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Theater Trier Bilanz
Weite Wege, hohe Ziele

Auch wenn sich am Trierer Augustinerhof die Dinge erfreulich positiv entwickeln – ganz über den Berg ist das Trierer Theater noch lange nicht. Die Turbulenzen um die Affäre Sibelius waren nur der Spezialfall einer umfassenden Problematik, für die der alarmierende Begriff der Krise keineswegs übertrieben ist. Von Martin Möller

Immer häufiger wird öffentlich oder verdeckt die Existenzfrage gestellt. Und bis heute ist ungeklärt: Wie und unter welchen finanziellen Bedingungen kann es in Trier weiter Theater geben? Da hilft nur eines: Die entschiedene Verankerung von Theater und Konzerten im allgemeinen Bewusstsein von Stadt und Bevölkerung. Auch wer in Trier dem Theater fern steht, muss wissen und erfahren, welch große Bedeutung diese Kultur besitzt. Und daraus die Überzeugung mitnehmen: Ich stehe hinter dieser Kultur, auch wenn ich sie nicht in Anspruch nehme. Das Theater muss ein geistiger Mittelpunkt der Stadt werden. Das Philharmonische Orchester hat es mit seinem Orchesterfest vorgemacht. Es hat die Kinder angesprochen und die Erwachsenen, die  Jungen und die Alten. Und die Zahl der über 1000 Besucher (in zwei Veranstaltungen) gibt den Musikern recht. Gerade in der  Computerzeit 4.0 kann das Theater neu und unverwechselbar sein. In den digitalen Scheinwelten der Gegenwart  hat es Potenzial zum Statthalter des Unmittelbaren, der Nähe, der direkten und spontanen Reaktion, der unvermittelt erfahrenen Wirklichkeit. Nicht Illusion ist ihr Ziel, sondern Realität. Der Weg dorthin ist weit. Aber er lohnt die Mühe.

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