| 18:13 Uhr

Konzerte
Ein Kunstwerk aus Gesten, Wort und Musik

Das Philharmonische Orchester und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach spielen zum Stummfilm-Klassiker „Metropolis“. Im Hintergrund  das legendäre Uhren-Motiv.
Das Philharmonische Orchester und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach spielen zum Stummfilm-Klassiker „Metropolis“. Im Hintergrund  das legendäre Uhren-Motiv. FOTO: Martin Möller
Trier. Fritz Langs Filmlegende „Metropolis“ stand im Mittelpunkt der neuen „Mixed Zone“-Reihe des Trierer Theaters. Die Aufführung der Philharmoniker mit Musik von Gottfried Huppertz ist rundum geglückt. Von Martin Möller

Es war wirklich eine Wucht! Die Trierer Philharmoniker spielten auf der Bühne im voll besetzten Theater wie befreit. Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach dirigierte mit weit ausholenden Gesten, wandte sich mal dieser, mal jener Gruppe im Klangkörper zu und zeigte geradezu demonstrativ, wie hoch er die Filmmusik von Gottfried Huppertz (1887-1937) schätzt. Und dann, im Hintergrund und dennoch detailgenau, Fritz Langs Filmlegende „Metropolis“ von 1927 mit ihrer Vision einer futuristischen Maschinenwelt, ihren expressionistisch geschärften Bildern, den unauffälligen, aber treffsicheren Gesten, den bedrängenden Massenszenen und, gegen Ende, mit einem Katastrophen-Szenario, das an Eindringlichkeit die moderne Science-Fiction-Produktion bei weitem übertrifft.

Und dazu diese Musik! Fritz Lang und seine Ehefrau Thea von Harbou hatten Huppertz früh in ihre Planungen einbezogen. Darum ist dessen Musik so präzise integriert in die Filmhandlung. Sie begleitet das Geschehen, entwickelt Leitmotive für Personen und Situationen. Vor allem: Der eher fragmentarischen Bilderfolge im Film gibt sie eine überzeugende emotionale Kontinuität mit. Bis zum letzten Akkord laden Film und Musik ein zum Mitdenken, zum Mitfühlen, zum Miterleben und provozieren gelegentlich auch Erschrecken und Abwehr.

Die Komposition von Gottfried Huppertz, der übrigens auch allgemein anerkannter Opernsänger war, ist eine Musik der großen Gesten und dabei glänzend instrumentiert. Man spürt: den Philharmonikern und vor allem den Bläsern, liegt diese Komposition, liegen die theatralischen Aufschwünge, die impressionistischen Akkordverschiebungen und der farbenreiche, durchaus variable, aber immer markante Orchesterklang. Die Holzbläser steigern sich zu solistischer Brillanz.

Und weil Jochem Hochstenbach mit größter Aufmerksamkeit Zäsuren und Tempi beachtet, verschmelzen Filmhandlung und  musikalischer Verlauf, verschmelzen Bild und (geschriebenes) Wort zu einem Gesamtkunstwerk, das in seiner Anschaulichkeit und hoch gesteigerten Emotionalität den Betrachter nicht mehr loslässt.

Natürlich kam es  bei immerhin zweieinhalb  Stunden Dauer im Publikum zu kleinen Ermüdungserscheinungen. Nach der Pause blieben einige (wenige) Plätze leer. Aber das Orchester und auch Hochstenbach, sie hielten die enorme Spannung aufrecht. Und wenn am Schluss das Leitmotiv der Maria vom Ende der zerstörerischen Konflikte kündet, dann geht der wuchtige Tutti-Klang über in kammermusikalische Reflexion. Es ist ein befreiender Schluss, ein Schluss, der aufatmen lässt. Ohne die Musik von Gottfried Huppertz wäre er nur halb so eindringlich. Der Start zur neuen „Mixed Zone“ Reihe im Trierer Theater ist rundherum geglückt!