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Konzerte
Das Leben geht weiter

Helen Schneider beim Picknick-Open-Air in Bernkastel-Kues, wo sie auch einiges über ihr Leben erzählt. Am Kontrabass: Oliver Potratz. 
Helen Schneider beim Picknick-Open-Air in Bernkastel-Kues, wo sie auch einiges über ihr Leben erzählt. Am Kontrabass: Oliver Potratz.  FOTO: Christina Bents
Bernkastel-Kues. Helen Schneider überzeugt beim Picknick-Open-Air des Mosel Musikfestivals. Von Christina Bents

Es gibt Musiker, die kaum auf der Bühne stehen, die ersten drei Töne gespielt oder gesungen haben, und überzeugen, weil ihre Musik direkt in die Herzen der Besucher geht. Eine davon ist sicherlich Helen Schneider. Die vielseitige Musikerin, die schon mit Udo Lindenberg, Hildegard Knef und Till Brönner gearbeitet hat, präsentierte beim Mosel Musikfestival in Bernkastel-Kues open air mit ihrem Gitarristen Jo Ambros und Kontrabassist Oliver Potratz ihr neues Album „Movin` On“, ihr 17.

Und sie zeigte gleich mit „Slippery slope of life“, wie einfühlsam und facettenreich ihre Musik ist. Ein tiefes, leichtes Vibrato auf den längeren Tönen, gehauchte Worte und dazu leichte Rhythmen, die auch mal Tempo aufnahmen, von Kontrabass und Gitarre: sehr passend für einen warmen Sommerabend direkt an der Mosel. Die Musik ist eine Mischung aus Folk, Jazz, Blues und ein wenig Rock, Pop.

Die Songs bestechen durch ihre sparsame und dennoch effektvolle musikalische Umsetzung. Inhaltlich geht es Helen Schneider darum, wie man mit den Problemen des Lebens und des Älterwerdens umgehen kann, also Themen, in denen sich die Zuhörer wiederfinden können. In „Haze“, einem gefühlvollen, rhythmisch sehr leichtfüßigen Stück, beschreibt sie, wie man mit den kleinen Missstimmungen des Alltags umgehen kann. Zwischen den einzelnen Songs erzählt sie aus ihrem Leben, von ihrem humorvollen, klugen und immer politisch aktiven Vater.

Dazu hat sie die ein oder andere Anekdote parat.  Als ihr Vater beispielsweise von einem Arzt gefragt wurde, wie der aktuelle amerikanische Präsident heißt, antwortete er: „Ich weiß seinen Namen nicht, aber ich weiß, dass er ein Arschloch ist.“ Sie erklärt: „Das war zu Zeiten, als Georg W. Bush Präsident war.“ Dazu gab es dann das Stück „What would you do in my place?“, das sich auf die aktuelle Situation, in Amerika bezieht, auf die viele Menschen keine Antwort haben. Dafür gab es von den 250 Besuchern einen extrastarken Applaus.

Persönlicher wurde es mit den Liedern, die sich mit den Verlusten von Helen Schneider auseinandersetzten. Da sind beispielsweise „Now I know“ oder „Come back home“, in denen sie sich mit dem Verlust eines Mannes auseinandersetzt, mit dem sie 40 Jahre zusammen war. Schwermütig und mit viel Trauer in der Stimme fragt sie „Warum bist du gegangen?“ Zu sanften, lang gestrichenen Basstönen, zurückhaltend von der Gitarre begleitet, singt Schneider klar, manchmal haucht sie die Worte, und schließlich klingt es sanft aus. Nach diesem sehr berührenden Song geht es positiver weiter. Fröhliche, tänzerische Stücke, die an Folk oder die Sänger-Songwriterstimmung der 60er Jahre erinnern, folgen. Schade nur, dass ihre Erklärungen und Erzählungen manchmal etwas lang ausgefallen sind, was die Spannung des Abends manchmal abfallen ließ.

Ihre Mitmusiker Jo Ambros und Oliver Potratz lassen ihre Musik mit dem Gesang von Helen Schneider verschmelzen. Sie sind dezent, aber sie unterstützen rhythmisch und harmonisch, wobei manchmal reduzierter oder auch dichter instrumentiert ist, je nach Stimmungslage des Stücks. Die kann auch mal ein wenig rockiger werden, wie in „Satisfaction ’s never guaranteed“, denn schließlich hat Helen Schneiders Karriere auch einige erfolgreiche Jahre als Rocksängerin aufzuweisen.

Nach der zusammenfassenden Botschaft des Abends, das Loslassen zu lernen, „Movin On“, erklatschte sich das Publikum noch eine Zugabe.