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Mariele Millowitsch und Walter Sittler lesen „Alte Liebe“ in Echternach

Kultur : Tolles Paar, ohne ein Paar zu sein: Mariele Millowitsch und Walter Sittler lesen „Alte Liebe“ in Echternach

Beide Schauspieler begeistern des Publikum und lesen darüber, was 40 Jahre Ehe ausmacht.

Bereits in den Fernsehserien „Girlfriends“ und „Nicola“ überzeugten Mariele Millowitsch und Walter Sittler in ihren Rollen als streitendes, liebendes und sorgendes Paar ihre Zuschauer. Und auch für die szenische Lesung des Bestsellers von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder „Alte Liebe“ aus dem Jahr 2009 sind sie die perfekte Besetzung. Im ausverkauften Trifolion in Luxemburg sitzen sie frontal zum Publikum an zwei Tischchen, die jeweils mit einem altmodischen Nachttischlämpchen ausgestattet sind. Zwischen beiden ist ein Abstand von gut einem Meter. Im richtigen Leben sind und waren Millowitsch und Sittler nie ein Paar – im Gegensatz zu den Autoren von „Alte Liebe“, Elke Heidenreich und Bernd Schroeder.

Als diese gemeinsam begannen, ihren Roman zu schreiben, waren sie bereits getrennt, hinter ihnen lagen 23 Jahre Ehe. Abwechselnd haben sie geschrieben, was die beiden Protagonisten des Buches, das Ehepaar Lore und Harry, bewegt. Und das ist so herrlich lebensnah und mit viel Wortwitz und Klugheit verfasst, dass es nahelag, die szenische Lesung mit zwei großartigen Schauspielern, die außerdem sehr gute Freunde sind, zu besetzen. Millowitsch und Sittler nehmen die 680 Zuhörer – nein, in diesem Fall auch Zuschauer – von der ersten Minute an mit und werden zu den Protagonisten Lore und Harry. Schnell wird klar: Diese Lesung ist eher ein Theaterstück. Vielsagende Blicke, pointierte Dialoge, wohldosierte Körpersprache – hier stimmt einfach alles. Es fällt kaum auf, dass die beiden Akteure ihren Text ablesen, zu oft schauen sie von ihrem Manuskript auf, um Mimik und Gestik sprechen zu lassen, Pointen zu setzen und mithilfe von Lichtwechseln ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Das Buch „Alte Liebe“ umfasst gut 190 Seiten – um die Geschichte in 90 Minuten zu erzählen, wurde so geschickt gestrichen, dass es der Handlung keinen Abbruch tut und gleichzeitig neugierig auf den Teil des Buches macht, der an diesem Abend ausgeklammert wird. Lore und Harry sind seit 40 Jahren verheiratet, nun stehen sie vor der Frage, ob sie die Einladung zur dritten Hochzeit ihrer Tochter annehmen oder nicht. „Ich freue mich auf die Hochzeit“, sagt Lore voller Elan, doch Harry brummt nur: „Man kann sich alles schönreden!“ Ein vielsagender Blick Lores in Richtung Harry, Gelächter im Saal. Aber bei dieser Geschichte ist die Hochzeit der Tochter nur die Rahmenhandlung. Schwindende Leidenschaft in der Beziehung und eingefahrene Strukturen werden in pointenreichem Schlagabtausch behandelt, dabei wechseln sich witzige mit nachdenklichen  Passagen ab. Lore hinterfragt ihr Leben, ihre Ehe. Harry ist seit zwei Jahren pensioniert, sie ist noch berufstätig. Sie fragt sich, ob er ihr wohl auf die Nerven gehe, wenn auch sie nur noch zu Hause ist. Das Alter macht ihr zu schaffen, der Gedanke an den Tod. Sie will nicht enden wie ihre Mutter, die seit acht Jahren künstlich am Leben erhalten wird. „Sie kann nicht leben und nicht sterben“, sinniert Harry, und ein Gespräch über die Notwendigkeit einer Patientenverfügung beginnt.

Beim „bitteren“ Ende der Lesung ist es im Atrium so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Gut zehn Sekunden dauert es, bis erst zaghafter und dann immer stärker werdender Applaus einsetzt.  Nach 90 Minuten Gefühls-Achterbahnfahrt verneigen sich zwei großartige Akteure vor ihrem begeisterten Publikum.