Madsen in Trier vor der Porta Nigra

Konzerte : Party vor der Porta: Madsen-Fans trotzen dem Regen

Eine spektakuläre Live-Show mit furioser Rockmusik liefern die momentan sehr angesagten Indie-Rocker von Madsen zum Auftakt der „Porta hoch drei“-Open-Air-Konzerte.

Pünktlich zu Beginn des vierten Festivals vor der Porta Nigra präsentiert sich der Himmel in verwaschenem Grau, und ein feiner Nieselregen setzt ein. Aber die knapp 850 Fans der norddeutschen Rockband Madsen lassen sich nicht ins Bockshorn jagen, zunächst tröpfeln sie nur auf den weiträumig abgesperrten Platz vor Triers Wahrzeichen, dann aber ergießt sich ein Menschenstrom in durchsichtigen Plastik-Regenkutten in Richtung Bühne.

Die ist zwar überdacht, Texter, Lead-Sänger und Gitarrist Sebastian Madsen legt aber los wie ein Gewittersturm und ist schon nach Minuten so schweiß- wie sein Publikum regennass. Madsen spielt zum ersten Mal in Trier, die drei Brüder Sebastian, Johannes (Gitarre, Gesang) und Sascha (Schlagzeug) sowie Bassist Niko Maurer sind schwer beeindruckt von der Kulisse und wähnen sich gar – historisch nicht ganz einwandfrei – in einer „Game-of-Thrones“-Kulisse. Von null auf 100 in zwei Minuten, Sebastian animiert das feierwütige Publikum zum Tanzen, Singen, Springen, Schwitzen und Schreien: „Mach Lärm, Trier!“.

Die Botschaft ist klar, leben im Hier und Jetzt, der Titel dazu heißt „Du schreibst Geschichte“. Party ist angesagt, den widrigen Umständen des Lebens an sich und dem Regen im Speziellen zum Trotz. Morgen arbeiten? Scheißegal!

Eine politische Botschaft gefällig? Nein, dass man sich gegen Nazis engagiert, ist selbstverständlich, aber Sebastian ist – nach eigener Aussage – nicht so gut im Texten politischer Songs. Vielleicht aber doch beim Lied „Sirenen“ vom „Kompass“-Album, das frenetisch bejubelt wird. Handgemachter Rock mit Punk- und Pop-Einflüssen, manchmal baladesk, mit energiegeladenen Gitarren (Support: Martin Krüssel) und treibenden Drums. Das klingt dann bei „Love is a Killer“ schon mal – für die älteren Musikliebhaber, das hiesige Publikum ist eher studentisch jung – wie bei Uriah Heep oder Deep Purple. „So viel Liebe“, ruft Niko Maurer ins ausrastende Publikum, der Mann mit der Retro-Löckchen-Mähne wurde immerhin gerade von Sebastian zum „sexiest man alive“ gekürt.

Sebastian Madsen rockt mit seiner Band die rot-blau angestrahlte Porta Nigra. Foto: Dirk Tenbrock

Das Publikum wird permanent einbezogen,  Emily und Nadine dürfen sogar auf die Bühne und dort die Konfetti-Kanonen zünden, die Lichtshow ist bombastisch, die Lautstärke hoch, aber gut ausgesteuert. Veranstalter Popp-Concerts sorgt, zusammen mit der Trier-Tourismus-Marketing, für einen reibungslos-professionellen Ablauf. Am gestrigen Freitag ist das neue Album „Lichtjahre“ erschienen, passend zur ausgiebig zu bespielenden Festival-Saison, zwei Songs präsentieren die Jungs und die wunderbare Lisa Nicklisch (Orgel und Gesang) in Trier. Feiner Sommersound bei „Mein erstes Lied“, das es in der vorigen Woche in Böhmermanns Neo-Magazin zu hören gab und das etwas härter klingende „Rückenwind“ mit Rammstein-Reminiszenzen. Sowieso zitiert und covert Madsen gerne, Mias „Hungriges Herz“ wird ausgespielt, „Life is Life“ von Opus, „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana und sogar Klaus Lages Kracher „1000 und eine Nacht“ werden augenzwinkernd zumindest angespielt. So kommt es, wie von Sebastian Madsen angekündigt: „Die besten Konzerte spielen wir im Regen!“

Mehr von Volksfreund