Konzert von Jordi Savall und Ensembles in Luxemburg

Konzerte : Das todernste Jahrhundert

Jordi Savall und seine Ensembles erinnern in Luxemburg an die Zeit von Kaiser Karl V.

Das berühmte Gemälde von Tizian zeigt ihn hoch zu Ross, in voller Rüstung nach der siegreichen Schlacht über die Protestanten bei Mühlberg an der Elbe: Kaiser Karl V. Der Kämpfer für die deutsche Reichseinheit, der Beschützer der heiligen katholischen Kirche, der entschiedene Gegner von Luther und der Reformation. Und  der Förderer der Expansion seiner spanischen Heimat in Übersee. Aber der Glanz, der ihn auf Tizians Bild umgibt, ist nicht schrill und demonstrativ, sondern gediegen und verhalten. Und Karls Mimik ist überaus ernst.

Jordi Savall mit seinen Ensembles „Hesperion XXI“ und „Capella Reial de Catalunya“ haben in der Luxemburger Philharmonie vor gut 1000 Besuchern mit der Musik aus der Zeit Karl V. auch ein Porträt des Kaisers gezeichnet und zugleich ein klingendes Bild seiner Epoche.

Es ist eine reiche und zugleich strenge Musik, eine Musik zwischen militärischer Drastik und feinsinniger Intimität. Savalls Formationen beherrschen beides perfekt, die starken Fanfarentöne der Bläser und die sanften Klänge der Gamben. Wer der Spur folgt, die diese Ensembles vorzeichnen, der erlebt den monarchischen Glanz von Josquins „Königsfanfare“ ebenso intensiv wie die tiefe Abschiedstrauer in seinem berühmten Chanson „Mille regretz“.

Das Programm verbindet Musik mit den Lebensstationen Karls – darunter der Abschluss der christlichen Reconquista in Spanien 1492, die Ausweisung der Juden im selben Jahr, Karls Geburt 1500, die Schlacht von Pavia 1525, die Hochzeit Karls mit Isabella von Portugal, die entsetzliche Plünderung „Sacco di Roma“ 1527, die Schlacht von Mühlberg 1547 und schließlich die Abdankung. Sie ist ein Porträt der Epoche – hochfahrend, gewaltsam und doch demütig und bescheiden. Den Menschen war bewusst, dass ihre Existenz endlich und zerbrechlich war.

Dabei ist es faszinierend zu beobachten, wie nah sich scheinbar gegensätzliche Stile stehen, wie sich aus dem Simplen etwas Hochkomplexes entwickeln kann. Exemplarisch Ludwig Senfls Liedsatz „Fortuna desperata“ – „Tollkühnes Schicksal“ gleich zu Beginn. Die Melodie stammt nicht von Senfl und war damals weit verbreitet. Die Sängerinnen und Sänger der „Capella“ intonieren sie einstimmig. Und dann entfaltet sich aus der Einstimmigkeit heraus ein herrlicher fünfstimmiger Satz. Karl hat die Musik seiner Zeit wohl persönlich vorgelebt. Nach dem Scheitern seiner Politik tritt er  1556 zurück und lebt fortan im kastilischen Kloster San Jerónimo de Yuste. Dort stirbt er 1558.

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