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Luxemburg: Casper und Marteria im den Atelier

Musik : Zwei deutsche Rapper Arm in Arm

Marteria und Casper – zwei der bedeutendsten Musiker ihres Genres – haben sich zusammengeschlossen. Im den Atelier beendeten sie ihre Europatournee, doch nächstes Jahr geht es weiter: 2019 ist das Duo eines der Highlights bei Rock am Ring.  

Im den Atelier quetschen sich die Leute am Montagabend in den Club. Sowohl auf der Galerie als auch unten stehen alle dicht gedrängt beieinander, wer früh genug da war, darf sich an guten Plätzen mitten in der Meute erfreuen. Der Rest drängt so weit es geht in den Saal, selten hat man einen so leeren Vorraum und so wenig Raucher während des Konzerts gesehen wie an diesem Abend.

Der Anlass: Marteria und Casper. Zwei der bekanntesten Gesichter des Deutschraps, die mit ihrer Musik neue Wege beschreiten, mehr Pop und Singer-Songwriting zum Klingen bringen und textlich andere Ansätze verfolgen als viele ihrer Genre-Kollegen. Hier wird weniger das Klischee bedient. Insbesondere Casper sticht mit autobiografischen und gesellschaftskritischen Songtexten, die Verletzlichkeit und (Selbst-)Reflexion in den Vordergrund stellen, aus der Masse hervor.

Noch länger als ihr Erfolg im Musikbusiness dauert ihre Freundschaft an. Seit über zehn Jahren sind der Rostocker Marteria und der Bielefelder Casper eng miteinander verbunden. Sie kennen und schätzen einander, schreiben miteinander Musik. Dass dies auch zu Reibereien führen kann, zeigte die Veröffentlichung der ersten großen Hit-Single „So Perfekt“ von Casper 2011. Hieran war Marteria beteiligt, auf dem Album ist sein Part enthalten. Doch der Song wurde ohne Absprache und ohne Materias Rap-Part als Single veröffentlicht, da die Plattenfirma den Fokus auf Casper selbst legen wollte. Das Verhältnis der beiden Männer war daraufhin angespannt. Ein Jahr später zeigte sich, wie stark die Freundschaft tatsächlich ist, denn auf Initiative Materias kam es zur Versöhnung, nachdem er auf dem Lied „Bruce Wayne“ reimte: „Mal gab’s Streit und mal gab’s Stress / Los vertragen, Ma und Cas“.

Dass diese Freundschaft kein stumpfer PR-Gag ist, merkt man beim Konzert nur allzu deutlich. Beide Rapper haben jede Menge Spaß und ergänzen sich perfekt. Die Musiker verbindet viel, der Karriereverlauf ähnelt sich stark, ihre Interessen, etwa Fußball oder Tätowierungen, sind ähnlich und beide teilen einen starken Sinn für Humor. Noch dazu sind Benjamin Griffey und Marten Laciny, wie beide bürgerlich heißen, gleich alt. Ihr Geburtsjahr 1982 wurde zum Titel des ersten gemeinsamen Albums, das am 31. August 2018 erschien. Das landete direkt auf Platz eins der deutschen Charts – für Casper fast schon gewohnt, für Marteria das zweite Mal auf der Pole Position der Musikcharts.

Diesen Erfolg gilt es zu nutzen und so kündigten sie kurz nach der Veröffentlichung eine kleine Club-Tour an. Diesmal sollten keine riesigen Hallen gefüllt werden, sondern intime, verschwitzte und energiegeladene Konzerte standen auf dem Plan. Statt deutsche Städte zu besuchen, entschied man sich allerdings dafür, gleich den ganzen Kontinent zu bereisen. In Anlehnung an die legendäre Hip-Hop-Koryphäe Afrika Bambaataa besuchten Marteria und Casper auf der „Europa Bambaataa Club Tour“ sechs europäische Städte, von Paris bis Prag. Die letzte Station ist Luxemburg und das „den Atelier“ war wie erwartet randvoll gefüllt, schließlich waren die Tickets in wenigen Minuten vergriffen.

Der Plan von „Casteria“ geht voll auf: Der Funke des Duos springt von der ersten Minute an auf das Publikum über, das in der ersten Viertelstunde bereits den vollgepackten Club in eine stickige Sauna verwandelt.

Auf der Bühne schöpfen Casper und Marteria aus den Vollen: Nicht nur die Lieder von „1982“ gibt es auf die Ohren, sondern auch die großen Hits der beiden Protagonisten. Von „Im Ascheregen“ über „Auf und Davon“ zu „So Perfekt“ von Casper ebenso wie „Endboss“, „Bengalische Tiger“ oder „OMG“ von Marteria – hier kamen beide gleichberechtigt zum Zug und die Fans kaum zum Verschnaufen. Während des Live-Sets spielt auch DJ Illvibe eine große Rolle, der ein wenig experimentieren darf. Die Beats werden fleißig ausgetauscht, so wird auf die Musik von Kendrick Lamar, The Prodigy oder vielen weiteren szeneübergreifend gerappt.

Anderthalb Stunden lassen Marteria und Casper die Fans schwitzen, bis in die letzten Reihen heben sich die Arme, wenn es heißt „Alle Hände hoch!“, und textsicher zeigt sich das Publikum auch noch. Die Zeit vergeht wie im Flug und sicherlich hätte man ob des großen Repertoires der beiden Rapper noch deutlich mehr Songs spielen können. Doch um es mit Caspers Worten zu sagen: „Alles endet. Aber nie die Musik.“