| 17:14 Uhr

Mosel Musikfestival
Die Forelle springt ins  21. Jahrhundert
















Die Pianistin Silke Avenhaus lehrt als Honorarprofessorin an der Hochschule für Musik München. Die Vermittlung klassischer Musik an ein neues Publikum ist ihr ein besonderes Anliegen.
Die Pianistin Silke Avenhaus lehrt als Honorarprofessorin an der Hochschule für Musik München. Die Vermittlung klassischer Musik an ein neues Publikum ist ihr ein besonderes Anliegen.
Trier. Moderne Komponisten aus fünf Ländern führen das berühmte „Forellenquintett“ weiter. Die Uraufführung ist in Trier. Von Martin Möller

Eine Aufführung von Schuberts „Forellenquintett“ ist wirklich keine Sensation mehr. Aber wenn fünf Komponisten aus ganz Europa dieses Werk zum Anlass nehmen, eigene Musik dazu zu schreiben, sieht es schon anders aus. Unter dem Titel „Vollendung und Wagnis“ findet die Uraufführung dieser fünf Kompositionen statt. Welche Idee steht dahinter? TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach dazu mit Silke Avenhaus, Pianistin im ausführenden  Quintett und Initiatorin des Projekts.

Frau Avenhaus, im Trierer Konzert am 2. Oktober steht das „Forellenquintett“ von Franz Schubert im Mittelpunkt. „Forellenquintett“ klingt ja immer etwas nach Nachmittags-Musik. Aber Sie sagen, dieses Konzert sei für Sie eine Herzensangelegenheit. Was haben Sie mit Schubert vor?

SILKE AVENHAUS Ich liebe Schuberts „Forellenquintett“ ganz besonders in seiner Verbindung von Leichtigkeit und Melancholie. Und ich habe fünf Komponisten gebeten, zum langsamen Variationssatz über das Lied „Die Forelle“ Musik zu schreiben, die Schubert gewissermaßen ins 21. Jahrhundert transferiert.

Das heißt, die Neukompositionen sind Musik über Musik?

AVENHAUS Sie führen Schubert weiter, sie kommentieren ihn. Ja  - es sind Kompositionen über Schubert. Und damit ist es Musik über Musik.

Nun gibt es ja durchaus Querbeziehungen von Schubert zur zeitgenössischen Musik – zu  Wolfgang Rihm beispielsweise. Aber was ist gerade an diesem Quintett denn so modern, dass es Ausgangspunkt für mehrfache Kreativität sein soll?

AVENHAUS Also, ich finde, es ist ein zeitloses Werk. Das kann hier  im Spiegel unserer Zeit interpretiert werden.

Zu welcher Richtung gehören  die Komponisten?

AVENHAUS Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern – Ferran Cruixent aus Spanien, Osmo Tapio Räihäla aus Finnland, Gerald Resch aus Österreich; Johannes Schachtner aus Deutschland und Dejan Lazic aus Kroatien. Jeder bringt seinen persönlichen Stil mit.  Das wird dieses Konzert so ungemein spannend machen. Der Titel lautet ja „Vollendung und Wagnis“. Was bedeutet: Es ist riskant, aber gerade für die Hörer auch höchst spannend, Schuberts vollendete Musik so weiterzudenken und weiter zu komponieren, wie es die Fünf getan haben.  Am Dienstag findet in der Trierer Promotionsaula die Uraufführung statt. Wir werden erst das Forellenquintett am Stück spielen und dann die modernen Variationen. In anderen Städten folgen dann weitere Aufführungen. Die sind zum großen Teil schon ausverkauft.

⇥Interview: Martin Möller

Franz Schubert, „Forellenquintett“ und  fünf Kompositionen über Schuberts Werk, Konzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals am Dienstag, 2. Oktober, 20 Uhr, in der Promotionsaula des Priesterseminars Trier. Weitere Informationen auf www.moselmusikfestival.de Weitere Konzerte: 3. Oktober Bad Urach, 4. Oktober Heidenheim, 5. Oktober Bruchsal.

Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets