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Theater
Unendlicher Spaß mit alten Bekannten

Szene aus dem Gastspiel „Unendlicher Spaß“, das Mitte November in Starbesetzung auf der Bühne des Grand Théâtres zu sehen sein wird.
Szene aus dem Gastspiel „Unendlicher Spaß“, das Mitte November in Starbesetzung auf der Bühne des Grand Théâtres zu sehen sein wird. FOTO: David Baltzer
Luxemburg. „Unendlicher Spaß“ am Luxemburger Grand Théâtre von Thorsten Lensing

Wer sich schon durch die 1545 Seiten von David Foster-Wallace’ (1962-2008) Opus magnum „Unendlicher Spaß“ geackert hat, wird ahnen können, wie im Wortsinn ver-rückt das Vorhaben anmutet, dieses Monster von einem Roman in ein Theaterstück von nur knapp vier Stunden Dauer zu fassen. Der aus dem Münsterland stammende Regisseur Thorsten Lensing hat wieder ein hochkarätiges Team um sich geschart, um dieses Unterfangen zu einem theatralischen Erlebnis werden zu lassen, das er am 15./16. und 17. November (jeweils um 19 Uhr) im Luxemburger Grand Théâtre präsentieren wird.

Nach Tschechows „Onkel Wanja“ (2012) und „Der Kirschgarten“ (2015) sowie Dostojewskis „Karamasow“ (2016) – die allesamt von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen wurden –, ist „Unendlicher Spaß“ das vierte Gastspiel in Luxemburg mit der Crème der deutschsprachigen Bühnenkünstler in der Besetzungsliste: Ursina Lardi, Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Heiko Pinkowski, Jasna Fritzi Bauer sowie Luxemburgs bester Theaterexport André Jung werden sich, wenn die Erwartung nicht trügt,  die Seele aus dem Leib spielen.

Ein junger Luxemburger Regisseur, Thierry Mousset war auch als Dramaturg an der Textfassung des von Les Théâtres de la Ville de Luxembourg koproduzierten Stückes beteiligt und erzählt im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund davon, dass man sich viel Zeit nehmen muss, um eine solche Mammutaufgabe bewältigen zu können. Drei Jahre habe es gedauert, bis das Stück auf festen dramaturgischen Beinen stand und „um den hochkomplexen Stoff zu durchdringen“. Dabei gehe es eigentlich um eine simple, aber allumfassende Frage: „Was bedeutet es, heute zu leben?“

Dieser natürlich nicht erschöpfend zu beantwortenden Frage nähert sich Foster-Wallace eher beschreibend denn bewertend mit großer Empathie und ohne distanzierende Ironie; das war 1996, im Jahr, als das Buch erschienen ist, ein radikal neuer Ansatz. Im Laufe der Arbeit an der Textfassung und dann noch einmal während der Probenphase hat das Team die für das Theater wichtigen und nötigen Handlungsstränge herauskristallisiert und so „nicht den Roman nachgeäfft“, sondern für das Theater adaptiert.

Mousset sagt, dass man für den Theaterbesuch das Buch sicher nicht gelesen haben müsse und hofft, dass der Zuschauer „als weißes Blatt“ in den Theaterabend geht, um sich von der schieren Qualität des Stückes und den schauspielerischen Meisterleistungen bannen zu lassen. Wer sich noch an André Jungs legendäre, herzzerreißende Darstellung eines Hundes (!) im „Karamasow“ erinnert, darf auch hier auf berührende und urkomische Szenen gespannt sein.

Ach, wird sich der geneigte Leser und potenzielle Theaterbesucher möglicherweise an dieser Stelle fragen, worum geht es denn in diesem Stück eigentlich, was ist die Handlung?  Um es mit Star-Romancier Don de Lillo („Underworld“) zu sagen: „Alles und noch mehr!“  Oder eben um Theater at its best, ausgelassen, humorvoll, traurig, erschreckend, schockierend, gruselig und vor allem erkenntnisreich. Auch wenn man nur die Sehnsüchte und Ängste seiner selbst oder seiner Mitmenschen oder zumindest Teile davon erkennt.