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Film ab - die Kinokolumne: „True Warriors“
Menschlich und direkt

Gulab Bamik Moment des Anschlags
Gulab Bamik Moment des Anschlags FOTO: Niklas Schenck
Als die Bombe hochging, änderte sich alles: Am 11. Dezember 2014 sprengt sich im Französischen Kulturinstitut in Kabul in Afghanistan ein Terrorist in die Luft, reißt zwei  Menschen mit in den Tod und verletzt zahlreiche Besucher und Künstler. Auf der Bühne wird gerade ein Stück gezeigt, das die Sinnlosigkeit der Selbstmordanschläge thematisieren soll. Einige der Besucher halten die Explosion im ersten Moment des Schreckens für einen besonders gelungenen Teil der Aufführung. Keiner, der dabei war, bleibt unverändert.  Die deutschen Journalisten und Filmemacher Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck haben für ihren Dokumentarfilm „True Warriors“ mit Künstlern und Mitwirkenden des Stücks  über ihre Erlebnisse und die Verarbeitung derer gesprochen. In einfühlsamen, mitreißenden und bestechend ehrlichen Interviews eröffnen die Männer und Frauen eine Perspektive auf die Geschehnisse in dem uns fernen Land, die man durch die immer und immer wieder durch die Medien geisternden Berichte über Terror und Elend meistens nicht bekommt: Menschlich, persönlich, unbeschönigt und sehr direkt. Einige der Künstler sind nach dem Anschlag aus Afghanistan geflohen, andere sind geblieben und machen trotzig weiter. „True Warriors“ zeigt sie alle und lässt sie sprechen, ganz ohne einordnenden Off-Text der Macher, ohne irgendwie aufgezwungenen Subtext. Der ist gar nicht nötig, denn die Menschen können für sich selbst sprechen. Tief verletzt, oft traumatisiert, aber ungebrochen. Die wahren Krieger sind nicht die, die die Waffen erheben. Die wahren Helden sind die, die sie ertragen müssen. „True Warriors“ ist nicht einfach, nicht angenehm. Aber wichtig und tief bewegend.
David Falkner

David Falkner

Film True Warriors (Leena Alam als Farkhunda)
Film True Warriors (Leena Alam als Farkhunda) FOTO: Niklas Schenck