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Kolumne zur Ausstellung zu Seuchen im RPM in Hildesheim

Kultur : Seuchen, einst und jetzt: Kolumne zu einer beeindruckenden Ausstellung in Hildesheim

Diese Ausstellung kommt wie gerufen. Als die medizinischen Ursachen noch unbekannt waren, wurden Krankheiten häufig als Strafe Gottes verstanden. Eine Ausstellung in Hildesheim gibt mitten in der Pandemie Einblick in die Geschichte des Kampfes gegen tödliche Erreger.

Seit Jahrhunderten sterben infolge von Infektionskrankheiten mehr Menschen als bei Kriegen oder Naturkatastrophen. Vor der Corona-Pandemie war dies vielen gar nicht bewusst. Die Ausstellung „Seuchen. Fluch der Vergangenheit - Bedrohung der Zukunft“ erzählt noch bis zum 1. Mai die Geschichte von Krankheiten wie Pest, Ebola oder Aids. Die Besucherinnen und Besucher können im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) unter anderem im nachgebauten ersten Anatomischen Theater von Padua virtuell eine Leiche sezieren.

Bisher hätten etwa 17 000 Gäste die Seuchen-Ausstellung gesehen, sagte Museumssprecher Benjamin Riebsamen. Im Vergleich zu anderen Museen in Deutschland stehe das RPM mit dieser Zahl gut da. Einen Einbruch habe es Anfang Dezember gegeben, als die Coronazahlen hoch gingen und auch geimpfte und genesene Gäste einen Test vorweisen mussten (2G plus). Wer schon eine Auffrischungsimpfung (Booster) erhalten hat, ist von dieser Testpflicht ausgenommen. Die Angebote für eine Führung werden dem Museumssprecher zufolge sehr gut angenommen. Die Ausstellungsmacher beschreiben in der Schau auch Erfolge der Medizin und wollen damit Mut machen. Kooperationspartner des Projekts ist die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Einer anderen Seuche widmet sich das Haus der Geschichte in Wien. Seit seiner Eröffnung 2018 bieten viele Menschen dem Museum Objekte an, die einen Bezug zum Nationalsozialismus haben. Die Ausstellung zeigt anhand von 14 Schenkungen, welche wichtigen Botschaften diese Dinge in der Gegenwart vermitteln können. Gleichzeitig erhebt das Museum in einem interaktiven Teil, welchen Umgang mit NS-Relikten die Besucherinnen und Besucher für angemessen erachten. Vier Objekte, die „vom Keller ins Museum” gewandert sind, wurden für die Ausstellung ausgewählt. Dazu gehören etwa die Bronze-Köpfe, die Adolf Hitler darstellen und erst 2017 bei Sanierungsarbeiten im Keller des Parlaments entdeckt wurden, ein Zelt der Wehrmacht, in dem später Kinder spielten oder auch ein Mikrofon, das Adolf Hitler angeblich für seine „Anschluss”-Rede in Linz verwendete und das lange im ORF-Landesstudio Oberösterreich aufbewahrt wurde.

„Viele Objekte, die wir in dieser Ausstellung zeigen, wirken auf den ersten Blick fast harmlos. Heute erlauben sie uns aber zu zeigen, wie NS-Propaganda bereitwillig verbreitet wurde und extreme Gewalt den Alltag durchdringen konnte. Wie Menschen später und heute mit solchen Objekten umgehen, entscheidet, ob ihre ideologischen Botschaften weiterwirken – oder aber herausgefordert werden. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Diskussion entscheidend ist, nicht die Objekte allein”, sagt Kurator Stefan Benedik.

In den meisten Fällen ist es in Österreich verboten, Gegenstände mit NS-Symbolen zu zeigen. In der Öffentlichkeit sind sie daher selten sichtbar. Am ehesten sind sie in Museen zu finden – oder in den Medien. Wer danach sucht, kann aber einen relativ offenen Onlinehandel entdecken. Auch auf Flohmärkten oder in Antiquariaten werden Gegenstände angeboten, meist jedoch verdeckt. „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum” ist bis zum 9. Oktober zu sehen.

no/dpa