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Philharmonie
Panorama statt Paukenschlag

Luxemburg. Die Luxemburger Philharmonie hat zu Beginn der neuen Spielzeit keineswegs nur Klassik im Programm. Von Martin Möller

Die Paukenschläge bleiben aus. Zu Beginn der neuen Spielzeit setzt die Luxemburger Philharmonie nicht auf den spektakulären Start, sondern, eher unauffällig, auf ein ganzes Panorama von Veranstaltungen. Womit sie gleich zu Beginn etwas von der Vielfalt im aktuellen Philharmonie-Programm dokumentiert.

Den Anfang macht nicht irgendein großes Orchester von auswärts, sondern das hauseigene Orchestre Philharmonique (OPL) mit einem „Lunch Concert“ (12. September, 12.30 Uhr). Natürlich steht Chefdirigent Gustavo Gimeno am Pult und dirigiert Tschaikowskys Fünfte – bei freiem Eintritt und im Restaurant ohne Reservierung. Zwei Tage später (14. September) kehrt das volle sinfonische Leben in die Philharmonie zurück. Da steht abermals Tschaikowskys Fünfte im Programmheft, aber dazu Strawinskys „Jeu de cartes“ und vor allem dessen Violinkonzert mit Leonidas Kavakos, der beim Philharmonie-Publikum  längst heimisch geworden ist. Dann folgen die Termine  Schlag auf Schlag. Zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung gastiert das Mahler Chamber Orchestra unter Jungstar Gustavo Dudamel mit einem scheinbar konventionellen, künstlerisch aber heiklen Programm aus Schuberts 3. Sinfonie und der Vierten von Brahms (16. September). Nur vier Tage danach (20. September, 19 Uhr) erläutert  Jean-Francois Zygel Schuberts „Unvollendete“ – selbstverständlich mit dem OPL unter Gergely Madaras. Und am 22. September ab 13 Uhr dürfen alle Neugierigen bei der „Orchestramania“ mal  hinter die Kulissen des Orchesters schauen. Auch die Solistes Européens mischen wieder mit, und zwar mit Musik von Holst, Mozart und dem Luxemburger René Wiltgen (24. September).

Das übrige September-Programm auf dem Kirchberg ist relativ rasch erzählt, aber dabei keineswegs unbedeutend. Geiger Renaud Capucon und der junge Pianist Kit Armstrong, der erst kürzlich in Trier beim Mosel Musikfestival  zu hören war, spielen vier Mozart-Violinsonaten und begeben sich damit in eine Gattung, in der Mozart Pionier war (25. September). Die Wiener Philharmoniker unter Altmeister Herbert ­Blomstedt bewegen sich mit Dvoraks Siebter und der „Sinfonie singulière“ von Franz Berwald in reizvollen Randbezirken des Repertoires (26. September).

Zur selben Zeit setzt  im Kammermusiksaal ein Ensemble mit der vom Mittelalter abgeleiteten Bezeichnung „Talea“ zwei sarkastische Aphorismen von Karl Kraus in eine musikalisch-theatralische Show um. Zum Monatsende tritt auch das Orchestre du Chambre in Erscheinung (30. September, 17 Uhr). Es unternimmt mit Werken von Debussy, Ravel und Saint-Saens einen klingenden Frankreich-Ausflug.

Und wem all das zu ernst und zu klassisch vorkommt, der ist bei Gregory Porter  sicherlich gut aufgehoben. Der Sänger, dessen Wärme in  der Stimme allseits gerühmt wird, kommt nach drei Jahren wieder zurück in die Philharmonie (29. September). Und er bringt sogar einen Film mit: „Gregory Porter: Don’t forget your music“ von 2016 (29. September, 18.15 Uhr). Für Seelenschwingungen ist also gesorgt.

Beginn ist, wenn nicht anders angegeben, um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 00352/26322632. Weitere Infos: www.philharmonie.lu