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Kult-Zauberladen aus Saarbrücken: Warum er nach 23 Jahren schließt

Saarbrücken : Nach 23 Jahren: Aus für einzigen Zauberladen in Südwestdeutschland

Eine traurige Nachricht – nicht nur für Zauberer: Der einzige Zauberladen Südwestdeutschlands muss nach 23 Jahren erfolgreicher Geschichte schließen. Ein Rückblick auf die ereignisreiche Geschichte des Kult-Geschäfts in Saarbrücken.

Alles begann vor rund 27 Jahren, als der Lehrer und Theaterpädagoge Herbert Loskill Theaterkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gab. Insbesondere in den Erwachsenenkursen sei damals die Frage aufgekommen, woher man Theatermaterial bekommen könne. „Irgendwann habe ich mir das Material in den Keller gelegt und mir einen Gewerbeschein geholt“, erinnert sich Loskill. Damit war der Grundstein für den „Fachhandel für Spiel- und Theaterbedarf“ gelegt, den Loskill gemeinsam mit seiner Bekannten und ehemaligen Ladeninhaberin Elke Hoffmann-Argast viereinhalb Jahre später (1999) am Homburg in Saarbrücken gründete. Hoffmann-Argast brachte die Erfahrung im Einzelhandel mit, Loskill die Expertise in den Bereichen Zirkus und Theater.

Zauberladen in Saarbrücken erlangt schnell großen Bekanntheitsgrad

Auch wegen der guten Vernetzung Loskills in der hiesigen Zirkusszene erlangte der Laden schnell einen hohen Bekanntheitsgrad. Als Mitgründer der Zirkusschule Kokolores engagierte sich Loskill aus dem Geschäft für den Kinder- und Jugendzirkus: „Wir geben besondere Rabatte und zählen als Sponsor für die Zirkusschule.“ Zudem gehörten weitere Zirkusgruppen aus der Großregion zu den Kunden. „Die gesamte Kinder- und Jugend-Zirkusszene aus dem Saarland ist gerne zu uns gekommen“, berichtet Hoffmann-Argast. Über die Szene hinaus wurde das Fachgeschäft besonders bei Kindern schnell populär; sie waren es auch, die dem Zauberladen seinen Namen gaben.

Mit zunehmender Nachfrage und wachsendem Kundenkreis erweiterte sich auch das Sortiment des Zauberladens: „Am Anfang hatten wir drei Bereiche: Zirkus, Theater und das, was wir ‚Fuppes und Geschenke‘ nennen. Dann haben wir Bastel- und Künstlerpapiere hinzugenommen, der Bücherbereich ist gewachsen“, erklärt Loskill. Außerdem hatte der Zauberladen „Verlagsvertretungen für pädagogische Literatur“, die letzte Sortiment-Ergänzung waren „Fahrradteile und Liegeräder“.
Einhergehend entwickelte sich der Zauberladen zur Veranstaltungsbühne für Bandauftritte, Lesungen und – Nomen ist schließlich Omen – natürlich Zaubershows. Besonders in Erinnerung geblieben seien die drei Harry Potter-Events, die Hoffmann-Argast und Loskill im Zusammenhang mit den Buchveröffentlichungen der Reihe organisierten. Damals, Anfang der 2000er Jahre, haben sie eine Lesung im Laden veranstaltet sowie „in und an der Grundschule ein großes Harry Potter-Event, Zelte und die verschiedenen Räume der Zauberer-Schule Hogwarts aufgebaut. Daran denken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch heute mit Begeisterung“, sagt Loskill.

Was kann man im Zauberladen kaufen?

Für Zauberei-Begeisterte hält der Zauberladen jedoch weitaus mehr bereit als Literatur: „Wir haben zwei Bereiche für Zauberei hier im Laden. Einmal vorne den offenen Bereich mit Zauberkästen und kleineren Tricks, und hinter dem Vorhang – in Koffern abgeschlossen – das Profi-Zaubermaterial. Das öffnen wir nur für Profi-Zauberer“, erklärt Loskill.

„Meistens kannten wir die Leute. Oder sie kamen rein und haben speziell nach einem Trick gefragt, von dem sie nur wissen konnten, wenn sie sich auskannten“, erklärt Hoffmann-Argast. Bei Zweifeln an der Zauberer-Qualifikation habe man das „im Gespräch geklärt“, sagt Loskill.

Warum muss der Zauberladen in Saarbrücken jetzt schließen?

Ansonsten waren die Produkte für jeden zugänglich ­– aber nicht immer für jeden geeignet. „Wir haben diverse Hochseilanlagen und Trapeze verkauft“, auch „Seiltanzgerüste“ und „große Laufkugeln“ waren dabei, sagen Hoffmann-Argast und Loskill. Für Zirkusgruppen boten sie eine umfassende Ausstattung an und vermieteten sogar Zirkuszelte.

Etwa zwei Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie fassten Hoffmann-Argast und Loskill, die den Laden nebenberuflich führten, dann den Entschluss: Altersbedingt möchten sie ihre aktive Zeit im Zauberladen beenden. Sofort begannen die beiden mit der Nachfolgersuche. „Es gab eine ganze Reihe von Leuten, die Interesse hatten; aber viele hatten sich nicht die Gedanken gemacht, dass ein schönes Geschäft mit viel Arbeit und Verwaltung zusammenhängt und Investitionen braucht“, erklärt Loskill.

Bislang ist kein Nachfolger gefunden, weswegen Hoffmann-Argast und Loskill bereits ab April mit dem Ausverkauf begannen. Dabei schien der Zauberladen finanziell weiterhin gut zu funktionieren: „Der Zauberladen hat überhaupt keine Schwierigkeiten, obwohl Corona natürlich eine große Einschränkung war. Es könnte hier jemand wunderbar weiterarbeiten“, sagt Hoffmann-Argast.

Die Nachfolgersuche ist noch nicht endgültig beendet, aber „wir haben eigentlich die Hoffnung aufgegeben“, sagt Hoffmann-Argast: „Ausgezaubert!“, heißt es in der letzten Pressemitteilung des Ladens. Auch die Kunden sind traurig über die Ende Juni anstehende Schließung, finden es „schrecklich“ und „sehr, sehr schade“, in Zukunft nicht mehr den „Laden ihrer Kindheit“ besuchen zu können. „Der Zauberladen war eine Institution für viele Leute vom Homburg“, meint Hoffmann-Argast.
„Ich habe mich innerlich lange gegen die Schließung gewehrt“, sagt Loskill. Inzwischen habe er sich daran gewöhnt, „dass das zu Ende geht“, und versuche nun, gemeinsam mit Hoffmann-Argast, die Bestände und das Inventar zu verkaufen. Sie möchten möglichst wenig wegwerfen müssen, doch die Suche nach Ankäufern gestalte sich ebenfalls schwierig. Zunächst beschäftige sie die anstehende Arbeit, „dann sind wir bestimmt traurig – es war eine tolle Zeit!“, resümiert Hoffmann-Argast.