Ausstellungen: Leichtfüßige Luftikusse

Ausstellungen : Leichtfüßige Luftikusse

Die Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen eröffnet  ihre 62. Jahresausstellung. Kaiser-Lothar-Preis für Bildhauer Martin Schöneich.

Als europäische Gemeinschaft der Werte und der grenzüberschreitenden Freundschaft hat der neue Präsident  der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK), Gerald Keßler, am Samstag bei der Eröffnung ihrer traditionellen Jahresausstellung in Prüm die Kunstvereinigung gewürdigt.

Keßlers Einschätzung ist ihm Programm. Die EVBK  müsse eine starke Gemeinschaft sein, in der einer den anderen unterstütze. „Une communautè de valeur“, rief der Nachfolger von Marie-Luise Niewodniczanska den französischsprachigen Gästen  der Vernissage zu. Wie solche Freundschaft praktisch gelebt werden soll, ist für den Kunstvereinschef klar. „Die EVBK will künftig wieder mehr Netzwerker sein“, erklärte Keßler. Neben dem gemeinschaftlichen Austausch soll die  Vernetzung mit Kunstakademien und die Förderung junger Künstler vorangetrieben werden.

Als eine Ehre für die Stadt Prüm bezeichnete Beigeordnete Christine Kausen in Vertretung des Prümer Stadtbürgermeisters Johannes Reuschen die alljährliche EVBK-Leistungsschau und die Vergabe des Kaiser-Lothar-Preises. „Prüm und die EVBK gehören zusammen“, sagte die Kommunalpolitikerin.

Gemeinsam mit Keßler überreichte sie den Kaiser-Lothar-Preis 2019  an den pfälzischen Bildhauer Martin Schöneich. In einer sehr persönlichen  Rede blickte die scheidende Präsidentin und neue Ehrenvorsitzende Marie-Luise Niewodniczanska auf ihre Amtsjahre zurück: „Das Amt der EVBK-Vorsitzenden hat mir viel Arbeit, aber auch viel Freude gemacht.“  Einmal mehr forderte sie die Einrichtung einer angemessenen Galerie für die Kaiser-Lothar-Preisträger in Prüm. Keßler dankte seiner Vorgängerin und überreichte im Namen der EVBK als Abschiedsgeschenk einen Farbholzdruck des belgischen Künstlers Jacques Thannen.

Rund 130 Künstler hatten sich mit Arbeiten für die 62. Auflage der Jahresausstellung beworben, 82 davon wählte die Jury aus. Im Kreuzgang und Festsaal  der ehemaligen Abtei präsentiert sich jetzt eine Ausstellung, die zwar bunt, aber keinesfalls breit ist und bei der im Vordergrund offensichtlich Freude am künstlerischen Schaffen, Begegnung und Gemeinschaftserlebnis stehen.

Die große Mehrheit der Arbeiten bilden abstrakte Gemälde in Öl, Acryl oder als Mischtechnik. Zu sehen ist etwas Grafik und wenige bildhauerische Arbeiten, unter denen allerdings zahlreiche überzeugen.  So wie die klaren Skulpturen von Christoph Mancke, das sommerlich leichte Ensemble von Werner Bitzigeio im Hof, die fragile KlangInstallation von Bernd Bleffert oder die lyrischen „Durchblicke“ von Maria Spaniol aus Ton.

Mit Martin Schöneich, der seit langem bei der EVBK ausstellt, hat die Vereinigung einen überaus würdigen Preisträger, der sich mit traditionellen bildhauerischen Themen befasst, wie der Auseinandersetzung mit der Masse oder Licht und Schatten. Seinen in der Ausstellung gezeigten  Skulpturen liegt eine klare Architektur geometrischer Formen  zugrunde, die der Künstler dreht, windet und verwindet, die er, Akrobaten gleich, auf einen oder mehrere Punkte setzt, um augenscheinlich ihr Gewicht aufzuheben und ihnen  Leichtigkeit zu verleihen.

 Während Schöneichs Arbeiten aus Eisenguss ihre massige kompakte Anmutung behalten, sich verfugen und zuweilen in sich selbst zurückziehen, sind seine farbig gefassten Holzskulpturen wahre Luftikusse, licht, leichtfüssig, grazil, anmutig im Schattenwurf. Sie passen perfekt in den barocken Festsaal. Unter den Gemälden fällt Marion Anna Simons „Mutter mit der orangen Decke“  und Anna Reckers Mischtechnik „Seltsame Vögel“ auf sowie Jan Crés subtiles Aquarell „Not –an“. Albrecht Wien legt eine stille, stimmungsvolle Eifellandschaft vor. Die Katze als eigenwilligen Einzelgänger präsentiert Dany Prüms Triptychon. Ausgesprochen mager ist die Fotografie vertreten. Ins Auge fällt Helmut Thewalts Betrachtung von Rebstöcken.

Was auch diese Ausstellung einmal mehr zeigt, ist die dringende Notwendigkeit, sich neuen zeitgenössischen Positionen und Sichtweisen zu öffnen und  künstlerische Risiken zu wagen. Ohne Frage bleibt die grenzüberschreitende Begegnung das zentrale Anliegen der Initiative EVBK. Zudem ist die Ausstellung ein verdienstvolles Angebot angesichts des gnadenlosen Kunstmarkts. Es fehlt dieser Schau aber ganz gehörig an progressiver Frische und zeitgenössischer Weltsicht.

Die scheidende Präsidentin Marie-Luise Niewodniczansk mit Nachfolger Gerald Keßler (/rechts) und EVBK-Geschäftsführer Georg Sternitzke. Foto: Reuther/Eva-Maria Reuther

Die Ausstellung ist bis 4. August täglich von13.30 bis 18 Uhr zu sehen. Mehr dazu im Internet unter www.EVBK.org. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen

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