Leistungsschau mit wenig Elan: Die Stadt Trier hat den Ramboux-Preis 2018 vergeben.

Kultur : Leistungsschau mit wenig Elan

Junge Kunst: Die Stadt Trier hat den Ramboux-Preis 2018 vergeben.

„Mein Ding ist die Malerei“ , sagt Eilike Schlenkhoff. Für ihr malerisches Werk wurde die 1984 in Herne geborene und in Bitburg aufgewachsene Künstlerin am Sonntag im Trierer Simeonstift mit dem Ramboux-Preis 2018 der Stadt Trier ausgezeichnet. Das Stadtmuseum hat den Wettbewerb ausgerichtet. Mit dem Preis ist ein Ankauf des Museums von Werken der Künstlerin im Wert von 6000 Euro verbunden sowie eine Einzelausstellung dort. Schlenkhoff, die sich unter rund zwanzig Bewerbern durchgesetzt hat, überzeuge durch ihre malerischen und inhaltlichen Aussagen, begründete die fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Gabriele Lohberg ihren Preisentscheid. Tatsächlich setzt sich die heute in Wuppertal lebende Künstlerin, wie die Ausstellung zeigt, mit großer Konsequenz mit ihrem Medium auseinander. Dabei fußt sie unmittelbar in der Klassischen Moderne. Intensiv reflektiert sie die Möglichkeiten der Malerei wie Illusionierung, Verräumlichung von Farbe und Fläche oder Erweiterung des Bildgegenstandes durch Schattenwurf. Allerdings bleiben zahlreiche der gezeigten Arbeiten Fingerübungen.

Angesichts der übrigen Arbeiten ist der Preisentscheid der Jury nachzuvollziehen. Was  die übrigen sechs Mitglieder der Wettbewerbsausstellung vorweisen, ist wenig überzeugend und auch nicht originell. Der 1988 in Trier geborene David Ebner bezieht sich auf Joseph Beuys. Sein Anspruch bleibt Programm. Was in Trier bedeutungsschwer daherkommt, wirkt lediglich geschmäcklerisch. Überhaupt ist ein Großteil der Werke inhaltlich überfrachtet, gestalterisch dagegen extrem leichtgewichtig, wie die Installation „Manchmal an Regentagen“ der 38-jährigen Bitburgerin Tina Dunkel, die heute in  Dortmund arbeitet.

Zumindest den notwendigen kritischen Diskurs regt Nikolas Müllers Video zum Umgang mit psychisch Kranken an. Seine Landschaft „Guten Morgen. Wie geht es Ihnen“ ist trotz einiger verstörender Elemente dagegen viel zu schön, um (wie es der Künstler beabsichtigt) schrecklich wahr zu sein. Völlig banal kommen Sandra Tröschs „Luftschlösser“ am Kleiderbügel und ihre „Balance“-Serie mit Schneekugel-Feeling daher. Da überzeugen noch eher ihre „Nebel-Bilder“. Extrem epigonal sind Esther Wiswes bildhauerische Arbeiten. Ein „Déjà vu“ hat man auch bei Kerstin Mörschs Hell-Dunkel-Gemälden.

Der alle vier Jahre ausgeschriebene Förderpreis für junge Künstler unter 40 aus Trier oder der Region sei eine gute Gelegenheit, das Kunstgeschehen im Bereich Junger Kunst zu sichten, sagt Elisabeth Dühr, die Direktorin des Simeonstifts.  Außerdem könne man so durch Ankäufe die hauseigene Sammlung aktualisieren. Der Preis sei eine „wunderbare Einrichtung“ im Rahmen der Kulturförderung, pflichtet ihr Triers Kulturdezernent Thomas Schmitt bei. Ohne Frage ist die nach dem Trierer Maler und Grafiker benannte Auszeichnung ein wichtiges Instrument der städtischen Kulturförderung. Einmal mehr stellt sich allerdings nach dieser blassen Schau die Frage, was eigentlich Junge Kunst ist und welches ihre Kriterien sind – abgesehen von der Alterszugehörigkeit. In der Ausstellung ist jedenfalls wenig von jugendlichem geistigen oder gestalterischen Elan  zu erkennen. Skepsis, Widerstand  und freier Diskurs seien seit Jahrtausenden das Kennzeichen europäischer Kultur, äußerte dieser Tage ein Tübinger Literaturwissenschaftler. Mehr davon täte auch dieser Ramboux-Preis-Ausstellung gut.

Zu sehen ist sie bis 17. Februar, Di-So 10-17 Uhr, www.museum-trier.de

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