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Kinderbuch-Empfehlung zum Thema Krieg von ukrainischen Autoren

Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken : Kinderbuch-Empfehlung: Wie der Krieg verständlich im Kinderzimmer ankommt

Zur Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse im Saarland reisen wieder viele großartige Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren an. Unter ihnen auch Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw. Diese beiden renommierten Künstler aus der Ukraine haben schon manches Aufsehen erregende Kinderbuch gestaltet. Nun kommt von ihnen ein Kinderbuch zum Thema Krieg.

Wie erklärt man kleinen Kindern, was Krieg bedeutet? Diese Frage ist uns ja leider wieder nah gekommen. Wer da nun nach einem Buch sucht, das erklärt ohne viele Worte zu machen und zugleich mit großer Kunst die großen Fragen stellt: „Als der Krieg nach Rondo kam“ von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw ist vielleicht eines der besten Bücher, die aktuell zu diesem düsteren Thema erschienen sind. Und ohne Zweifel eines der Schönsten. Das preisgekrönte ukrainische Künstler-Paar hat ein Buch geschaffen, das tief im Inneren berührt und dabei Bilder gefunden, die haften bleiben.

Ein Kinderbuch, das das Thema Krieg in der Ukraine erklärt

Wir lernen die reizende, kleine Stadt Rondo kennen und drei ganz besondere Freunde: Danko, ein herzenswarmes Glühbirnen-Wesen mit Liebe zu allen Pflanzen. Fabian, ein kleiner, pinkfarbener (Luftballon-)Hund voller Forscherdrang. Und Sirka, eine Art weltreisende Papierflieger-Taube. Diese drei überaus zerbrechlichen Wesen bilden sozusagen das Herz der kleinen, schönen Stadt, in der es singende Blumen gibt und das Leben überhaupt sehr grün und friedlich ist. Bis eines Tages der Krieg kommt.

Wenn die dunkelgrauen Panzer durch dieses zuvor so leuchtende Buch rollen, hat man sofort all die zerstörten ukrainischen Städte und Dörfer, Schulen und Gewächshäuser, Wälder und Felder vor Augen. Aber man denkt auch an all die anderen heimgesuchten Länder, an den Jemen, an Afghanistan, an Syrien . . . Immer zackiger und schwärzer werden die Seiten, alles Leuchten erlischt. Auch die drei fragilen Freunde sind schließlich beschädigt. Die schwarzen Blumen der Vernichtung erobern die Stadt.

Aber: Wir sind hier in einem Kinderbuch. Und Kinder darf man nie ohne Hoffnung lassen. Und es ist ja auch ganz ohne Märchenerzählung wirklich so, dass seit Anbeginn der Zeit jeder Krieg am Ende besiegt wurde vom Frieden.

In dieser schönen Geschichte vertreiben die Menschen den Krieg, diesen düsteren Gesellen, durch Licht. Denn selbst der kleinste Lichtstrahl genügt ja, dass Dunkelheit zurückweichen muss. Und wenn alle zusammen leuchten, wird es hell. Rondo wird wieder aufgebaut, mit Gesang und Licht und Blumen. Aber die beiden Künstler verkaufen ihre kleinen Leser nicht für dumm. Die Stadt ist nicht mehr dieselbe. Rondos singende Blumen waren einst lila, rosa, gelb. Auf den letzten Seiten wächst nur noch roter Mohn – jene Blume, die seit dem 1. Weltkrieg als Symbol für die Toten des Krieges steht.

Erfolgreiche Autoren: Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw leben in Lwiw

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw leben in Lwiw und sind europaweit erfolgreiche Kinderbuch-Autoren. Ihre beiden grandiosen, illustrierten Sachbücher „Hören“ und „Sehen“ wurden in viele Sprachen übersetzt. Zu Beginn des Krieges, als Putins Russland ihre Heimat überfiel, flüchteten sie in ein Dorf in den Karpaten. Mittlerweile sind sie wieder in Lwiw. Warum sie in ihr persönliches Rondo zurückgekehrt sind, auch davon wollen sie bei ihren beiden Auftritten bei der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse erzählen.

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw kommen für zwei Veranstaltungen nach Saarbrücken. Am Freitag, 14. Oktoer, 10 Uhr, gibt es eine Lesung für Kinder und Jugendliche (auf ukrainisch/englisch mit Live-Übersetzung). Und um 16 Uhr ist eine Veranstaltung für Erwachsene. Infos und Anmeldung: www.buchmesse-saarbruecken.eu

„Als der Krieg nach Rondo kam“. Von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw. Ab fünf Jahre. Gerstenberg Verlag, 40 Seiten, 16 Euro.