Kulturbüro-Chef Thomas Thiel über das Trierer Exhaus und seinen Job

Serie Kulturmacher : Kulturbüro-Chef Thomas Thiel über das Trierer Exhaus und seinen Job

Im alternativen Jugendzentrum Exhaus in Trier warten derzeit viele ungewöhnliche Aufgaben auf Thomas Thiel. Wie der Leiter des Kulturbüros zu dem Job kam und warum er trotzdem weitermacht, erzählte er dem TV.

Es war ein harter Schlag in die Magengrube. Morgens um 8.30 Uhr an einem Donnerstag kam die Hiobsbotschaft für das Exhaus: Jegliche Aktivitäten müssen unverzüglich eingestellt werden, das gesamte Haus geräumt werden. Denn bei den Bauarbeiten zur Herstellung von heutigen Brandschutzstandards wurde klar, das alte Gemäuer ist hochgradig einsturzgefährdet. Nur zwei Tage vorher wirkte der Leiter des Kulturbüros, Thomas Thiel, dank der voranschreitenden Bauarbeiten ausgesprochen positiv gestimmt, dass bald schon wieder Veranstaltungen in vollem Umfang im Exhaus stattfinden würden.

Bei einem zweiten Termin stapeln sich im ohnehin schon provisorischen Kulturbüro die Umzugskartons. „Wir wissen noch nicht genau, wo wir hinkommen. Momentan versuchen wir, alle in der Geschwister-Scholl-Schule unterzubringen, damit wir auch räumlich zusammenbleiben können“, erzählt Thiel.

Die einzelnen Abteilungen des Vereins hängen im Endeffekt auch am Kulturbüro – darunter der Kinderhort, die Medien- und Jugendarbeit so wie viele Projekte. „Wenn wir keine Veranstaltungen machen, die auch ein wenig Gewinn abwerfen, wird es für die anderen klamm“, berichtet der 39-Jährige.

Vieles in der Jugendarbeit sei finanziert, aber noch lange nicht alles. Um das Angebot so aufrechtzuerhalten, wie es sich bisher gestaltet hatte, sei es notwendig, so schnell wie möglich einen alternativen Veranstaltungsort zu finden. „Nicht nur die Finanzierung hängt daran, auch unsere Planung, schließlich werden Konzerte nicht zwei Wochen vorher gebucht, sondern schon Monate im Voraus. Und in Trier selbst kommt es auch sehr auf Kontinuität an. Wenn wir über mehrere Jahre nichts mehr im Exhaus anbieten können – wer kennt uns denn danach noch?“, meint Thiel.

Die aktuell wichtigste Baustelle seien, neben den bevorstehenden Umzügen und der Suche alternativen Räumen, die bereits gebuchten Konzerte. „Wir haben mit dem Mergener Hof und Lucky‘s Luke zum Glück extrem gute und hilfsbereite Partner gefunden, auch wenn die bereits geplanten Konzerte mit der neuen Raummiete, Unterkunft für die Musiker und einigem mehr deutlich teurer werden als zuvor“, zeigt sich der Kulturbüro-Chef dankbar, aber auch mit besorgtem Blick auf die Zukunft.

Und für den Veranstaltungskaufmann bedeutet das noch mehr Probleme und Schwierigkeiten. „Aktuell sind wir alle ziemlich ratlos, wie genau es weitergeht, auch wenn wir gemeinsam mit der Stadt auf der Suche nach Ersatz sind“, berichtet er. Besonders wichtig sei es auch, einen anderen Ort für bereits gebuchte Sommerveranstaltungen zu finden. „Bei Vertragsbruch sind die Summen, die von den Bands verlangt werden, teilweise schwindelerregend“, erzählt Thiel.

Mit seinem eigentlichen Job hat das alles weniger zu tun. Denn der ist es, das Exhaus mit kulturellem Leben zu füllen. Konzerte mit Musik aus unterschiedlichen Genres ebenso wie Partys und Festivals auf der Sommerbühne im Innenhof oder Flohmärkte und andere Veranstaltungen zu organisieren. Den Künstlern wie Gästen möchte er einen angenehmen Abend bieten. „Wenn am Ende alle zufrieden nach Hause gehen, gibt mir das enorm viel“, sagt Thomas Thiel. Überhaupt kam er erst über Umwege zu seinem jetzigen Job, der viel abverlangt. „Normale Arbeitszeiten sind hier eher Wunschdenken. Aber ich bin das gewöhnt, daher macht mir das nichts aus“, sagt Thiel grinsend. Dass man in der Veranstaltungsbranche ungewöhnliche Arbeitszeiten habe, sei eben von vorneherein klar. „Ich bin froh, wenn ich nach Konzerten gegen zwei Uhr nach Hause komme. Dafür fange ich aber auch etwas später an am nächsten Tag“, meint er. Dass sei nicht immer so gewesen, oft habe er sich auch nach Feierabend noch Arbeit mit nach Hause genommen, inzwischen könne er aber besser abschalten. „Es ist wichtig, dass man das trennt und einen Schlussstrich zieht“, fasst er zusammen.

Tatsächlich fing es für ihn ganz anders an. Ab 1996 absolvierte er eine Ausbildung zum Heizungsbauer. Doch schien das nicht das Richtige für den Rest des Lebens zu sein, weshalb er seinen Realschulabschluss nachholte und auf die Technikerschule ging. Aber auch als Heizungsbautechniker fühlte er sich nicht wohl, weshalb er dies wieder abbrach. Stattdessen begann er in der Gastronomie und arbeitete lange Jahre hinter der Theke.

Erst mit 30 Jahren erhielt Thomas Thiel durch Zufall die Möglichkeit, sich zum Veranstaltungskaufmann ausbilden zu lassen. Zunächst im Chat Noir im Trierer Kasino am Kornmarkt, nach dessen Insolvenz bis zum Abschluss der Ausbildung beim großen regionalen Veranstalter Popp Concerts. „Danach habe ich einige Stationen durch, und irgendwie hat es mich immer in Trier gehalten. Mein Freundeskreis war hier, und viele andere Faktoren lassen einen dann doch hier bleiben, auch wenn ich ab und an mal raus wollte“, blickt der Kulturbüro-Chef zurück.

Besonders mit der Luke, dem Independent-Club an der Römerbrücke, der in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert, verbindet ihn viel. Hier stand er nächtelang hinter der Theke, sorgte aber am DJ-Pult auch für die passende Musik. „In der Luke gab es früher oft Konzerte, daher hab ich das irgendwann wieder in die Hand genommen und angefangen, Live-Veranstaltungen zu organisieren“, erzählt Thiel. Dabei gab es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Gigs, vor allen Dingen aber viel Erfahrung.

2017 wechselte er dann zum Exhaus und übernahm zunächst die Organisation der Veranstaltungen in der inzwischen geschlossenen ExRakete am Domfreihof, später die Leitung des Kulturbüros. Inzwischen hat er seinen Ausbilderschein gemacht und stemmt die täglichen Aufgaben gemeinsam mit dem Azubi Fabian Sinh Schmand und seinem langjährigen Kollegen Rino Dzur. Aufgeben möchte er seinen Job auf keinen Fall – trotz all der Widrigkeiten und aktuellen Probleme des Exhauses. Stattdessen setzt er seine Hoffnungen in mögliche Alternativen und arbeitet intensiv daran, das Jugendzentrum am Leben zu halten.

Julia Nemesheimer

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