Konzert: Konzert in Trier: Zwischen zwei Welten

Konzert : Konzert in Trier: Zwischen zwei Welten

Der eine Komponist ist berühmt, der andere unbekannt: Musik von Johannes Brahms und Kurt Atterberg im Trierer Caspar-Olevian-Saal.

Ihrem Stil nach gehören beide zur klassisch-romantischen Epoche. Aber welch ein Unterschied! Es sind Welten, die Kurt Atterbergs C-Dur-Klavierquintett und das große f-Moll-Klavierquintett von Brahms voneinander abheben – bei aller stilistischen Gemeinsamkeit. Einladend, melodiefreudig und offensiv das Quintett des schwedischen Komponisten (1887-1974), vielschichtig, hintergründig und von enormem Reichtum der Brahms.

Kurt Atterberg ist nach einer kurzen Phase europäischer Anerkennung weitgehend vergessen. Zu Unrecht. Die fünf Musiker im Trierer Caspar-Olevian-Saal (Petar Entchev, Lea Kottner-Entchev, (Violinen) Daniel Poschta (Viola) Moritz Reutlinger (Cello) und Martin Bambauer (Klavier) machten sein Quintett op. 31 zu einem Fest der Melodien. Sie spielten die Kantilenen geradezu lustvoll aus. Atterberg ist kein Mann intensiver thematischer Arbeit oder gar komplexer Polyphonie. Seine Musik kultiviert die klingende Oberfläche. Alles richtet sich auf die Melodie. Die Interpreten leuchteten mit ihrer präsenten Spielweise die letzten Winkel der Komposition aus. Das Finale mit dem absichtlich unfertigen Einleitungs-Fugato verbreitete sogar eine Portion Humor. Und weil Atterberg nicht nur mit melodischen Ideen glänzt, sondern auch mit einfallsreichen Begleitsätzen, bleiben Ermüdung oder Langeweile vollständig aus.

Und dann der Brahms. Ja – vielleicht hätten die raschen Sätze noch mehr Intensität vertragen, vielleicht setzten die Interpreten in der Akustik des Olevian-Saals zu sehr auf Klang und zu wenig auf Impulse. Aber das Entscheidende gelingt! Martin Bambauer und die vier Streicher treffen den Tonfall dieser ungemein reichen Kompositionen. Sie geben der dichten Struktur Transparenz, unterscheiden sorgfältig zwischen Haupt- und Nebenstimmen, lassen Melodien singen, ohne sie emotional zu überfrachten. Sogar auf den Fortissimo-Höhen im Kopfsatz bleibt ihr Pathos verhalten und voll leiser Distanz. Etwas Reflektierendes, Distanzierendes, Philosophisches war dabei. Und dazu eine Vielzahl von Stimmungen – von energischer Dramatik bis zu schwebenden, absichtlich vagen Klangmischungen. Wunderbar! Helle Begeisterung unter den knapp 100 Besuchern.

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