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Literaturkolumne: "Die F*ck-it-Liste" von John Niven

Literatur : Was wäre wenn?

Frank Brill war Chefredakteur der Gazette in Schilling, Indiana — einer Stadt im Mittleren Westen — bis die Zeitung nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten verkauft wurde. Heute, im Jahr 2026, golft der einstige Verleger im gleichen Club wie der Ex-Präsident.

In John Nivens dystopischen Roman „Die F*ck-it-Liste“ wird ein Amerika gezeichnet, in dem Donald Trump zweimal zum Präsidenten gewählt wurde und inzwischen von seiner Tochter Ivanka regiert wird. Es ist ein Land der Bigotterie, der Waffenfans, der unterdrückten Minderheiten und einer nicht kontrollierbaren Law-and-Order-Polizei. Kurz: Ein Staat, der die Starken schützt und die Schwachen ausbeutet.

Dabei waren es gerade die Angezählten, die Trump ins Weiße Haus gewählt haben; solche wie Frank Brill. 2016 hat er ihn gewählt. Zehn Jahre später sagt er: „Was bloß als Warnschuss für den Politikbetrieb in Washington gedacht war, erwies sich als Bauchschuss.“ Denn Brill spürt, dass er nie in einem Trump-Amerika leben wollte.

Also macht er sich auf zu seinem privaten Rachefeldzug — arbeitet seine „F*ck-it-Liste“ ab. Denn zu verlieren hat er, sterbenskrank wie er ist, nichts mehr. „Ich habe keine Angehörigen, Doc“, sagt nachdem ihm der Arzt eröffnet hatte, dass er nur noch wenige Monate zu leben habe.

Tatsächlich gibt es nur einen, der ihn aufhalten könnte: Chops. Der Ermittler aus Oklahoma klemmt sich an Frank Brills Fersen. Als glühender Trump-Fan himmelt er den Ex-Präsidenten an. „Es war, als ob man zu seinem leibhaftigen Gott aufblickte“, sagt er über einen der Wahlkampfauftritte von Donald Trump. Wie dieses Wettrennen zwischen Frank und Chops ausgeht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: „Wenn sich in den richtigen Wahldistrikten 2016 nur ein paar Tausend Leute anders entschieden hätten, dann wäre Trump niemals gewählt worden, und wenn er niemals gewählt worden wäre, dann hätte ...“ Niven über ein anderes, besseres (?) Amerika schreiben können.

Der Roman hat eine klare Botschaft. Der Umbau des amerikanischen Staates unter Trump muss gestoppt werden, um jeden Preis. Ob es sich lohnt, ihn zu lesen? Darüber entscheiden die Amerikaner heute Nacht.

Alexander Schumitz

John Niven, Die F*ck-it-Liste, übersetzt von Stephan Glietsch, Heyne-Verlag, 22 Euro