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Kunstwerk der Woche: Ulrike Stolze

Kunstwerk der Woche : Sich in der Zeichnung öffnen

Gemeinhin gilt die Zeichnung als die intimste Äußerung Bildender Künstler. Wer Ulrike Stolzes Tusch- oder Grafitzeichnungen betrachtet, kann das nachvollziehen. Und auch die Bitburger Künstlerin bestätigt: „In der Zeichnung gebe ich am meisten von mir preis.“

Die in der Eifelstadt geborene Grafikerin, die heute noch dort lebt, vergegenwärtigt in ihren Arbeiten eine absolut eigenständige Position, die sie konsequent und mit eindrücklichem technischen Können weiterentwickelt. Dennoch erweckt auch Ulrike Stolzes Werk beim Betrachter kunst-und geistesgeschichtliche Assoziationen.

Allein beim Anschauen der Arbeiten auf ihrer Website mit den ebenso feinen wie skurrilen Tierzeichnungen, fühlt man sich in die fantastische belebte Welt der Spätromantik versetzt, in anderen Arbeiten sogar in ihre nachtschwarze. Der feine Strich, die Linie ist das Grundelement jeder Arbeit von Ulrike Stolze. Mit ihr schafft sie Umriss und Gestalt. Aber mit Hilfe der Linie seziert sie auch ihre Motive, legt Charaktere und Seelenleben frei.

Das gilt ganz besonders für ihre Menschenbilder. Seit sie – wie sie berichtet – das wasserlösliche Grafit entdeckt hat, soll heißen die Möglichkeit, die strenge gezeichnete Linie zu verwischen und in die Fläche aufzulösen, ist zum Lineament die malerische Qualität gekommen.

Menschenbilder sind ein zentrales Motiv im Werk der Künstlerin. „Natürlich setze ich mich mit dem Menschsein auseinander“, bestätigt die Grafikerin. Bei der Formulierung zögert sie einen Moment. Womöglich könnte das allumfassende „Menschsein“ zu pathetisch klingen.

Pathos oder Theatralik sind ihr Ding nun wirklich nicht, im Leben nicht und nicht in ihrer stillen feinsinnigen Kunst. Manchmal wirkten Menschen auf sie fremdartig und unverständlich, berichtet die Künstlerin. Auch die Personen und faszinierenden Gesichter ihrer Zeichnungen, die in sich hineinzublicken scheinen, ohne den Betrachter aus dem Auge zu verlieren, haben etwas Fremdes, Weltabgewandtes, zuweilen Leidvolles. Sie scheinen mit ihrer Geschichte allein auf sich gestellt.

Seit einiger Zeit hat die Künstlerin, die an der Hochschule Trier Kommunikationsdesign und Buchgestaltung studierte, die Radierkurse im Haus Beda von Ursula Hülsewig übernommen. Die gemeinsame Arbeit in der Radierwerkstatt mit ihren älteren und jüngeren Kursteilnehmern und -teilnehmerinnen macht ihr Freude. Gerade von jungen Leuten kämen notwendige frische Impulse. Eben solche Impulse wie Kontakte hatten der Künstlerin, wie vielen anderen Menschen, während der strengen Kontaktbeschränkungen der Pandemie gefehlt.

Ulrike Stolzes Ausstellungsbiografie ist inzwischen lang. Demnächst will sie in einer Galerie in Pronsfeld an einem Projekt teilnehmen, das sich ausschließlich an Künstlerinnen richtet. „Das macht mir Freude.“ Eva-Maria Reuther

Kontakt: ulrike.stolze.de