Aufgeschlagen – Neue Bücher: „The End“: Letzter Abschied – Der andere Umgang mit dem Tod

Aufgeschlagen – Neue Bücher: „The End“ : Letzter Abschied – Der andere Umgang mit dem Tod

Vom Musikmanager zum Bestatter: Eric Wrede hat seine Berufung gefunden und wagt mit dem Buch „The End“ den Versuch, die deutsche Trauerkultur zu verändern.

An jeder Ecke lauert der Tod. Niemand weiß, wann, wo oder wie, und überhaupt ist das Ableben doch etwas sehr Abstraktes, das möglichst weit weggeschoben wird. Für Eric Wrede hingegen ist Sterben inzwischen ein fester Bestandteil seines Lebens. Früher war er im Musikbusiness tätig, hat Bands wie Selig oder Polarkreis 18 als Manager betreut. Bis er eines Tages merkte, dass ihm eine richtige Berufung fehlte. Mitten auf der Autobahn kam ihm beim Hören eines Radiointerviews der Geistesblitz: Bestatter. „Menschen in Extremsituationen betreuen und ihnen dabei helfen, Verluste durchzustehen und verarbeiten“ sei das gewesen, was ihn dazu bewog, schreibt Eric Wrede in seinem Buch „The End. Das Buch vom Tod“. Doch er sieht auch ein reformbedürftiges Bestattungssystem, das er darin kritisiert und moderner gestalten möchte.

Seit 2014 besitzt Wrede in Berlin das Bestattungsinstitut „lebensnah“. Im Podcast „The End“ unterhält er sich mit Musikern, Autoren, Sportlern und anderen über deren Erfahrung mit dem Tod, die eigene Beerdigung und vieles mehr. 2018 veröffentlichte er sein Buch. Er will das System verändern. Von innen heraus.

Denn, wie Wrede schreibt: „Wir sollten viel häufiger über den Tod sprechen und darüber, was mit uns passieren soll, wenn es so weit ist.“ Mit seinem Buch gibt er dazu einen Anstoß. Er lässt hinter die Kulissen blicken, obwohl der Blick eigentlich lieber abgewendet wird. Doch Wrede besitzt das Talent, das Thema sympathisch und sensibel, gefühlvoll und leidenschaftlich anzupacken. Ein bisschen nimmt er so die Angst vor dem Tod und lenkt viel mehr den Blick auf das Leben – obwohl es doch um das Sterben geht.

Er spricht von einer Familie, die auf dem Grab einen Briefkasten installiert hat, in den man persönliche Briefe für den Verstorbenen einwerfen kann. Von intimen Trauerfeiern mit persönlichen Worten, gemeinsam zusammengebauten oder bemalten Särgen. Davon, dass es viele Möglichkeiten gibt, Abschied zu nehmen und den Toten noch einmal zu sehen. Mit solchen Beispielen wird die Thematik viel konkreter. Er spricht darin über Verantwortung, die mit dem Tod einhergeht, dem ausgewichen wird, indem man eben diesen zu ignorieren sucht. Doch der letzte Abschied muss kein steifer, kalter, stereotypischer Abgang sein. Dass es diese Möglichkeiten gibt, zeigt Wrede eindringlich in seinem Buch. Der in „The End“ aufgezeigte, sehr viel natürlichere Umgang mit dieser normalsten Sache der Welt, die jeder erleben muss, gibt einen intensiven Anstoß zum Umdenken mit jeder Menge Alternativen.

Eric Wrede liest am Sonntag, 24. März, um 20 Uhr in der Tuchfabrik Trier. Restkarten gibt es an der Abendkasse. „The End – Das Buch vom Tod“ , Heyne Encore Verlag, 190 Seiten, 16 Euro.

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