum auf. Das ausladendende Seitenthema singen sie weiträumig aus.

Manchen Takten geben sie eine vibratolose, fahl-zerbrechliche Klangfarbe mit. Und doch: Bei den (jetzt) fünf Musikern klingt das Quintett wie ein Orchesterwerk, das zufällig für fünf Stimmen eingerichtet wurde. Im harten, unvermittelten Zugriff, im dominierenden Fortissimo, im unausgewogenen Gesamtklang mit schrillen Höhen und in stellenweise unpräziser Intonation ging unter, was Schuberts Größe ausmacht. Der Interpretation fehlten die Nuancen. Es fehlte das eigentümlich Schwebende dieser Tonsprache mit ihrer unnachahmlichen Verbindung aus Idyllik und Tragik. Und nach dem überhart musizierten Scherzo wurde das Finale zur angestrengten Tour de force.

Der Schlussbeifall der rund 160 teils jungen Besucher fiel höflich aus, und obwohl nach einem so einzigartigen Werk eigentlich nichts mehr kommen kann, spielten die Kölner noch eine Zugabe.